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Eigene Social-Media-Plattform: Das wird selbst für Trump schwer | BR24

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Sucht einen neuen digitalen Lautsprecher: Ex-Präsident Donald Trump.

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    Eigene Social-Media-Plattform: Das wird selbst für Trump schwer

    Wenn es nach dem Selbstbild des ehemaligen US-Präsidenten Trump geht, wird alles, was er anfasst, zu Gold. Nun kündigte ein Berater mit großen Worten eine Trump-eigene Social-Media-Plattform an. Ihr Erfolg wäre aber keineswegs gewiss. Eine Analyse.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    "Bahnbrechend" soll die neue Social-Media-Plattform, mit der Donald Trump in wenigen Monaten an den Start gehen wird, werden. "Redefine the game", das hat sein Berater Jason Miller wörtlich gegenüber "Fox News" gesagt, sie soll also das Spiel neu definieren, womit die Social-Media-Branche oder vielleicht sogar schlicht alles gemeint sein kann.

    Viele Details wollte Miller, der als Sprecher von Trumps 2020er Wahlkampfteam arbeitete, nicht nennen. So berichtete er, dass Trump sich diesbezüglich mit mehreren interessierten Firmen getroffen habe und schon in zwei bis drei Monaten starten solle. Das Ganze werde groß, mehrere zehn Millionen Mitglieder anziehen und aus Millers Sicht "das heißeste Ding auf dem Social-Media-Markt".

    Trump darf nicht mehr twittern

    Donald Trump war nach dem Angriff auf das US-Kapitol durch seine Anhänger von den großen Social-Media-Plattformen Twitter, Facebook, Twitch und Snapchat gesperrt worden. Hintergrund war vor allem die Angst, dass Trump mit Aufrufen und Lügen über angeblichen Betrug bei der US-Wahl 2020 dort weitere Gewalt entfachen könnte.

    Gerade Twitter hatte Trump seine ganze Amtszeit über genutzt, um politische Gegner anzugreifen, Lügen zu verbreiten und sich selbst zu feiern. Eine Untersuchung zeigte schon wenige Tage nach Trumps unfreiwilligem Twitter-Abgang, dass die Zahl der verbreiteten Fake News dort merklich zurückging. Allgemein schien es nach der Vereidigung von Joe Biden relativ ruhig um dem Ex-Präsidenten zu werden. Dinge, die er früher in Tweets innerhalb von Minuten an Millionen von Menschen hätte verbreiten können, muss er nun als Statement des Ex-Präsidenten herausgeben, etwa eine Selbstbeweihräucherung für die erfolgreiche Impf-Kampagne in den USA.

    Da erscheint es nur logisch, dass Trump, der offen mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur liebäugelt, einen neuen Weg sucht, um ungefiltert zu Millionen von Menschen sprechen zu können. Neben einem eigenen TV-Sender, worüber ebenfalls spekuliert wurde, wäre da sicherlich eine eigene Social-Media-Plattform gewinnbringend. Dort könnte Trump seine Fans mit Meinungen und "Informationen" versorgen und die Fans sich zusätzlich austauschen und gegenseitig befeuern.

    Das Scheitern der Facebook-Konkurrenten

    Zu früh freuen sollte sich der ehemalige Präsident und seine Gefolgschaft trotz der vor Superlativen strotzenden Ankündigungen des Trump-Sprechers aber nicht. Denn am Aufbau eines sozialen Netzwerks, das Facebook oder Twitter Paroli bietet, sind schon andere gescheitert. Suchmaschinen-Riese und Android-Mutter Google schaffte es trotz dieser Macht im Web nicht, einen Konkurrenten für Facebook oder Twitter zu erschaffen. Google Plus war nur einer von mehreren gescheiterten Versuchen.

    Auch WT:Social, eine Plattform, mit der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales Facebook Konkurrenz machen will, sorgt nicht unbedingt für Schlagzeilen. Kurzzeitige Erfolge wie die deutschen sozialen Netzwerke wie StudiVZ, Lokalisten und Wer-kennt-wen sind weitestgehend genauso Geschichte wie Kurzzeit-Hype-Apps wie Vero.

    Netzwerk-Effekte und Features

    Dass neue Player gegen Facebook und Co nicht ankommen, hat einerseits mit deren Größe zu tun. Am Beispiel WhatsApp: Fast jeder deutsche Onliner nutzt den Messenger. Obwohl WhatsApp in großer Regelmäßigkeit mit Datenschutz-Problemen für Aufsehen sorgt, behauptet es seine Marktmacht. Und das, obwohl es zahlreiche Messenger mit ähnlicher Funktionalität gibt.

