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Einsam auf dem Zuckerberg | BR24

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Montage: Artikel "Pope würde Trump wählen" auf Facebook

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    Einsam auf dem Zuckerberg

    Massenhaft geteilte Falschmeldungen auf Facebook sollen Donald Trump zum Wahlsieg verholfen haben - Facebook-Chef Zuckerberg hält die Idee für "verrückt". Doch sogar einige Mitarbeiter des Unternehmen sehen das anders. Von Max Muth

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    Am Sonntag legte Facebook-Chef Mark Zuckerberg noch einmal nach - in einem Post auf seiner eigenen Facebook-Seite: Über 99 Prozent der Inhalte auf der Plattform seien authentisch, schrieb Zuckerberg da. Hoaxes und Falschmeldungen machten nur einen unbedeutenden Teil der Masse an Inhalten aus. Und überhaupt: Die Wahrheit sei schwer zu finden.

    Facebook-Mitarbeiter meutern gegen den Chef

    Doch mit dieser Haltung ist Zuckerberg zunehmend alleine. Mittlerweile proben sogar Facebook-Mitarbeiter den Aufstand. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Buzzfeed News haben mehrere Dutzend Mitarbeiter eine interne Arbeitsgruppe gegründet, die sich überlegen will, wie Facebook in Zukunft gegen Falschmeldungen in dem Sozialen Netzwerk vorgehen könnte. Dazu finden zu Zeit offenbar noch geheime Treffen statt. Facebook habe ihnen verboten, mit der Presse zu sprechen. Deshalb wollten die Facebook-Mitarbeiter derzeit noch anonym bleiben, schreibt Buzzfeed News. Im Gegensatz zu ihrem Chef seien sie aber überzeugt, dass Falschmeldungen die Wahl durchaus beeinflusst haben.

    "Die Idee ist überhaupt nicht verrückt. Verrückt ist, wenn er (Zuckerberg, Anm. d. Red.) die Idee einfach so abbügelt, obwohl er und alle im Unternehmen wissen, dass Fakes den ganzen Wahlkampf über unser Netzwerk geflutet haben." Anonymer Facebook-Ingenieur gegenüber Buzzfeed News

    Neue Brisanz

    Mit der Wahl des neuen US-Präsidenten Trump, der im Wahlkampf mehr log, als jeder andere Kandidat vor ihm, hat die Diskussion eine neue Brisanz erreicht. Übrigens ist sogar Trump selbst der Auffassung, dass soziale Medien ihm den Wahlsieg zumindest erleichert haben. In der CBS-Fernsehsendung "60 Minutes" verkündete der designierte neue Präsident:

    "Facebook, Twitter und Instagram haben mir zum Sieg verholfen." US-Wahlsieger Donald Trump

    Abwegig ist die Idee nicht: 28 Millionen Follower auf Twitter und Facebook konnte Trump zuletzt per Mausklick erreichen, deutlich mehr als Hillary Clinton (21 Millionen). Dazu kommt: Trumps Posts wurden deutlich häufiger geteilt, als die der Clinton-Kampagne.

    Gegen die Reichweite von Trump haben aber auch die meisten Kritiker nichts einzuwenden. Sie stören sich eher an Falschmeldungen, die von vorwiegend rechten Portalen geteilt wurden. Die behaupteten etwa, der Papst habe sich öffentlich für Trump ausgesprochen oder ein Verdächtiger im Fall der Clinton-Emails sei tot aufgefunden worden. Auch immer wieder ein Thema: der angeblich prekäre Gesundheitszustand der demokratischen Kandidatin. Oft wurden die Nachrichten zwar im nachhinein als Fakes entlarvt, doch vorher wurden sie meist bereits tausendfach geteilt.

    Trump-Propaganda von mazedonischen Teenagern

    Die Verbreiter der Nachrichten müssen dabei nicht einmal ideologisch motiviert sein. Buzzfeed News veröffentlichte kurz vor der Wahl eine Recherche wonach hundert Pro-Trump-Webseiten von einer mazedonischen Kleinstadt aus betrieben wurden. Und zwar nicht von Republikanern, sondern von Teenagern, die damit lediglich ein paar schnelle Dollars verdienen wollten. Sie hätten es auch mit Fake-News über Bernie Sanders und linke Themen probiert, berichteten die Nachwuchs-Propagandisten, aber nichts wurde so massiv geteilt wie News für Trump-Supporter.

    Zumindest diese Sorte Fake-News könnte bald weniger werden. Google verkündete am Montag, dass das Unternehmen Seiten, die vorwiegend falsche oder irreführende Nachrichten posten, aus seinem AdSense-Programm werfen wird. Mit AdSense können die Seitenbetreiber über Google Werbung auf ihren Seiten schalten und damit Geld verdienen. Und auch Facebook hat die Nutzungsbedingungen seines Werbenetzwerks aktualisiert, so dass Betreiber von Fake-News-Seiten auch hier nicht mehr mit Einnahmen rechnen können. Doch dieser Schritt kann nur der Anfang sein, denn der Rauswurf aus den Werbenetzwerken könnte zwar mazedonischen Teenagern die Lust am Nachrichtenbusiness nehmen, wer aus ideologischen Gründen Falschmeldungen verbreitet, wird sich davon allerdings kaum beeindrucken lassen.