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Ermittlungen gegen Tidal: Wenn Streamingdienste Zahlen fälschen | BR24

© picture alliance / AP Photo

Popstar Beyoncé hat womöglich von falschen Tidal-Zahlen profitiert

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    Ermittlungen gegen Tidal: Wenn Streamingdienste Zahlen fälschen

    Musiker wie Beyoncé und Kanye West sollen von künstlich aufgeblähten Zahlen profitiert haben. Deshalb ermitteln norwegische Behörden jetzt gegen den Streaming-Dienst Tidal. Im Streaming-Geschäft kommt es immer wieder zu Manipulationsverdacht.

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    306 Millionen mal wurde das neue Album "Lemonade" von Popsängerin Beyoncé 2016 gehört - in nur 15 Tagen. Das hatte der Streaming-Service Tidal vor einiger Zeit bekanntgegeben. Das Problem damit: Der Spotify-Konkurrent hatte zu diesem Zeitpunkt nur 3 Millionen Nutzer. Das würde bedeuten, jeder Nutzer hätte das Album zwei Wochen lang durchschnittlich siebenmal am Tag gehört - eine absurd hohe Zahl. Ähnlich sehen die Zahlen für andere Künstler aus - darunter der Rapper Kanye West.

    Manipulation oder Schmierkampagne?

    Obwohl Tidal dem US-Rapper Jay-Z (seinerseits Ehemann von Beyoncé) gehört, sitzt die Firma in Norwegen. Dort hat die Handelszeitung Dagens Næringsliv letztes Jahr Vorwürfe gegen Tidal erhoben - jetzt ermitteln auch die norwegischen Behörden. Der Vorwurf: Datenmanipulation. Sollten die Zahlen wirklich frisiert worden sein, könnte das nicht nur Stars wie Beyoncé reicher, sondern auch kleine Künstler ärmer gemacht haben: Bei Diensten wie Tidal werden Interpreten oft aus einem großen Topf bezahlt. Wenn da Geld abgezweigt wird, ist weniger für die anderen übrig.

    Tidal bestreitet alle Vorwürfe. Letztes Jahr bezeichnete das Unternehmen die Berichterstattung von Dagens Næringsliv als "Schmierkampagne" und erklärte, die Berichterstattung sei auf der Basis von gefälschten Dokumenten entstanden. Nun kooperiere man umfassend mit den Behörden. Die Untersuchung läuft norwegischen Medienberichten zufolge bereits seit dem Herbst 2018.

    Tidal spielt in einem umkämpften Markt

    Die Ermittlungen erwischen den Streaming-Dienst zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Nachdem Jay-Z Tidal 2015 gekauft hatte, hatte eine Gruppe von Künstlern, darunter Weltstars wie Madonna, Rihanna, Nicki Minaj, Daft Punk, sowie Beyoncé und Kanye West für die App geworben - auch mit exklusiven Inhalten. Diese Inhalte sind heute fast alle auch auf anderen Plattformen verfügbar und die Konkurrenz im Streaming-Markt ist seit dem Start von Apple Music noch größer geworden. Der große Durchbruch ist bisher nicht gelungen.

    Frisierte Zahlen sind auch auf anderen Streaming-Plattformen mitunter ein Problem. Unter den zahlreichen Skandalen, für die Facebook letztes Jahr verantwortlich war, ging einer beinahe unter: Das Unternehmen hatte für seinen Dienst Facebook Video falsche Zuschauerzahlen angegeben. Die haben möglicherweise Unternehmen den falschen Eindruck vermittelt, über Facebook ein größeres Publikum zu erreichen als tatsächlich der Fall war.