    Zum anderen mit den Netzwerk-Effekten: WhatsApps großer Nutzen ist seine Größe und die damit verbundene Tatsache, dass man in diesem Netzwerk quasi alle erreichen kann. Das wäre bei einer Alternative wie Signal oder Threema anders: Vielleicht könnte man ein paar Freunde zum Wechsel überreden, doch niemals alle Onkel, Cousinen und Arbeitskollegen. Der Alternativ-Messenger würde letztlich wohl immer ein Zweit-Messenger neben WhatsApp bleiben, wenn man nicht bewusst auf Kontakte verzichtet.

    Netzwerke, denen es gelang, neben Facebook, Twitter und Co. Fuß zu fassen, zeichnen sich in der Regel durch klar ersichtliche Features, Nischen oder Eigenheiten aus. Instagram, Snapchat und TikTok sind hierfür gute Beispiele. Auch Facebook gelang es in Deutschland, den Platzhirsch StudiVZ zu verdrängen, indem man mehr Vorteile wie den Newsfeed, Spiele, aber auch Nutzer außerhalb Deutschlands zu bieten hatte. Google Plus oder Vero konnten solche Vorteile offenbar nicht bieten oder zumindest nicht deutlich machen.

    Was bietet Trumps Plattform?

    Vor ähnlichen Problemen dürfte letztlich auch ein Trump-Netzwerk stehen: Warum sollten Menschen sich dort anmelden - und vor allem die Plattform dann regelmäßig nutzen? Es ist davon auszugehen, dass Trump dort wie früher bei Twitter allerhand Botschaften verbreiten wird. Doch reicht das als Alleinstellungsmerkmal? Schon während Trumps Präsidentschaft musste man kein Twitter-User sein, um von Trumps wichtigsten Tweets zu erfahren. Trump-Fans würden wohl auch ohne eine Anmeldung auf der Trump-Plattform von Fox News und Co. mit den Inhalten von dort versorgt.

    Zudem dürften sie dort vor allem gleichgesinnte Trump-Fans finden. Für soziale Medien heute so wichtige Triebfedern wie Streit und gegenseitige Empörung dürften innerhalb des Netzwerkes deutlich geringer ausfallen, wenn sich dort alle einig sind. Warum eine politische Meinung öffentlich kundtun, die sowieso alle teilen? Wenn man niemanden damit umstimmen oder belehren kann? Das könnte langweilig werden. Und falls man das doch möchte: Vieles an ungestörter Hetze ist in Facebook-Gruppen oder in WhatsApp-Chats ohnehin möglich. Warum also zu Trumps Plattform wechseln?

    Zumal viele Trump-Fans neben dem Trump-Netzwerk wohl ohnehin noch Facebook, Twitter oder Instagram weiter nutzen müssten, um Kontakt zur linken Nichte, dem liberalen Bruder, dem örtlichen Verein oder einer Firma zu halten. Schließlich sind solche Dienste ja weit mehr als nur Orte der Politik. Auch Geburtstagsgrüße, Urlaubsfotos, Termine und Rabattcodes werden dort geteilt - und zwar unabhängig von der Parteipräferenz. Das wird Trump mit einem auf rechte Republikaner zugeschnittenen Netzwerk nicht ersetzen können.

    Mal wieder hohe Hürden

    Um das Game zu redefinen, müsste Trumps neue Plattform also wohl mehr bieten als ein paar Posts des Ex-Präsidenten. Für ein paar Meinungsaussagen braucht es kein soziales Netzwerk, dafür reicht ein rudimentärer Blog. Soll wirklich ein großes Netzwerk mit Millionen regelmäßiger Nutzer entstehen, müsste das Angebot mit Eigenschaften aufwarten, die User bei der Stange halten und klar über das hinausgehen, was Facebook und Twitter den Trump-Supportern ohnehin bieten.

    Ob es reicht, dort vielleicht Hasstiraden und Lügen noch ungefilterter als in etablierten sozialen Medien zuzulassen? Und selbst wenn: Wie lange würden Server- und App-Store-Betreiber wie Amazon, Apple und Google ein solches Netzwerk wohl mit ihren Services versorgen? Das sollte Trump die Macher der App Parler fragen, die ebenfalls extreme Hass- und Lügentiraden durchgehen ließ. Zwischen Donald Trump und einer bahnbrechenden Social-Media-Plattform steht also so manche Unwägbarkeit und Hürde. Die standen aber auch zwischen Trump und dem Weißen Haus. Wir wissen, wie die Geschichte ausging.

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