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Facebook will Fake-Video von Nancy Pelosi nicht löschen | BR24

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Nancy Pelosi

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    Facebook will Fake-Video von Nancy Pelosi nicht löschen

    In den USA sorgt ein manipuliertes Video der Demokratin Nancy Pelosi für Diskussionen: In dem Clip wirkt die Sprecherin des Repräsentantenhauses betrunken. Trotz heftiger Kritik will Facebook das Fake-Video aber nicht löschen.

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    Sie spricht sehr langsam, ihre Aussprache scheint verwaschen und ihre Handbewegungen verlangsamt: In einem Video, das derzeit vor allem auf Facebook geteilt wird, wirkt die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses - Nancy Pelosi - betrunken.

    Die "Washington Post" berichtete zuerst von dem manipulierten Video und erklärte mit Hilfe des Original-Materials, wie hier mit relativ simplen Methoden ein Video verändert wurde: Die Geschwindigkeit der Aufnahme wurde demnach auf 75 Prozent reduziert. Allein das reicht aber nicht aus, denn Pelosis Stimme würde dann arg verzerrt und viel tiefer klingen. Laut der Analyse der "Washington Post" wurde auch die Tonhöhe verändert, damit die Stimme der US-Demokratin normal klingt.

    Fake-Video hat knapp 3 Millionen Aufrufe

    Woher das manipulierte Video stammt, ist unklar. Auf Facebook wurde es von einer Seite mit dem Namen "Politics Watch Dog" gepostet. Das Video hatte bis Montagmittag etwa 2,8 Millionen Aufrufe und wurde mehr als 48.000 Mal geteilt.

    Auch der konservative Politiker Rudolph W. Giuliani teilte das Video laut "Washington Post" in einem - mittlerweile gelöschten - Tweet und US-Präsident Donald Trump veröffentlichte auf Twitter ein weiteres verändertes Video von Pelosi mit den Worten "Pelosi stammelt während Pressekonferenz".

    Dass ausgerechnet dieses Video viral geht, zeigt, dass trotz der Diskussionen um die Gefahr von sogenannten Deep Fakes, schon sehr simple Mittel ausreichen, um mit gefälschten Videos zu verwirren und damit die öffentliche Meinungsbildung zu beeinflussen. Denn auch wenn beide Veränderungen in dem Video nicht sehr aufwendig sind, ist doch auf den ersten Blick nicht sofort zu erkennen, dass das Video manipuliert wurde - insbesondere dann nicht, wenn man den Original-Clip nicht vorliegen hat.

    Facebook will Fake-Video nicht entfernen

    Das Video von Nancy Pelosi sorgt zudem für heftige Kritik gegenüber Facebook, weil das soziale Netzwerk den Clip nicht entfernt - anders als beispielsweise YouTube. Das Video kann weiterhin geteilt werden, dann erscheint ein Hinweis, dass der Clip von verschiedenen Faktenprüfern angezweifelt wird.

    In einem Interview mit dem CNN-Moderator Anderson Cooper rechtfertigt Monika Bickert, Vizepräsident von Facebook, diese Entscheidung. "Wir glauben, es ist wichtig, dass die Leute ihre eigene, informierte Entscheidung treffen, was sie glauben", so Bickert. Facebooks Aufgabe sei es, den Menschen dafür akkurate Informationen mit auf den Weg zu geben. Zudem hätte Facebook die Verbreitung des Videos stark eingeschränkt.

    © BR/A.Hemmes

    Screenshot Facebook Hinweis auf Fake-Video

    "Wir sind nicht im Nachrichtengeschäft"

    Der CNN-Moderator hakt nach und betont, das Facebook im Nachrichtengeschäft sei, und damit gehe eine Verantwortung einher. Bickert meint daraufhin: "Wir sind nicht im Nachrichtengeschäft, wir sind im Social-Media-Geschäft."

    Ähnlich äußerte sich Facebook gegenüber der "Washington Post". Auf Nachfrage der Zeitung am Freitag teilte der Konzern mit, dass unabhängige Faktenchecker das Video als "falsch" eingestuft hätten. Facebook habe aber keine Richtlinie, die besage, dass gepostete Informationen auf Facebook wahr sein müssen.

    "Sexistischer Müll"

    Die FacebookSeite "Politics Watch" schreibt zu dem Video nur, dass sie niemals behauptet hätten, Pelosi sei betrunken. Man könne nicht kontrollieren, was die Menschen in den Kommentaren denken.

    Twitter wollte das Thema laut "Washington Post" nicht kommentieren. Ein Sprecher von YouTube sagte der Zeitung, das Video verstoße gegen die Richtlinien der Plattform und werde deshalb entfernt. 
Ein Sprecher von Nancy Pelosi sagte, man werden diesen "sexistischen Müll" nicht kommentieren.