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Facebook
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Christian Sachsinger
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Facebook

Facebooks Geschäftsmodell besteht ja darin, möglichst genaue Profile seiner Nutzer zu erstellen, um dann ganz gezielte Werbung schalten zu können. Dabei fließen Daten aus den Nutzer-Konten zusammen mit Informationen über deren Verhalten außerhalb von Facebook, also zum Beispiel beim Surfen im Internet. Das Kartellamt will hier nun quasi eine Trennwand einziehen.

Was bedeutet das für den Nutzer?

Bislang kann man nur überlegen, ob man Facebooks Nutzungsbedingungen akzeptieren möchte, oder ob man sich weigert, das entsprechende Häkchen zu setzen, und dann aber aus dem großen Netzwerk ausgeschlossen bleibt. Sollte sich das Bundeskartellamt durchsetzen, dann müsste Facebook seinen Nutzern die Wahl lassen. Sie könnten endlich wirklich entscheiden, ob sie das Datensammeln generell erlauben und gezielte Werbung bekommen wollen, oder ob sie genau dies ablehnen und dann aber trotzdem bei Facebook mitmachen dürfen. Die Nutzer bekämen also einen guten Teil der Hoheit über ihre persönlichen Daten zurück.

Wie schlimm wäre es für Facebook?

Facebooks Profile wären im Fall eines Verbots der automatischen Datenzusammenführung oft viel unpräziser. Da voraussichtlich gerade viele ältere Nutzer (denen Datenschutz oft noch wichtig ist) die Datenweitergabe verweigern würden, wenn dies ohne Konsequenzen bliebe, würde Facebook zum Beispiel nicht mehr wissen, welche Produkte gerne von diesen Personen gekauft werden. Diese Profile wären dann für Werbekunden deutlich weniger wert. Das Geschäftsmodell von Facebook wäre tatsächlich ein gutes Stück weit bedroht.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Facebook einlenkt?

Die Entscheidung des Bundeskartellamtes ist noch nicht rechtskräftig. Facebook kann innerhalb eines Monats Beschwerde einlegen, darüber müsste dann das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden. Dabei kann das Gericht auch verfügen, dass das Kartellamts-Verbot erst einmal ausgesetzt wird. Falls nicht, will das Kartellamt loslegen und von Facebook in den nächsten vier Monaten konkrete Vorschläge einfordern, wie es seinen Dienst datenschutzkonform zu machen gedenkt. Dabei können dann auch die Daumenschrauben angezogen werden. Das Kartellamt kann Bußgelder von bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes verhängen. In jedem Fall wird Facebook versuchen, auf Zeit zu spielen.