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Das Gezerre um TikTok: Die wichtigsten Fragen und Antworten | BR24

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Hat TikTok in den USA eine Zukunft?

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    Das Gezerre um TikTok: Die wichtigsten Fragen und Antworten

    Verbieten? Verkaufen? Aufspalten? Die Frage, was mit TikTok geschehen soll, ist längst zum Politikum geworden. Wir erklären, warum Donald Trump TikTok ein Dorn im Auge ist und weshalb ausgerechnet Microsoft Interesse an der Teenie-Plattform hat.

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    Was ist TikTok?

    TikTok ist eine Plattform für Kurzvideos, die zum chinesischen Technologiekonzern ByteDance gehört. TikTok ist vor allem bei Teenagern beliebt, allein in den USA hat die Plattform nach eigenen Angaben über 100 Millionen Nutzer. TikTok hat sich einen Namen gemacht als eine Art "neues Fernsehen". Auf der Plattform dominieren Karaoke-Videos und kurze Unterhaltungs-Clips. Mittlerweile finden aber auch ernstere Inhalte ihren Weg auf die Plattform. Dazu gehören nicht nur Informationsangebote, sondern auch politische Statements.

    TikTok steht immer wieder aus verschiedenen Gründen in der Kritik. So wurde kürzlich enthüllt, dass TikTok bei iPhones alle paar Sekunden auf die Zwischenablage zugreift. Auch Zensurvorwürfe werden immer wieder gegen die chinesische Plattform laut.

    Was hat Trump gegen TikTok?

    Trump und Mitglieder der US-Regierung befürchten, dass über TikTok Daten von US-Bürgern in die Hände der kommunistischen Partei Chinas gelangen könnten. Gänzlich ausschließen kann man das nicht. ByteDance beteuert zwar, dass TikTok die Daten von US-Amerikanern nur in den USA und in Singapur speichert, trotzdem könnte es sein, dass Daten über Subunternehmen auch ihren Weg nach China finden.

    Viele TikTok-User haben noch eine weitere Theorie: Trump wolle demnach TikTok deswegen verbieten, weil TikTok-User dem US-Präsidenten seinen Wahlkampfauftakt in Tulsa verhagelt hätten. Teenager hatten sich im Vorfeld massenhaft für die Veranstaltung eingetragen, waren dann aber nicht erschienen. Die Folge: Leere Ränge und ein angefressener Donald Trump.

    Klar ist: Die Teenager-Plattform TikTok scheint im geopolitischen Konflikt zwischen den USA und China zwischen die Fronten geraten zu sein. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums bezeichnete Trumps Umgang mit TikTok als "Mobbing pur". Und auch TikTok selbst wehrt sich gerichtlich gegen Trumps Verbots-Dekret, da dieses auf „Spekulationen und Vermutungen" basiere.

    Was hat das mit Microsoft und Twitter zu tun?

    Microsoft hat Interesse bekundet, das US-Geschäft von TikTok zu übernehmen und dazu auch die TikTok-Zweige in Neuseeland, Kanada und Australien. Obwohl Microsoft auch im Computerspielbereich aktiv ist, umweht das Unternehmen aus Redmond immer noch das Image eines recht biederen Herstellers für Büro-Software.

    Mit der Übernahme eines Teils von TikTok würde der Windows-Konzern auf einen Schlag zum Eigentümer des zurzeit angesagtesten sozialen Netzwerks. Für ByteDance würde der Deal das Problem mit der US-Regierung lösen, allerdings steht der chinesische Konzern unter erheblichem Druck. Denn scheitert das Geschäft, dann könnte das US-Verbot kommen. Noch dazu tickt die Uhr: Bis Mitte September müssen sich die beiden Unternehmen geeinigt haben, sonst droht TikTok die Schließung.

    Microsoft werden für eine Übernahme die größten Chancen eingeräumt. Allerdings hat auch Twitter Interesse an TikTok bekundet. Der Kurznachrichtendienst experimentierte selbst vor einigen Jahren mit einer App für Kurzvideos namens Vine. Die die Frage ist, ob das im Vergleich eher kleine Unternehmen Twitter überhaupt die finanziellen Möglichkeiten hätte, eine Übernahme von TikTok im Alleingang zu stemmen. Auch andere Firmen sollen an einer Übernahme interessiert sein. Immer wieder wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass es auch für Netflix Sinn machen würde, sich TikTok einzuverleiben.

    Nur einer scheint an TikTok gänzlich uninteressiert zu sein: Microsoft-Urgestein Bill Gates. Der warnte TikTok sei ein "vergifteter Kelch", da es Microsoft schlichtweg an Erfahrung im Social Media-Business mangele.

    Wie reagiert die TikTok-Community?

    In einem offenen Brief verteidigen TikTok-User ihre Plattform. Es gäbe zwar Probleme beim Datenschutz, aber trotzdem würde TikTok vielen Menschen eine Stimme geben. Nach Ansicht der TikTok-Fans wirkt das Netzwerk, aufgrund seiner dezentralen Struktur, sogar Polarisierung und dem Entstehen von Filterblasen entgegen. Auf TikTok selbst regieren die User kreativ auf Trumps Streit mit ihrer Lieblingsplattform. Eine Rap-Einlage, die die Auseinandersetzung zum Thema macht, wurde eine halbe Million mal geliked.

    Könnte TikTok auch in Deutschland verboten werden?

    Überlegungen, TikTok zu verbieten, gibt es auch in anderen Ländern, etwa in Großbritannien und Australien. In Indien wurde die beliebte Videoapp bereits verboten. In Deutschland scheint ein TikTok-Verbot eher unwahrscheinlich. Klar ist aber auch, dass sich die europäischen Behörden mit der App beschäftigen. Kürzlich wurde eine Arbeitsgruppen des Europäische Datenschutzausschuss (ESDA) in Leben gerufen, die TikTok überprüfen soll.

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