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Europäische Wissenschaftler wollen Google-Monopol brechen | BR24

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Eine Initiative arbeitet gerade daran, eine europäische Antwort auf Google an den Start zu bringen. Mit einem ausgefuchsten Plan.

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Europäische Wissenschaftler wollen Google-Monopol brechen

Eine neue Suchmaschine neben Google zu etablieren, ist ein gewaltige Aufgabe, an der schon Viele gescheitert sind. Eine Initiative von deutschen Wissenschaftlern soll es nun besser machen. Die Idee hat auch schon ein paar mächtige Unterstützer.

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Wer OSF googelt, tut sich erst einmal schwer, die neue Organisation zu finden. Google kennt die Abkürzung noch nicht, deshalb muss man wissen, wofür sie steht: "Open Search Foundation". Dass OSF noch nicht gekannt wird, ist durchaus so gewollt. Logisch, eine Initiative, die mit Google konkurrieren will, muss erst einmal im Verborgenen agieren und sich nicht zu suchmaschinenfreundlich verhalten.

Europa soll im Netz unabhängiger werden

Immerhin nimmt man es nicht mit irgendeinem Rivalen auf, sondern eben mit Google, das in Deutschland bei der mobilen Suche einen Marktanteil von rund 98 Prozent hat; das Google, das jedes Jahr Milliarden zahlt, um auf Smartphones die vorinstallierte Suchmaschine zu sein. Das Google, dessen Verb "googeln" bereits seit 2004 im Duden steht. Diese Institution lässt sich nicht so einfach so einfach beiseiteschieben oder abschaffen. Das hat Alexander Decker auch gar nicht vor. Er ist Professor für Digitales Marketing an der Hochschule Ingolstadt und Mitgründer der OSF – der Open Search Foundation. Ihr Ziel: Ein neuer, europäischer Such-Index, um Europa ein Stück weit unabhängiger zu machen vom großen Monopolisten Google.

Viele sind schon gegen Google angetreten

Ein hehres Ziel, das vor OSF schon einige hatten. 2005, also sieben Jahre nach der Gründung von Google, probierten es Frankreich und Deutschland mit "Quaero" als europäischer Alternative. Das Projekt scheiterte. Und auch das Start-Up "Cliqz" musste sich nach fünf Jahren der Übermacht Googles beugen und seine Suchmaschine im April 2020 einstellen. Daneben haben sich einzelne Suchmaschinen zumindest halten können. Zum Beispiel Qwant, Ecosia oder DuckDuckGo. Das Problem ist allerdings, dass keine dieser Alternativen wirklich breite Nutzerschichten erreicht. Sie bewegen sich im Prozent bzw. Promillbereich der gesamten Nutzer.

Wichtige Partner gefunden

Doch auch von solchen Aussagen will sich die Open Research Foundation nicht abschrecken lassen. Das Team um Alexander Decker hat einen Plan, den es so noch nicht gegeben hat. Man wolle nicht selbst großen Rechenzentren bauen, sondern auf bestehende Kapazitäten zugreifen. OSF konnte das europäische Kernforschungszentraum Cern, das deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum und das Leibniz-Rechenzetrum überzeugen mitzumachen.

"Und die haben ja auch immer Kapazitäten frei, die fahren ja nicht immer auf 100 Prozent. Das heißt man benutzt schon bestehende Serverkapazitäten, muss also nichts Neues aufbauen, was gleichzeitig wieder eine Nachhaltigkeit mit sich führt." OSF-Mitgründer Alexander Decker

Rechenzentren Europas vernetzt euch!

Das ist also die Idee, die hinter der Open Search Foundation steht. Wenn man allein die Rechenzentren der deutschen Hochschulen nähme, hätte man schon ein paar Tausend, so Alexander Decker. Und so ist die Startposition womöglich etwas aussichtsreicher, als bei bisherigen Versuchen gegen Google zu bestehen und das Ziel von OSF entsprechend ehrgeizig. Man möchte in den nächsten drei bis fünf Jahren, zehn Prozent Marktanteil erobern, indem man die Menschen davon überzeugt, dass es wichtig ist auch eine europäische Such-Infrastruktur zu haben. Wie ambitioniert das gesteckte Ziel ist, zeigt der Blick auf Bing. Selbst der Weltkonzern Microsoft kommt in Europa mit seiner Suchmaschine kaum über fünf Prozent hinaus.

Bei der Open Search Foundation ist man dennoch optimistisch. Der Erfolg soll mit Hilfe von Partnerschaften kommen. Wenn zum Beispiel öffentliche Stellen die neue Suchmaschine verwenden würden, dann wäre das ein Anreiz für weitere NutzerInnen es auch einmal damit zu versuchen. Für Alexander Decker und die Open Search Foundation heißt es deshalb jetzt, bei Ämtern, Behörden und Ministerien hausieren zu gehen weiter am Such-Index zu basteln.