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Eindämmung des Coronavirus: Eine freiwillige App könnte helfen | BR24

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Die Spitzen von Bund und Länder haben über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Unter anderem ging es auch darum, ob in Deutschland eine Corona-Tracing-App eingesetzt werden soll, um die Bürger so vor Infektionen zu warnen.

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Eindämmung des Coronavirus: Eine freiwillige App könnte helfen

Wer hat wen mit dem Coronavirus angesteckt? Smartphone-Daten könnten das verraten. Besonders datenschutzfreundlich klingt das nicht. Aber es gibt Ideen, wie man Kontakte so nachverfolgen kann, dass die Anonymität nicht darunter leidet.

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Sars-CoV-2 ist ein tückisches Virus. Mit am tückischsten daran ist die lange Inkubationszeit: Menschen stecken andere Menschen an, weil sie gar nicht wissen, dass sie das Virus in sich tragen. Immer wieder wird darüber diskutiert, wie Mobilfunkdaten im Kampf gegen die Pandemie helfen könnten.

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In China, Israel, Südkorea, Singapur und Österreich kommen verschiedene Apps und Tracking-Methoden zum Einsatz, mit dem Ziel die Kontakte von infizierten Personen schnell und zuverlässig nachverfolgen zu können. Wer Kontakt zu einer infizierten Person hat, kann so schnell und zügig benachrichtigt werden, etwa um sich testen zu lassen und sich gegebenenfalls in Quarantäne zu begeben. Die technischen Ansätze, insbesondere bei der Frage, welche Daten wie verwendet werden, unterscheiden sich jedoch gravierend.

Standortdaten? Ungeeignet!

Wer herausfinden möchte, welche Person mit wem Kontakt hatte, der kann hierfür unterschiedliche Daten heranziehen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wollte ursprünglich auf Tracking-Daten zugreifen. Darunter fallen beispielsweise Daten, wie sie entstehen, wenn sich Smartphones an Funkzellen anmelden. Nach Kritik verschwand ein entsprechender Passus aus dem Anti-Corona-Gesetz, das kürzlich von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde. Funkzellendaten wären zum Zweck der Kontaktnachverfolgung nach Meinung vieler Kritiker ohnehin nicht geeignet, da sie nicht präzise genug sind.

Genauer sind da Ortsangaben wie GPS-Daten. Aber ob sie auch so genau sind, dass sich mit ihnen exakt nachvollziehen lässt, ob zwei Personen Kontakt miteinander hatten, kann vor allem in Ballungszentren und geschlossenen Räumen bezweifelt werden.

Kontaktdaten? Sinnvoll!

"Ich bin mittlerweile froh, dass wir über den dritten Weg reden, nämlich über eine freiwillige App", sagt deswegen Markus Beckedahl von Netzpolitik.org. Die Idee stammt aus Singapur: Dort loggt die App "Trace Together" die Bluetooth-Daten mit. Bluetooth funktioniert nur über kurze Strecken, ist allerdings sehr präzise. Die App würde also gar nicht tracken, wer sich wann wo aufgehalten hat, sondern stattdessen lediglich die Informationen, auf die es ja eigentlich ankommt, nämlich: Wer hatte Kontakt zu wem? Sollte sich irgendwann eine Corona-Infizierung herausstellen, kann die betroffene Person die Menschen informieren, denen sie in den Tagen zuvor begegnet ist. Und das wiederum könnte anonym und verschlüsselt geschehen, wie gleich mehrere Projekte zeigen, die auf dem Hackathon zur Corona-Krise "WirVsVirus" entstanden sind.

Söder: System soll auf Freiwilligkeit basieren

Kontaktnachverfolgung via Bluetooth: Das ist offenbar auch die Idee, auf die das Robert-Koch Institut setzt, bei der Entwicklung einer eigenen App. Und das könnte auch Markus Söder gemeint haben, als er am Montag von einem "Tracking Tracing System" sprach. Der Bayerische Ministerpräsident betonte, dass die Teilnahme an so einem System freiwillig erfolgen müsse. Ganz ähnlich äußerte sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber.

Wichtig: Akzeptanz

Aus technischer Sicht spricht kaum etwas dagegen, Kontakte mit moderner Technik nachzuverfolgen ohne dass dabei Datenschutz und Privatsphäre auf der Strecke bleiben. Und das ist zentral. Denn egal, wie ein technisches Angebot am Ende aussieht: das Wichtigste wird sein, dass die von möglichst vielen Menschen akzeptiert wird.

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