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Englands Premier Boris Johnson reagierte ebenso wie Nationaltrainer Southgate empört auf rassistische Angriffe gegen die Spieler, die im Elfmeterschießen nicht trafen. Auch rund ums Wembleystadion gab es am Finaltag Probleme.

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Rassistischer Shitstorm nach England-Pleite - und ein Lichtblick

Drei Elfmeter vergaben die Engländer im EM-Finale. Die Fehlschützen, allesamt jung und schwarz, wurden Opfer rassistischer Beleidigungen im Netz. Auch über reale Gewalt gegen Schwarze wird berichtet. Zugleich gibt es einen Lichtblick.

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Von
  • Thomas Moßburger

England und Elfmeterschießen, im Fußball ein Mythos fast so alt wie das Wembley-Tor 1966. Fast immer, eine Ausnahme 2018 bestätigt diese Regel, schied England bei großen Turnieren aus, wenn es an den Elfer-Punkt ging. Nicht selten vergaben große Namen wie David Beckham oder der heutige Nationaltrainer Gareth Southgate entscheidend.

Auch 2021 wiederholte sich die Geschichte: England verlor das EM-Finale im heimischen Wembley-Stadion gegen Italien im Elfmeterschießen. Diesmal vergaben gleich drei englische Spieler: Marcus Rashford (23), Jadon Sancho (21) und Buyako Saka (19). Die Last der Niederlage liegt also auf mindestens drei statt nur auf einer Schulter. Doch manch "Fan" der Engländer hatte dennoch schnell einen einzelnen Schuldigen ausgemacht. Die Hautfarbe der jungen Spieler.

Rassistischer Hass gegen Spieler

So entlud sich auf den Instagram-Seiten der drei Spieler der Hass, gespickt mit rassistischen Beleidigungen und Anspielungen, wie etwa Affen-Emojis, die auf die schwarze Hautfarbe der Spieler hinweisen sollen. Screenshots zeigen Social-Media-Beiträge, in denen das N-Wort vorkommt, auch von Affen und Sklaven ist die Rede.

Besonders drastisch zeigt sich ein Screenshot, auf dem der heutige Montag zu einem "Bestrafe einen N**** Tag" ausgerufen wird, inklusive Vorschläge, welche Art von Gewalt man einem schwarzen Menschen antun könne. In den sozialen Medien gibt es zudem Berichte über reale Gewalt gegen Schwarze in Großbritannien nach dem Spiel, verifizieren lassen sich diese bisher schwer.

Candystorm bei Instagram

Auf den rassistischen Shitstorm im Netz reagierten unterdessen auch höchste britische Stellen. Premierminister Boris Johnson twitterte, dass die rassistischen Beleidiger sich schämen sollten. Auch der englische Fußballverband FA verurteilte die Vorkommnisse in den sozialen Medien und bezeichnete sie als "ekelerregend".

© dpa-Bildfunk/Carl Recine
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Carl Recine

Der 19-jährige Saka nach seinem vergebenen Elfmeter im EM-FInale.

Tatsächlich wurden jedoch nicht nur Offizielle aktiv. So hat unter der Instagram-Fotos der drei englischen Fehlschützen mittlerweile ein Candystorm den rassistischen Shitstorm verdrängt. Die Kommentatoren dort verurteilen die rassistischen Auswüchse und sprechen den jungen Spielern Mut für die Zukunft zu statt sie mit Rassismus zu überziehen. Die Zahl solch positiver, aufrichtender Kommentare übersteigt mittlerweile augenscheinlich den Hass.

Kein rein englisches Problem

Fußball und Rassismus können im Übrigen keineswegs nur in England nahe beieinander liegen. So wurde das frühe Ausscheiden Deutschlands bei der WM 2018 in Teilen der Öffentlichkeit nicht zuletzt Mesut Özil, angelastet, der im Vorfeld des Turniers auf einem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan posiert hatte. Bei seinem Rücktritt aus der Nationalelf berichtete Özil von Hassmails, Drohanrufen und Social-Media-Kommentaren gegen sich und seine Familie - und konstatierte: "Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren."

Über ähnliche Erfahrungen berichteten in den vergangenen Jahren auch der französische Nationalspieler Karim Benzema, der algerische Wurzeln hat, sowie Belgiens Top-Stürmer Rolemu Lukaku mit kongolesischen Vorfahren. Auch sie verwiesen darauf, dass sie beim Erfolg als Teil Frankreichs oder Belgiens gewertet würden, bei Misserfolgen ihre Herkunft jedoch plötzlich eine Rolle spiele. Diese Erfahrung machen gerade auf die drei jungen Engländer, die gestern im Elfmeterschießen patzten - wie so viele Engländer vor ihnen.

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