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Facebook nutzt Ausspähattacke, um Image zu polieren | BR24

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WhatsApp sollte ausgespäht werden

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Facebook nutzt Ausspähattacke, um Image zu polieren

Facebook hat einen Anbieter von Überwachungssoftware verklagt, der sich über eine inzwischen geschlossene WhatsApp-Sicherheitslücke Zugriff auf Smartphones verschaffen wollte. Die Firma arbeitet für Geheimdienste und Facebook wird plötzlich gelobt.

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Die Verschlüsselung bei Chatdiensten von WhatsApp stellt Ermittlungsbehörden und Geheimdienste vor massive Probleme. Sie setzen auf die Hilfe spezialisierter Firmen, die nach Schwachstellen suchen, um Daten abzugreifen. Facebook hat nun einen solchen Anbieter von Überwachungssoftware verklagt, der sich über eine inzwischen geschlossene WhatsApp-Sicherheitslücke Zugriff auf hunderte Smartphones verschaffen wollte.

Eine israelische Firma, die für Geheimdienste arbeitet

Innerhalb weniger als zwei Wochen habe die israelische Firma NSO im April und Mai dieses Jahres rund 1400 Geräte angegriffen, so Facebooks Vorwurf. NSO sei darauf spezialisiert, im Auftrag von Polizeibehörden und Geheimdiensten, Verschlüsselungen zu knacken, sagt die Sicherheitsexpertin und Buchautorin Kate Fazzini im Wirtschaftssender CNBC

"Sie programmieren überaus raffinierte Malware. Es handelt sich um Werkzeuge, die normalerweise nicht von Kriminellen genutzt werden." Kate Fazzini, Buchautorin.

NSO war vor ein paar Jahren bekannt geworden, als es nach dem Attentat von San Bernardino das Passwort eines Apple Smartphones überwinden konnte. Apple hatte sich damals geweigert, das für das FBI zu tun.

Wen NSO ins Visier nahm

Facebook erklärte in der Klageschrift, dass unter den Zielpersonen Journalisten, Anwälte, Dissidenten, Menschenrechtsaktivisten, Diplomaten und Regierungsbeamte gewesen seien. Sie kämen aus Ländern wie Bahrain, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie alle können sich offenbar nicht mehr vor staatlichem Zugriff sicher fühlen, auch in verschlüsselten Kommunikationskanälen nicht.

"Staatliche Hacker werden besser. Sie verstehen die Funktionsweise der Dienste. Und sie finden immer einen Weg, um an Informationen ranzukommen." Ian Sheer, Technologie-Experte vom Online-Dienst Cnet

Im Falle des WhatsApp-Hacks reichte offenbar ein einfacher Videoanruf aus, um sich Zugriff auf WhatsApp zu verschaffen.

Facebook bekommt plötzlich Lob

Interessant ist nun die Strategie-Änderung im Hause Facebook, zu dem WhatsApp gehört. Diesmal steht das Unternehmen nicht als Sündenbock da, weil es zum Beispiel wieder mal versäumt hat, eine Lücke in seiner Software zu stopfen oder weil es Fakenews nicht schnell genug gelöscht hat. Dieses Mal hat das Unternehmen das Datenloch für sich geschickt ausgenutzt. Erst durfte WhatsApp-Chef Will Cathcart einen erbosten Leitartikel in der angesehenen Washington Post schreiben. Dann gab es von bisherigen Kritikern, wie Journalistenverbänden und Menschenrechtsorganisationen, ein Schulterklopfen.

Ian Sheer von Cnet kann sich da ein Grinsen nicht verkneifen. Plötzlich könne Facebook behaupten, sich für eine gute Sache einzusetzen. Das lasse den Konzern gut aussehen und das wiederum sei mit ein Grund, weshalb er jetzt vor Gericht ziehe.

Facebook braucht positive PR

Facebook und sein umstrittener Chef Mark Zuckerberg haben die positive PR mehr als nötig. In den USA steht Zuckerberg wegen des beginnenden US-Wahlkampfes massiv in der Kritik, weil er politische Werbung erlauben will, in der offenkundige Lügen enthalten sind. Das deutlich kleinere Netzwerk Twitter hat genau das verboten.

Die Klageschrift gegen NSO hat Facebook vor einem Gericht in San Francisco eingereicht. Das Beklagte Unternehmen sitzt aber in Israel. Ob Facebook mit einem Prozess etwas erreichen kann, ist deshalb mehr als ungewiss. Womöglich geht es aber eben eh nur um den mittelbaren Effekt.

"Dem Unternehmen geht es um Öffentlichkeit und darum, dem Rest der Welt zu zeigen, Whatsapp setzt sich für seine Nutzer ein und verklagt sogar Firmen in anderen Ländern. Ich bin gespannt, ob die Methode Erfolg hat." Ian Sheer, Cnet