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Sicheres Internet für Ärzte kämpft mit Verzögerungen | BR24

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Sicheres Internet für Ärzte kämpft mit Verzögerungen

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Sicheres Internet für Ärzte kämpft mit Verzögerungen

Ein sicheres Netzwerk für Patientendaten soll künftig Ärzte, Krankenkassen und Apotheken verbinden. Doch die Einführung stockt, auch wegen Lieferengpässen - zum Nachteil von Medizinern und Patienten. Von Florian Regensburger

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Reinhold Wehner bohrt Lüftungslöcher in einen verschließbaren Schrank. Darin soll ein sogenannter Konnektor Platz finden, ein speziell abgesicherter Internet-Router, der den Psychotherapeuten an eine Art sicheres Internet für Gesundheitsdaten anschließt: die Telematikinfrastruktur. Mehr als 3.000 Euro schießt Wehner vor für das Gerät, über das er einmal sensible Patienteninformationen verschicken will.

Ende des Jahres sollen alle Praxen angeschlossen sein

"Das sind Diagnosen, das sind Befunde, die ich dann zum Beispiel an andere Ärzte übermitteln soll, an Kinder- und Jugendpsychiater in meinem Fall, oder auch an Kliniken", sagt Wehner. Bis Ende des Jahres sollen alle Praxen ans sichere Ärztenetz angeschlossen sein, so will es das E-Health-Gesetz. Ein Erklärvideo auf der Webseite der Vereinigung der Kassenärzte KBV soll den Medizinern den Anschluss schmackhaft machen. Wer gar nicht mitmachen möchte, erhält künftig 1 Prozent weniger Honorare von den Kassen.

Konnektor vom BSI zertifiziert

Wer sich beeilt, soll dagegen belohnt werden: Stattet sich ein Arzt oder Therapeut noch vor dem 30. Juni mit einem Konnektor aus, bekommt er den vollen Preis erstattet. Danach sinkt der Anteil, der erstattet wird, von Quartal zu Quartal. Aber die Lieferung der Geräte stockt. Lediglich ein Anbieter hat bereits einen Konektor nach den strengen Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auf dem Markt, die Kocobox Med Plus. Zwar haben auch andere Hersteller wie etwa die Telekom Konnektoren angekündigt, die demnächst erhältlich sein sollen. Doch im Moment ist die Nachfrage kaum zu stillen, zumal auch die Einrichtung eines Telematik-Konnektors in einer Praxis samt Einweisung des Personals mehrere Stunden in Anspruch nimmt.

Der angepeilte Zeitplan ist kaum einzuhalten

Der Zeitplan, den die Politik sich wünscht - nämlich eine flächendeckende Ausstattung mit Konnektoren bis 1. Januar 2019 - ist praktisch nicht einzuhalten. Das ist besonders ärgerlich, wenn man, wie Psychotherapeut Reinhold Wehner, längst einen Vertrag über die Lieferung und Einrichtung eines Konnektors abgeschlossen hat, dieser aber nicht geliefert wird. Dabei wäre eine schnelle Einführung der neuen Technik für Patienten von Vorteil - etwa bei Arztbriefen, die heute, so verraten Ärzte hinter vorgehaltener Hand, wenn es schnell gehen soll schon mal per normaler E-Mail verschickt werden.

Die neue Telematikinfrastruktur dagegen nutzt ein VPN-Netzwerk, das die Daten wie durch einen Tunnel verschickt – verschlüsselt und abgeschirmt vom übrigen Internet.

Ärztevereinigung fordert Fristverlängerung

Weil das aber aufgrund der Lieferengpässe bei den Konnektoren so schnell nicht erreicht werden kann, fordert die Vereinigung der Kassenärzte nun vom Gesundheitsministerium, die Frist für die Einführung zu verlängern - mindestens bis Mitte des nächsten Jahres. Außerdem soll es auf Wunsch des Ärzteverbandes auch über den 30. Juni 2018 hinaus eine volle Erstattung des Anschaffungspreises geben. Ansonsten zahlen die Ärzte und Therapeuten, die besonders schnell bei der neuen Technik mitmachen wollten, auch noch drauf.