Ein Tweet von Elon Musk: Die Übernahme von Twitter soll Elon Musks Pläne für seine Super-App namens "X" um drei bis fünf Jahre beschleunigen, twittert der Tesla-Chef.
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Die Übernahme von Twitter soll Elon Musks Pläne für seine Super-App namens "X" um drei bis fünf Jahre beschleunigen, twittert der Tesla-Chef.

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Elon Musks Pläne für Twitter: Was ist eigentlich eine Super-App?

Wird aus Twitter ein digitales Schweizer Taschenmesser? Elon Musk will die Zwitscher-Plattform offenbar zur Super-App umbauen, mit der man bezahlen, einkaufen oder ein Taxi bestellen kann. Doch es gibt Hindernisse.

Warum Elon Musk Twitter jetzt doch kaufen will, ist immer noch nicht restlos geklärt. Doch immerhin hat der Tesla-Chef nun bekannt gegeben, welche Pläne er für den angeschlagenen Mikroblogging-Dienst haben könnte – natürlich bei Twitter selbst: "X, the Everything App" soll dank der Twitter-Übernahme "drei bis fünf Jahre früher" Realität werden, als wenn er sie von Grund auf neu entwickeln würde.

Musks Faszination für den Buchstaben X ist gut dokumentiert: Der Unternehmer, Jahrgang 1971, wird der Generation X zugerechnet, seinem 2020 geborenen Sohn gab er den Namen "X AE-XII", sein Raumfahrtunternehmen heißt SpaceX und der von ihm mit gegründete Vorläufer zu PayPal hieß x.com – 2017 kaufte Musk die Website von PayPal aus "sentimentalen Gründen" zurück. Im Quellcode der Seite steht seither nichts außer einem schlichten kleinen "x".

Eine Marktlücke, vorerst gestopft von Apple und Android

Mit dieser Super-App will Musk eine Lücke auf dem westlichen Markt schließen, die in Asien schon von WeChat bedient wird. WeChat bietet neben den üblichen Nachrichtenfunktionen unter anderem auch die Möglichkeit, Arzttermine zu buchen, Reise-VISA zu beantragen oder Taxis und Lebensmittel zu bestellen und auch zu bezahlen. All diese Funktionen gibt es bei uns mehr oder weniger auch – nur eben eine Ebene höher mit den Betriebssystemen von iOs (Apple) oder Android, die dafür aber jeweils verschiedene eigene Apps anbieten und mehr Interesse daran haben, Nutzer innerhalb ihres App-Kosmos' zu halten.

Ein Schweizer Taschenmesser für unser digitales Leben

Ob sie nun "X, the App for Everything" oder anders heißen wird: Das Rennen um eine Super-App hat Marketingprofessor Scott Galloway schon Anfang des Jahres beim Tech-Kongress South-by-Southwest vorhergesagt. Eine solche App wäre vergleichbar einem "Schweizer Taschenmesser für unser digitales Leben", das all unsere digitalen Bedürfnisse innerhalb einer Plattform mit einer Bedienoberfläche erfüllen kann.

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Dafür müsse eine Super-App drei Oberkategorien abdecken, beschreibt Galloway: Transport (Taxis, Essen & Waren liefern, Flüge & Züge buchen), Soziales (Nachrichten, Chats, Social Media, Gaming) sowie eine Bezahlfunktion. Der chinesische Dienst WeChat – der erste Dienst, für den der Begriff Super-App einst geschaffen wurde – schaffte es im Jahr 2020, jeden seiner über 1,2 Milliarden Nutzer im Schnitt täglich 82 Minuten innerhalb seiner App verbringen zu lassen. Zahlen, die natürlich potenzielle Investoren und Werbekunden anlocken.

Twitter war der wahrscheinlichste Kandidat

Das hat schon die Großkonzerne Apple, Google, Amazon und Facebook in den letzten Monaten dazu veranlasst, Mitarbeiter aus vorrangig asiatischen Super-App-Unternehmen abzuwerben – beispielsweise Tencent und Alibaba.

Nimmt man Scott Galloways drei Bedingungen für eine Super-App zum Maßstab, fehlen den Wettbewerbern auf dem westlichen Markt – im Gegensatz zu China – jeweils noch ein paar entscheidende Bausteine. Diese fehlenden Dienste müssen entweder im eigenen Hause entwickelt werden, so wie Uber das mit seinem Essensbringdienst Uber Eats recht erfolgreich getan hat. Oder sie müssen hinzugekauft werden, wie Scott Galloway es im März darlegte: Pinterest und Twitter galten ihm damals als wahrscheinlichste Übernahmekandidaten, auch weil beide zu diesem Zeitpunkt im Verhältnis zu ihrer Reichweite recht bewertet wurden.

Musk könnte sich "aber auch irren"

Wie Elon Musk selbst anmerkt, könnte sein Zeitplan für die "X"-ifizerung von Twitter aber auch ganz anders aussehen. Im Weg stehen könnte einer neuen Super-App neben dem Kartellrecht und Bedenken um den Datenschutz auch schlicht technische Schwierigkeiten. Denn wenn das versprochene Schweizer Taschenmesser einmal klemmt, die Super-App offline geht, bricht damit aus Nutzersicht gleich die gesamte digitale Infrastruktur zusammen. Ein Szenario, vor dem Kritiker schon länger warnen.

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