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Facebook öffnet sich für rassistische Inhalte | BR24

© pa/dpa/Jaap Arriens

Facebook öffnet sich für rassistische Inhalte

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    Facebook öffnet sich für rassistische Inhalte

    Facebook startet in den USA einen Newsfeed für Medien. Ausgewählte Medien sollen vertrauenswürdige Nachrichten ermöglichen. Mit dabei ist aber auch das rechtspopulistische Portal Breitbart News. In der Medienlandschaft sorgt das für Entsetzen.

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    Mit dem neuen Newsfeed versucht Facebook-Chef Mark Zuckerberg, sich in zwei Richtungen Luft zu verschaffen. Erstens: Er holt die Zeitungs- und Medienhäuser mit ins Boot, die unter dem Rückgang der Anzeigen zu leiden haben, weil ihnen Facebook und Google das Geschäft weggenommen haben, sagt David Folkenflik, Medien-Redakteur beim einzigen öffentlich-rechtlichen Radiosender der USA, bei NPR.

    "Das ist leicht verdientes Geld, weil sie dafür keine neuen Produkte bauen müssen. Es wird vermutet, dass das Wall Street Journal zum Beispiel damit bis zu 3 Millionen Dollar zusätzlich im Jahr verdienen kann. Das ist für Medienhäuser eine feine Finanzspritze." David Folkenflik, Medienjournalist von NPR

    Rechtsextreme Kräfte befrieden

    Und Zweitens: Zuckerberg scheint darauf zu hoffen, rechtsextreme Kräfte in den USA damit befrieden zu können. Denn die jammern spätestens seit den Präsidenschaftswahlen 2016, dass Facebook konservative Meinungen unterdrücken würde, weil das Gros der Facebook-Angestellten links sei. Zuckerberg hat sich in den vergangenen Wochen in Washington nicht nur mit Konservativen und Rechten zum Abendessen getroffen, er hat auch noch deren Zentralorgan Breitbart News das Label einer seriösen Nachrichtenquelle verpasst.

    "Breitbart hat viele Falschinformationen in Umlauf gebracht, es ist rassistisch und hat die Leute aufgehetzt. In vielerlei Hinsicht ist es ein Arm der Propaganda von Trump. Ich halte die Publikation für höchst problematisch", sagt David Folkenflik.

    Aufschrei in der Medienlandschaft

    Breitbart ist nun also Teil einer Gruppe von Zeitungen und Medienunternehmen, die bei Facebook als besonders seriös und vertrauenswürdig angesehen werden. Zeitungen wie die New York Times, die Washington Post oder das Wall Street Journal gehören ebenso dazu wie NPR.

    Als bekannt wurde, dass die Rechtsaußen-Publikation mit dabei ist, ging ein Aufschrei durch die Medienlandschaft in den USA. Der ist aber schnell wieder verhallt, weil das soziale Netzwerk sich derzeit bei den Negativ-Schlagzeilen überbietet.

    Nähe zu US-Neonazis

    Denn nicht nur Breitbart beliefert Facebook jetzt mit Nachrichten, es lässt den Daily Caller, eine Website gegründet von Fox News-Moderator Tucker Carlson, Fakten überprüfen. Dem Daily Caller wird eine besondere Nähe zu US-Neonazis nachgesagt.

    Vor dem US-Kongress Ende Oktober weist Facebook-Chef Zuckerberg jede Verantwortung von sich, als ihn die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez fragte, ob er glaube, dass eine Neonazis nahestehende Publikation strenge Kriterien für das Überprüfen von Fakten erfülle.

    "Wir setzen hier nicht die Standards. Das internationale Netzwerk für das Überprüfen von Fakten legt diese fest." Marc Zuckerberg, Facebook

    Zuckerberg: Facebook ist kein Medienunternehmen

    Das Verhalten Zuckerbergs ist typisch. Seit Jahren wiederholt er mantraartig, Facebook sei kein Medienunternehmen. Damit erspart er sich viel Ärger. Und deshalb verlagert der Konzern aus dem Silicon Valley das Fact Checking gerne zu externen Partnern.

    Politiker, Aktivisten aber auch Medienschaffende in den USA fürchten: Facebook sorgt mit seinem Okay für Breitbart und den Daily Caller für eine breitere Akzeptanz für rechtsextremes Gedankengut. Mal ganz abgesehen davon, dass die Idee des Überprüfens von Fakten ad absurdum geführt wird.