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Drogenhandel und mehr: Ermittler nehmen Telegram-Gruppen hoch | BR24

© pa/ImageBroker/Moritz Wolf

Nicht nur Verschwörungstheorien sondern auch Drogen finden bei Telegram Absatz.

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    Drogenhandel und mehr: Ermittler nehmen Telegram-Gruppen hoch

    Erst das Bahnhofsviertel, jetzt der Messenger: Die Plätze für illegale Geschäfte wandeln sich. Neben dem Darknet haben sich Telegram-Gruppen zum Umschlagplatz für Drogen & Co. entwickelt. Nun ist Ermittlern ein Schlag gegen den Handel dort gelungen.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    Rauschgift, gefälschte Dokumente, Daten und weitere illegale Inhalte werden heute auch im Messengerdienst Telegram gehandelt. Das zeigte auch eine heutige konzertierte Aktion des Bundeskriminalamtes mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität und weiteren Strafverfolgungsbehörden.

    Seit Juni 2020 ermittelten verschiedene Stellen zu insgesamt neun Gruppen mit Namen wie "Silk Road", "Marktplatz//Schwarzmarkt", "GermanRefundCrew" oder "Cracked Accounts Shop" mit insgesamt rund 8.000 Mitgliedern. Nun wurden die Gruppen von der Polizei hochgenommen und als Beweismittel sichergestellt. Zudem fanden Hausdurchsuchungen statt. 28 Administratoren und Händler solcher Gruppen konnten bisher identifiziert werden.

    Bei den Durchsuchungen stießen die Ermittler auf Rauschgift, Waffen und größere Mengen Bargeld. In einigen Fällen kam es auch zu Festnahmen.

    Telegram als einfacher Weg zu Drogen

    Während Illegales wie Drogen oder Waffen für Otto-Normal-Verbraucher früher nur mit großem Aufwand und Unsicherheiten erhältlich waren, digitalisiert sich auch diese "Branche" seit Jahren zunehmend. Neben dem Handel über das Darknet, nun auch bei Telegram.

    Das stellt eine weitere Vereinfachung für "Kunden" dar. So ist nun nicht einmal mehr das technische Know-how nötig, das der Zugang ins Darknet voraussetzt. Stattdessen werden illegale Geschäfte bei Telegram offenbar über Gruppen und Privatchats angebahnt. Ein Händler veröffentlicht seine Angebote in der Gruppe, Zahlung und Lieferung werden dann privat abgehandelt.

    Auch bei Querdenkern beliebt

    Der Messengerdienst Telegram ist zuletzt vor allem zu Aufmerksamkeit gekommen, da sich dort Verschwörungstheoretiker, Querdenker und Corona-Leugner vernetzen. Die Gründe, warum sie dies bei Telegram tun, dürften denen der Drogenhändler ähneln: Telegram erlaubt Gruppen mit hundertausenden Mitgliedern, WhatsApp nur welche mit maximal 256. So macht WhatsApp das Verbreiten von Fake News und Drogen deutlich mühsamer als Telegram.

    Zudem gibt sich Telegram bei Inhalten extrem "tolerant" und wendet auch keine lokalen Gesetze, wie das deutsche Verbot der Holocaustleugnung an. Das heißt auch, dass dort nicht nur potentiell gefährliche Falschinformationen über Corona, sondern offenbar auch Drogenhandel und Kriminalität geduldet werden. Schon in der Vergangenheit wurde Telegram dafür kritisiert, dass sich IS-Terroristen dort unbehelligt vernetzen konnten. Letzteres unterband der Messenger schließlich doch.

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