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Facebook hat Sprachnachrichten von Nutzern abtippen lassen | BR24

© picture-alliance/dpa

Facebook hat Sprachnachrichten abtippen lassen

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Facebook hat Sprachnachrichten von Nutzern abtippen lassen

Immer wieder Facebook - die Datenschutz-Skandale um das soziale Netzwerk gehen in die nächste Runde: Wie jetzt bekannt wurde, haben Facebook-Mitarbeiter private Sprach-Chats von Usern abgehört.

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Seit Wochen schwelt ein Datenschutz-Skandal vor sich hin. Zuerst traf es den vermeintlichen Datenschutz-Saubermann Apple, dann Google und schlussendlich Amazon: Alle haben Audio-Aufnahmen ihrer smarten Assistenten durch echte Menschen auswerten lassen. Amazon hat die Alexa-Mitschnitte deutscher Nutzer in Polen abhören lassen. Hintergrund: Man wolle die Qualität der Services weiter steigern, denn smarte Assistenten seien immer noch nicht so smart, jedes Wort perfekt zu verstehen. Da müssten Menschen nachhelfen.

Auch Facebook betroffen

Alle drei haben inzwischen reagiert. Apple und Google haben das Programm auf Eis gelegt, Amazon bietet ein Opt-Out an – mit einem Klick kann man den Mitarbeitern den Zugriff auf die Suchanfragen verbieten.

Nur einer hat bislang noch gefehlt: Facebook. Das ändert sich nun, denn wie jetzt bekannt wurde, hat auch Facebook Audioaufnahmen abhören lassen. Nur eben keine Suchanfragen an smarte Assistenten, sondern ganze Sprachchats. Seit mehreren Jahren kann man im Facebook Messenger schon Sprachnachrichten schicken.

Diese Nachrichten konnten bis vor einer Woche von Facebook-Mitarbeitern angehört werden – aber nur dann, wenn man das automatische Transkriptionsfeature aktiviert hatte. Die Mitarbeiter haben das automatische Transkript dann mit der Original-Nachricht verglichen. Eigentlich eine sinnvolle Methode zur Qualitätskontrolle - nur wurde das den Nutzern nie mitgeteilt.

Intimste Sprachnachrichten

Im Gegensatz zu den Suchanfragen an Alexa und Co. beinhalten Sprachnachrichten natürlich wesentlich sensiblere Daten. Denn in den letzten Jahren sind Sprachnachrichten, gerade bei jungen Menschen, zum Standardkommunikationsmittel geworden. Statt mit der besten Freundin stundenlang am Telefon zu hängen, wird eben eine mehrminütige Sprachnachricht aufgenommen. Wer diese Nachrichten abtippt, bekommt in vielen Fällen einen sehr intimen Einblick in den Alltag der Facebook-Nutzer.

Aus dem Skandal könnte auch ein neues Problem für Facebook erwachsen. Denn der Konzern sieht sich schon seit Jahren mit Vorwürfen konfrontiert, dass die Facebook-App heimlich Gespräche belauscht und daraufhin genauere Werbeangebote anbietet. Diese Theorie ist jetzt zwar immer noch nicht bewiesen, dennoch ist die Glaubwürdigkeit des Konzerns weiter bedroht.

Die wiederholten Datenskandale zeigen: Smarte Assistenten und künstliche Intelligenzen sind noch lange nicht so weit, wie wir denken. Hinter vielen Angeboten steckt dann doch noch ein Mensch, der in Zweifelsfällen eingreift und korrigiert.