BR24 Logo
BR24 Logo
Netzwelt

Eltern fordern mehr Jugendschutz fürs Netz | BR24

© BR/Sylvia Bentele

Kinder und Jugendliche kommen leicht an Inhalte, die für sie nicht geeignet sind. Denn der Alterscheck auf Seiten ist oft wirkungslos.

5
Per Mail sharen
Teilen

    Eltern fordern mehr Jugendschutz fürs Netz

    Alterschecks, die nicht funktionieren, Mobbing und Droh-Kettenbriefe: Der Schutz von Jugendlichen im Netz ist unzureichend, finden viele Eltern und fordern Nachbesserung. Ein Update für den digitalen Jugendschutz ist in Planung.

    5
    Per Mail sharen
    Teilen

    "Ja, ich bin älter als 18 Jahre." Ein Button. Das ist die Hürde, mit der Minderjährige von Inhalten oder Plattformen ferngehalten werden sollen, für die sie zu jung sind. Oder es muss lediglich das Geburtsjahr eingegeben werden. Eine weitergehende Überprüfung findet nicht statt. Die Wirksamkeit solcher Alterschecks kann sich jeder selbst ausmalen. Sie sind aber häufig die einzige Überprüfung.

    Und dabei geht es nicht nur um Erwachsenen-Inhalte wie Pornografie, sondern auch Plattformen wie Youtube, Instagram und Tiktok oder Messengerdienste wie Whatsapp. Denn auch dort kommen Minderjährige etwa mit Droh-Kettenbriefen in Kontakt oder werden von Erwachsenen sexuell belästigt (Cybergrooming). Nicht ohne Grund dürfen diese Dienste teilweise erst ab 13, 16 oder 18 Jahren genutzt werden. Die Praxis sieht aber anders aus.

    Eltern unzufrieden mit Alterscheck

    Eine repräsentative Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt, dass Eltern sich nämlich eigentlich gerne an Altersempfehlungen und Alterschecks für ihre Kinder orientieren würden und wünschen sich, dass Anbieter das Alter von Nutzern verlässlich überprüfen. Das fordern 97 Prozent aller befragten Eltern. Gleichzeitig finden 81 Prozent, dass einfache Alterschecks, bei denen Kinder einfach lügen können, nicht ausreichen. Zwar nimmt nun die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Seiten- und Plattformbetreiber in die Pflicht, indem sie besonderen Schutz der Daten von Kindern festschreibt. Dieser ist aber offensichtlich nicht überall gegeben.

    Zeit für Nachbesserungen

    Die befragten Eltern fordern von den Online-Anbietern Maßnahmen zum besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen ein: Funktionierende Alterschecks, sowie effiziente Melde- und Beschwerdesysteme bei Verstößen gegen den Kinder- und Jugendmedienschutz fänden jeweils 93 Prozent der Befragten sinnvoll. Viel Zustimmung gibt es aber auch für härtere Strafen bei Verstößen gegen den Kinder- und Jugendmedienschutz.

    Was also tun? Da Kinder und Jugendliche ja nicht einfach von digitaler Teilhabe und Kommunikation, wie auch dem Netz als Wissensquelle oder kreativer Spielraum, ausgeschlossen werden sollen, muss hier nachgebessert werden. Die Umgebung dafür muss jugendfreundlicher und sicherer werden, um ein gutes Aufwachsen und Lernen mit digitalen Medien zu ermöglichen.

    Update für den Jugendschutz

    Nur haben die bestehenden Gesetzesgrundlagen erhebliche Defizite, was den Umgang mit Gefahren wie z.B. Grooming, Cybermobbing oder Challenges, die lebensgefährliche Mutproben zur Folge haben, angeht. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will dem Jugendschutz deshalb ein digitales Update verpassen und hatte Ende vergangenen Jahres den Entwurf für ein Jugendmedienschutzgesetz vorgelegt, das vor der Sommerpause noch in den Bundestag eingebracht werden soll.

    Giffey plant etwa, Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen: Plattformen mit mehr als einer Million Nutzer - wie TikTok, Instagram, Whatsapp oder Snapchat - sollen zu technischen Vorsorgemaßnahmen verpflichtet werden, damit Kinder und Jugendliche im Netz besser vor Mobbing, sexueller Belästigung oder auch Kostenfallen geschützt werden. Kommen die Anbieter dem nicht nach, sollen hohe Bußgelder drohen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!