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Enkeltrick 2.0: Wie Fake-Seiten User in die Falle locken | BR24

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Die Betrügerseiten ködern die User mit den vermeintlichen Zitaten Prominenter. Hier ist es Boris Becker, der angeblich in Bitcoin investiert hat.

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    Enkeltrick 2.0: Wie Fake-Seiten User in die Falle locken

    Philipp Lahm, Boris Becker und Andrea Nahles: Sie alle werben angeblich für Investments in Bitcoin & Co. Doch hinter solchen Artikeln stecken Betrüger. Wir erklären, wie Sie die Fakes erkennen und welche Rolle Facebook bei der Verbreitung spielt.

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    250 Euro, so viel wollte Klara Rühle* für ihren Enkel anlegen. Der Hausfrau war auf Facebook ein Artikel aufgefallen, in dem Carsten Maschmeyer und Frank Thelken von der Show "Die Höhle der Löwen" eine Handels-Plattform anpriesen. "Höhle der Löwen System macht Bürger reich" stand dort und: "Bild untersucht die Wahrheit über das geheime System zum Geld verdienen". Blockschrift, große Lettern, vier weiße Buchstaben auf rotem Grund: Eingebettet war diese vermeintliche Sensationsnachricht in ein Design, das dem des echten Angebots von Bild.de zum Verwechseln ähnlich sah.

    Ein Link am Ende des Artikels führte dann jedoch auf eine Abzock-Seite. Klara Rühle hinterließ dort Daten und Telefonnummer und zahlte 250 Euro ein. "Kurze Zeit später wurde ich angerufen und unter Druck gesetzt, noch mehr Geld einzuzahlen", erzählt die Niederbayerin BR24. Sie wurde misstrauisch, weigerte sich, mehr zu zahlen und konnte ihren Verlust so zumindest begrenzen. Frau Rühle ist bei Weitem nicht die Einzige, die auf eine solche Fake-Seite hereingefallen ist. Die Organisation AlgorithmWatch geht von zehntausenden ähnlichen Fällen aus. Die Masche ist immer dieselbe: Eine reißerische Sensationsnachricht gepaart mit prominenten Testimonials im Design eines bekannten Nachrichtenportals, fertig ist der Enkeltrick 2.0.

    Die bösen Betrüger-Zwillinge bekannter deutscher Medienseiten

    Von wem die Fake-News-Webseiten betrieben werden, ist unklar. Die Inhaber der Webseiten können nicht ohne Weiteres nachvollzogen werden, weil die Adressen beispielsweise in Panama registriert sind. Auch über Suchmaschinen wie Google sind die Seiten nicht auffindbar. Datenjournalisten des BR ist es dennoch gelungen, eine der Seiten detailliert zu analysieren. Alleine dort waren mehr als 600 verschiedene Varianten der gefälschten Nachrichten über Prominente aus verschiedenen Ländern hinterlegt, davon waren mehr als 90 an ein deutschsprachiges Publikum gerichtet. Zu sehen sind stets täuschend echte Nachbauten von Webseiten deutscher Medien, von Stern über Spiegel Online, Zeit Online, Bild, Welt bis hin zu ARD und ZDF.

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    Fake-Seite im Gewand von Bild.de

    Unsere Journalisten von BR-Data haben eine Liste von über 50 betroffene Prominenten aus dem deutschsprachigen Raum zusammengestellt. Neben Entertainern wie Lena Meyer-Landrut und Horst Lichter werden Fußballer wie Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm in den gefälschten Artikeln als vermeintliche Bitcoin-Investoren dargestellt, außerdem UnternehmerInnen wie Liz Mohn oder Georg Schaeffler. Selbst PolitikerInnen, etwa Ex-SPD-Chefin Andrea Nahles, die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier tauchen auf den Webseiten auf. Auch Prominente aus Österreich und der Schweiz sind betroffen, etwa Schauspieler Arnold Schwarzenegger oder Tennisstar Roger Federer.

    Betrug in globalem Maßstab

    Die Analyse zeigt, wie ausgefeilt die Methode ist, mit der Betrüger versuchen, unbedarfte Nutzer auf der ganzen Welt zu täuschen. Auf der Seite finden sich gefälschte Medien-Artikel aus Ländern wie Italien, Finnland, Südafrika, Neuseeland, Chile oder Island. In Portugal ist es etwa Fußballtrainer José Mourinho, der sein Geld in Bitcoins anlegt, in Italien der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi, in Spanien Fußballer Lionel Messi. Sogar der Investor des TSV 1860 München, Hassan Ismaik, ist in einer arabischen Variante des Fake-News-Scams als angeblicher Bitcoin-Millionär zu sehen.

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    Auch im Ausland sind die Betrüger aktiv. Hier sehen Sie den Fake-Zwilling einer portugiesischen News-Seite.

    Kein Zweifel: Diese Form von Online-Betrug ist raffiniert gemacht. Auf den ersten Blick wirken die Artikel echt. Allerdings sollten Nutzer generell misstrauisch sein, wenn sie zu Bitcoin-Geschäften ermuntert werden. Allerspätestens seit dem großen Bitcoin-Hype Ende 2017 wird das Netz überschwemmt mit unseriösen Angeboten, in denen der schnelle Bitcoin-Reichtum versprochen wird.

    So erkennen Sie den Betrug

    Wer sich nicht sicher ist, ob eine Nachricht wirklich von einem bekannten Nachrichtenportal stammt, sollte sich die URL der Seite näher anschauen. Handelt es sich um die URL des echten Nachrichtenangebots (Spiegel,de, Bild.de, BR.de, ZDF.de) oder hat man stattdessen den bösen Zwillingsbruder einer bekannten Seite angesurft, der unter einer ganz anderen URL zu finden ist? Achten sollte man auch auf Domainnamen, die echte Firmen imitieren, etwa "Amaz0n". Zudem sollten man generell skeptisch sein, wenn man unter Druck gesetzt wird, schnell zu bezahlen. In einem einschlägigen Fall findet sich eine aufgeregt blinkende Mitteilung: "Aufgrund der extrem hohen Mediennachfrage werden wir die Registrierung zum 06.11.2019 - einstellen - Beeilung!". Sollten Sie eine solche Mitteilung sehen, tun Sie am besten das exakte Gegenteil: In Ruhe noch einmal nachdenken und recherchieren, ob es sich um ein seröses Angebot handelt.

    Facebook schaut zu

    Aber nicht nur der einzelnen Nutzer steht in der Verantwortung. Auch Plattformen, wie etwa Facebook, könnten eine Menge tun, um die Verbreitung von Abzock-Angeboten einzudämmen. Denn die Fake-Seiten kursieren nicht nur in den eher klebrigen und zwielichtigen Bereichen des Internets, etwa als Pop-Ups auf Pornoseiten oder auf Seiten mit politisch fragwürdigen Inhalten, sondern auch auf Facebook. Wie Algorithmwatch berichtet, geht das Soziale Netzwerk aber bislang nur halbherzig gegen solche Betrugsmaschen vor. Manche der bösen Zwillingsseiten waren sogar auch dann noch auf Facebook zu sehen, nachdem Nutzer darauf hingewiesen hatten, dass es sich um Betrug handelt.

    *Name von der Redaktion geändert