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Elon Musk hält Doge wie in "Der König der Löwen". Doge ist ein bekanntes Internet-Mem und Namensgeber für die Kryptowährung "Dogecoin".

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    Elon Musk und der Aufstieg der Mem-Aktien

    GameStop, Dogecoin, AMC. Heute können Aktien und Kryptowährungen genauso viral gehen, wie lustige Katzenbilder. Dahinter steckt ein neuer Anlegertypus – und bisweilen auch der zweitreichste Mann der Welt.

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    Von
    • Christian Schiffer

    "Use Signal": Diese zwei Worte, getwittert von Elon Musk, reichten vor ein paar Wochen, um den Kurs des börsennotierten Unternehmens Signal Advance explodieren zu lassen. Um sagenhafte 1.100 Prozent verteuerten sich die Aktien der Firma innerhalb weniger Stunden. Dabei hatte der Tesla-Milliardär mit seinem Tweet eigentlich nur zur Nutzung des Messengers Signal aufgerufen, der natürlich nicht das geringste mit dem Medizintechnikunternehmen Signal Advance zu tun hat. Aber so ist das eben: Sobald Elon Musk etwas an seine 46 Millionen Follower zwitschert, können Kurse zum Mond schießen. Der Südafrikaner ist vermutlich gerade der wichtigste Börsen-Influencer der Welt. Musk-Tweets haben in letzter Zeit unter anderem die Aktie des e-commerce Dienstes Etsy steigen lassen und natürlich auch den Hype um GameStop befeuert. In letzter Zeit twittert der zweitreichste Mann der Welt gerne zur Kryptowährung Dogecoin, deren Wert sich in den letzten Wochen vervielfacht hat.

    Der Milliardär von nebenan

    Dass der Tesla-CEO auf die Finanzmärkte so großen Einfluss ausübt, hat viel, aber eben nicht nur, mit seiner Reichweite zu tun. Elon Musk gilt als sympathischer Nerd, als kumpeliger Milliardär von nebenan. Als jemand, der mal zum Videospiel Cyberpunk 2077 twittert, dann wieder zu Raketenstarts seines Weltraumunternehmens Space X, zwischendrin aus einer Laune heraus ankündigt, Tesla von der Börse nehmen zu wollen und auch ganz gerne mal einen Joint raucht. Elon Musk hat den Ruf eines Rebellen, der sich auch gerne mal mit dem Wertpapier-Establishment anlegt und dem Shortseller, also Spekulanten, die auf fallende Aktien setzen, geradezu verhasst sind. Shortseller hatten schließlich auch gegen Tesla gewettet – und verloren. Das alles kommt gut an, vor allem bei den Millennials, die mit Hilfe von Trading-Apps zunehmend die Börsen aufmischen.

    Hinzu kommt, dass Elon Musk in Tweets gekonnt auf der Klaviatur der Mem-Kultur spielt. Er teilt lustige Bilder und Videos und spricht die Sprache des Internets. Das passt in eine Zeit, in der eben nicht nur Mems viral gehen können, sondern auch Aktien.

    Treiber dieser Entwicklung wiederum sind Trading-Apps wie Robinhood, Traderepublic oder eToro, mit denen man sehr einfach Wertpapiere oder auch Derivate handeln kann, oft zu sehr niedrigen Gebühren oder gleich ganz umsonst, so wie beispielsweise bei Robinhood. Wertpapiere zu handeln, wird damit so einfach gemacht, wie Tetris-Spielen. Und das hat Folgen: In den USA sollen die Robinhooder bereits für 20 Prozent des Wertpapierumsatzes verantwortlich sein. Insbesondere Corona, oder genauer Langeweile, und staatlichen Finanzspritzen, haben die Zahl der jungen Graswurzelinvestoren wachsen lassen. Der Hype um GameStop war dabei nur der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung.

    Was zählt, ist eine gute Story

    Dieser neue Anlegertypus tickt anders als die Profi-Anleger. Für die jungen Investoren zählen herkömmliche Kennzahlen zur Bewertung eines Unternehmens eher wenig. Nicht Umsatz, Gewinn oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis sind hier Kaufkriterien, sondern vielmehr eine gute Geschichte, schon ist deswegen die Rede von sogenannten "Story Stocks". Die Geschichte "Reddit-Community vs. böse Hedge Fonds" war so eine Geschichte, die viele mitriss. Und Elon Musk wiederum ist jemand, der genau die Sprache spricht und die Reichweite hat, um solche Geschichten weiterzuverbreiten.

    Noch ist nicht klar, wie groß die Umwälzungen sein werden, die diese neue Börsenwelt mit sich bringen wird. Populäre Börsenflüsterer wie Elon Musk dürften öfter dem Aktienkurs der ein oder anderen Firma zu einem ungeahnten Höhenflug verhelfen.

    Gerade dürften sich aber vor allem die Besitzer von Bitcoin freuen: Tesla hat angekündigt, dass man die Autos der Firma bald mit Bitcoin wird bezahlen werden können. Außerdem hat das Unternehmen von Elon Musk 1,5 Milliarden Dollar in die digitale Währung investiert. Der Bitcoin-Kurs schnellte nach der Ankündigung nach oben.

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