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Liegen im Clinch: Facebook und Apple

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    Facebook vs. Apple: Worum geht es im Krieg der Tech-Giganten?

    Es wird gekeilt, es wird gedroht und es wird wahrscheinlich auch geklagt: Facebook und Apple liefern sich eine Schlammschlacht, die gerade eskaliert. Wer im Kampf Goliath gegen Goliath gewinnt, ist offen. Klar ist aber: Beide haben viel zu verlieren.

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    Von
    • Christian Schiffer

    Als Tim Cook letzte Woche auf der Datenschutzkonferenz CPDP das Wort ergriff, da wurde er kurz etwas pathetisch: "Wir verlieren die Freiheit, Mensch zu sein", sagte der Apple-Chef und zielte damit auf das Geschäft mit den Daten. Denn viele Firmen verdienen ihr Geld damit, die Nutzer zu durchleuchten und quer durch das Netz zu verfolgen, um so möglichst viel über ihre Wünsche und Vorlieben zu erfahren, damit man ihnen am Ende irgendwas verkaufen kann. Und kaum eine Firma steht so sehr für diese Art von ungezügeltem Datenkapitalismus wie Facebook.

    Apple wiederum, und das zeigt einmal mehr Cooks Auftritt auf der Datenschutzkonferenz, möchte als Unternehmen wahrgenommen werden, das Hardware verkauft - und nicht die Daten seiner Kunden. Zu dieser Strategie gehört auch eine Änderung, die Apple im Frühjahr an seinem Betriebssystem vornehmen möchte. Die Nutzer müssen dann aktiv zustimmen, wenn sie Daten mit Drittfirmen austauschen wollen. Und eine Firma würde das besonders treffen: nämlich Facebook.

    Facebook: Apple schwindelt beim Datenschutz

    Facebook wiederum wirft Apple vor, es mit dem Datenschutz selbst nicht so genau zu nehmen. Tatsächlich gilt die neue, datenschutzfreundliche Apple-Regel nicht für Apple-Apps. Facebook-Chef Mark Zuckerberg kritisierte auf einer Telefonkonferenz mit Analysten zudem den Apple Messanger iMessage. Dieser sei nicht nur auf allen Apple-Telefonen vorinstalliert, womit iMessage einen Vorteil gegenüber WhatsApp habe, was bekanntlich zum Facebook-Konzern gehört.

    iMessage würde außerdem die Privatsphäre der User sehr viel weniger ernst nehmen, weil die Verschlüsselung der Daten löchrig sei. So sei es Apple und Regierungen möglich, sich Zugang zu Nachrichten von IMessage-Nutzern zu verschaffen, sagte Zuckerberg.

    Facebook als Schutzmacht von kleinen Unternehmen?

    Vor allem aber inszeniert sich Facebook in diesem Konflikt als Schutzmacht von kleinen und mittleren Unternehmen. "Facebook setzt sich für Kleinunternehmen ein. Die neue Richtlinie von Apple für iOS 14 hat negative Auswirkungen für viele Kleinunternehmen, die bereits ums Überleben kämpfen und mehr denn je auf das freie Internet angewiesen sind – wie wir alle", lies Facebook im Dezember verlauten und schaltete dazu ganzseitige Anzeigen, um den Ruf als Robin Hood der Kleinunternehmer öffentlichkeitswirksam zu festigen.

    Facebooks Argument: Ohne die Möglichkeit personalisierte Anzeigen zu schalten, würden kleinere Online-Shops den Großteil ihres Umsatzes verlieren. Die Facebook-Kampagne fällt dabei in eine Zeit, in der nicht nur Apple personalisierte Werbung ins Visier nimmt. Im EU-Parlament hat sich kürzlich eine "Tracking-Free Ads Coalition" zusammengefunden und letzte Woche erst hat sich Springer-Chef Mathias Döpfner in einem offenen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gewandt mit der Forderung, dem Datenhandel der Tech-Konzerne einen Riegel vorzuschieben.

    Facebook unterstützt Epic Games

    Facebook wird möglicherweise gegen das Vorgehen von Apple vor Gericht ziehen und auch auf anderer Ebene versuchen, Apple unter Druck zu setzten: Das Unternehmen von Mark Zuckerberg will die Klage von Epic Games gegen Apple mit eigenen Materialien und Dokumenten unterstützen. Epic Game ist die Firma hinter dem Erfolgsspiel "Fortine" und wirft Apple vor, bei seinem App-Store eine monopolähnliche Stellung auszunutzen.

    Wie auch immer der Kampf Goliath gegen Goliath ausgeht, klar ist: Für beide Tech-Giganten steht eine Menge auf dem Spiel. Vor allem Facebook steht erheblich unter Druck. Der Konzern hat nun bekannt gegeben, bildschirmgroße Hinweistexte einzublenden, sobald die Apple-Änderung gültig ist. In diesen Bannern sollen die Nutzer dazu aufgefordert werden, weiterhin die Daten mit Facebook zu teilen. Die Frage wird sein, wie viele Apple-User der Bitte von Facebook am Ende nachkommen werden.

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