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Facebook startet News-Service - und sorgt bereits für Ärger | BR24

© dpa/Peter Dasilva

Seit Jahren wird Facebook vorgeworfen, die Verbreitung von Falschmeldungen zu befeuern. Nun will das Netzwerk wieder einmal gegensteuern.

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Facebook startet News-Service - und sorgt bereits für Ärger

Seit Jahren wird Facebook vorgeworfen, die Verbreitung von Falschmeldungen, Hetze und Propaganda aus dubiosen Quellen zu befeuern. Nun will das Netzwerk mit Hilfe von Nachrichten-Medien gegensteuern. Ärger gibt es schon zum Start von "Facebook News".

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Die Liste von Facebooks Anti-Propaganda-Maßnahmen seit der US-Wahl 2016 ist lang: der Newsfeed-Algorithmus wurde geändert, Faktenchecks eingeführt, das Melden von zweifelhaften Inhalten erleichtert. Gelöst wurde das Fake-News-Problem damit nicht.

Erst am Dienstag rief die EU-Kommission große Tech-Firmen wie Facebook, Google und Co. wieder auf, größeren Einsatz gegen Fake News zu zeigen. Es gebe auf den Plattformen immer noch "umfangreiche automatisierte Propaganda und Desinformation", auch wenn sich einiges verbessert habe, ließ EU-Justizkommissarin Vera Jourova wissen.

Neuer Dienst "Facebook News" als zweiter Newsfeed

Dass weitere Anstrengungen notwendig sind, hat wohl auch Facebook bemerkt. In Zeichen des Kampfes gegen Falschmeldungen kündigte der Konzern nun das neue Nachrichtenangebot "Facebook News" an. Es handelt sich dabei quasi um einen zweiten Newsfeed, in dem jedoch nur Inhalte mehr oder weniger klassischer Nachrichten-Medien aufgeführt werden.

Der User kann künftig zwischen dem neuen Medien-Feed (mit Links zu Medien-Websites) und dem normalen Newsfeed (mit Urlaubsfotos, Memes und Links aller Art) hin und her springen. Welche Beiträge er bei "Facebook News" genau zu sehen bekommt, entscheiden eine Facebook-eigene Redaktion und ein Algorithmus, der stetig mehr darüber lernt, was der einzelne Nutzer gerne liest und was ihn interessiert.

Facebook will seriösen Journalismus unterstützen und Fake News bekämpfen

Zunächst wird der Service in den USA an Facebook-Nutzern in mehreren Großstädten getestet. Mit an Bord sind zu Beginn große US-Medien wie die New York Times, Buzzfeed und Fox News. Sie werden von Facebook für die Bereitstellung ihrer Inhalte bezahlt, abhängig von Größe und Bedeutung des Mediums. Es sollen aber laut eigener Aussage von Facebook kleine, große, allgemeine und fachspezifische Medien und verschiedene Themenschwerpunkte auf der neuen News-Seite präsentiert werden.

"Journalismus spielt in unserer Demokratie eine entscheidende Rolle", schreibt Facebook in einem Blog-Beitrag zu "Facebook News". Man wolle, dass neue Formen von Journalismus für das digitale Zeitalter aufblühen - auch individueller, unabhängiger Journalismus. Zugleich gibt es für Facebook jedoch Grenzen: Das Netzwerk selbst verweist zum Start von "Facebook News" ausdrücklich auf Richtlinien, die Medien beispielsweise den Verzicht auf Falschinformationen, Hetze und Clickbait vorgeben.

Facebooks Auswahl dubioser Partner führt zu Ärger

Noch bevor der neue Dienst landesweit, geschweige denn weltweit ausgerollt wird, sorgt bereits Facebooks Auswahl an Medien für Ärger. Zu den Partnern gehört nämlich auch die US-Website Breitbart, die viele nicht als Vorreiter im Kampf gegen Fake-Meldungen und Propaganda sehen.

Breitbart wurde lange von Donald Trumps Ex-Berater Stephen Bannon geführt und gilt als nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, Informationen verkürzt bis hetzerisch den eigenen politischen Vorstellungen anzupassen. In Deutschland erlangte ein Beitrag Bekanntheit, in dem Breitbart berichtete, dass Migranten mit dem Jetski nach Europa kämen - bebildert mit einem Jetski-fahrenden Lukas Podolski im Urlaub. Im vergangenen Jahr erklärte Wikipedia, Breitbart nicht mehr als zuverlässige Quelle für seine Artikel anzuerkennen.

Auch unter US-Journalisten sorgte die Einbeziehung von Breitbart als vertrauenswürdige News-Quelle in "Facebook News" für Irritationen. Darauf angesprochen, wies Facebook-Chef Mark Zuckerberg darauf hin, dass man nun einmal verschiedene Blickwinkel anbieten wolle.

Facebook zunehmend unter Druck

Das soziale Netzwerk gerät nicht nur in der EU zuletzt verstärkt unter Druck. Auch in den USA werden vermehrt Kritik und Regulierungsvorschläge bis hin zu Zerschlagungsforderungen laut. So kritisieren liberale Größen wie die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elisabeth Warren oder die linke US-Abgeordnete und Polit-Hoffnungsträgerin Alexandria Ocasio-Cortez öffentlichkeitswirksam, dass Facebook politische Werbeanzeigen ungeprüft veröffentlicht, da Populisten so gezielt Lügen und Übertreibungen verbreiten können.

Anderseits kritisieren Konservative wie Trump und republikanische Angeordnete in den USA Facebook seit Jahren dafür, ihre Meinungen zu diskriminieren. So wurde Facebook bei seinem letzten Versuch, Medienbeiträge redaktionell auszuwählen, bereits Voreingenommenheit zugunsten liberaler Positionen vorgeworfen.

In Deutschland werden zuletzt vor allem Hass-Kommentare, Hetze und Beleidigungen als Probleme sozialer Netzwerke wie Facebook wahrgenommen. Die Bundesregierung will daher dafür sorgen, dass Hass-Inhalte nicht nur gelöscht, sondern auch bei den Behörden gemeldet werden. In Bayern haben sich Medien und Justiz bereit darauf verständigt, strafrechtlich relevante Inhalte von Facebook & Co. freiwillig den Behörden zu melden, auch der BR beteiligt sich daran.

Kritik reißt nicht ab

Der Druck auf Facebook und seinen Gründer scheint zudem aktuell nicht gerade kleiner zu werden. So wurde ein Brief von 250 Facebook-Mitarbeitern an Mark Zuckerberg öffentlich, in dem sie fordern, politische Werbung auf Facebook stärker zu kontrollieren, da die Plattform sonst zur Waffe für Politiker werden könne.

Auch "New York Times"-Kolumnist Thomas L. Friedman kritisierte am Dienstag: Facebook-Chef Zuckerberg sei, mit seiner Weigerung gegen Lügen in politischer Facebook-Werbung vorzugehen, gerade dabei, zusammen mit Trump und seinen Verbündeten, Amerika zu zertrümmern. "Ich hatte weder während dem Kalten Krieg, noch während Vietnam, noch während Watergate mehr Angst um mein Land", schreibt Friedman.