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EU-Vorhaben: Kommen "Hintertüren" für Messenger? | BR24

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Bei WhatsApp und anderen Messengern wird die Kommunikation verschlüsselt

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    EU-Vorhaben: Kommen "Hintertüren" für Messenger?

    WhatsApp, Signal, Threema: All diese Messenger setzten auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Auch Kriminelle könnten von dieser Technologie profitieren. Was also tun? Ein Papier des EU-Ministerrats zu dieser Frage erntet scharfe Kritik.

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    Es passiert nicht allzu oft, dass eine Forderung von Netzaktivisten und Datenschützern faktische Realität wird. Aber im Falle der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung konnte man dieses seltene Schauspiel tatsächlich einmal beobachten.

    Über Jahre hinweg wünschten sich die Datenschützer, dass die Kommunikation per Messenger verschlüsselt wird und zwar so, dass sie weder von Telekommunikationsanbietern, noch von den Internetprovidern oder auch den Messenger-Anbietern selbst mitgelesen werden kann.

    2016 führte dann mit WhatsApp der wichtigste Messenger-Dienst auf dem Markt tatsächlich die Ende-zu-Ende Verschlüsslung ein, was gemeinhin als eine gute Nachricht für den Datenschutz und die Datensicherheit angesehen wurde. Seitdem gilt : Wer eine Messenger-Nachricht abfängt, der bekommt in der Regel nur eine kryptische Buchstabensuppe zu sehen.

    Durchlöcherte Verschlüsselung?

    Das Problem: Von dieser Sicherheit können auch Kriminelle profitieren - so zumindest die Befürchtung des EU-Ministerrates. In den vergangenen Tagen war ein Papier aufgetaucht, dass so interpretiert wurde, dass Messenger-Betreiber dazu verpflichtet werden könnten, sogenannte "Hintertüren" einzubauen. Über diese Hintertüren könnten Ermittlungsbehörden dann den Nachrichtenverkehr mitlesen.

    Chaos Computer Club: "Anschlag auf Verschlüsselung"

    Es folgte ein Aufschrei von Netzaktivisten - aber auch der Internet-Branche. In einem Statement vom Chaos Computer Club (CCC) war die Rede von einem "Anschlag" auf die Verschlüsselung. Das Vorhaben sei "eine klare Gefährdung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Sicherheit", da auch Unternehmen von Verschlüsselungstechnologien profitierten, um sich gegen Industriespionage zu schützen.

    Kriminelle seien zudem ohnehin in der Lage, verschlüsselt zu kommunizieren, treffen würde die Maßnahme also eher den Otto-Normal-Nutzer. Auch der Industrieverband Bitkom sprach sich gegen eine Aufweichung der Verschlüsselung aus, da dies der IT-Sicherheit insgesamt schaden würde.

    Arbeitsgruppe zum Umgang mit Verschlüsselung

    Mittlerweile hat die Bundesregierung dementiert, dass der EU-Vorschlag die Verschlüsselung abschwächen solle. Vielmehr habe man eine Initiative "zum Umgang mit Verschlüsselung" gestartet, die zum Ziel mit der Industrie einen Konsens darüber zu erzielen hat, wie "die Sicherheitsbehörden ihre bestehenden Befugnisse auch in der digitalen Welt anwenden und durchsetzen können". Wie genau das technisch realisiert werden soll, das wird sich noch zeigen müssen.

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