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DLD-Konferenz: Kritik an Facebook und düstere Aussichten | BR24

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Dass Digitalisierung globale Herausforderungen mit sich bringt, wurde auf der DLD in München gleich zum Start diskutiert. Es gab deutliche Kritik an Tech-Unternehmen wie Facebook und Standing Ovations für die philippinische Journalistin Maria Ressa.

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DLD-Konferenz: Kritik an Facebook und düstere Aussichten

Dass Digitalisierung globale Herausforderungen mit sich bringt, wurde auf der DLD in München gleich zum Start diskutiert. Es gab deutliche Kritik an Tech-Unternehmen wie Facebook und Standing Ovations für die philippinische Journalistin Maria Ressa.

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"Warum sollten Sie sich für die Philippinen interessieren? Ehrlich: Unser dystopischer Präsident ist eure dystopische Zukunft - wenn ihr nichts tut." Mit diesen sehr direkten Worten hat die Journalistin Maria Ressa ihr Panel auf der Innovationskonferenz "Digital Life Design" (DLD) in München eröffnet. Und es war wohl nicht nur Ressas persönliche Geschichte, die die Zuhörer in der Alten Kongresshalle schnell in ihren Bann gezogen hat: Da stand diese sehr zierliche Person auf der Bühne, erzählte davon, wie sie aufgrund ihrer journalistischen Arbeit inhaftiert wurde und fügte lächelnd hinzu, dass sie das allerdings nicht empfehlen könne - auch wenn man Lust auf neue Erfahrungen habe.

Ressa gründete 2012 die Plattform Rappler. Sie berichtet unter anderem über Menschenrechtsverletzungen und kritisch über den sogenannten Drogenkrieg des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte und dessen Aufruf zur Selbstjustiz durch Bürgerwehren und die Polizei. Aufgrund ihrer Arbeit ist Ressa immer wieder heftigen Anfeindungen ausgesetzt, wurde bedroht - und 2018 vom Time-Magazin zur "Person des Jahres" gewählt. Mehrfach hat die philippinische Regierung versucht, Rappler den Boden zu entziehen.

"Eine Lüge, die eine Million Mal erzählt wird, wird zu einem Fakt."

Auf der DLD kritisierte Ressa, soziale Netzwerke wie Facebook förderten den Aufstieg autoritärer Politiker. Zwar gebe Facebook Regimekritikern auch die Möglichkeit, ihre Botschaften zu veröffentlichen, aber: "Wut und Hass verbreiten sich schneller."

Ressa hat aber nicht nur ihre Regierung immer wieder scharf kritisiert, sondern auch Facebook. Auf der DLD machte sie anhand von Daten aus ihrem Land deutlich, wie sich Debatten in sozialen Netzwerken politisch und gesellschaftlich auswirken können. Fakten würden sich nicht so gut verbreiten, weil sie langweilig seien, sagte Ressa im Interview mit dem BR. Eine Lüge, die eine Million Mal erzählt wird, werde zu einem Fakt.

"Wir verbringen unsere gesamte berufliche Laufbahn damit, zu lernen, wie man Geschichten erzählt, wie man langweilige Fakten interessant macht. Jetzt gibt es in den sozialen Netzwerken ein Informations-System, wo Leute lügen können. Und die, die lügen, werden belohnt." Maria Ressa, Journalistin

Ressa kritisiert Facebook: "Dann stirbt die Demokratie"

Ressa kritisierte auch Facebooks Moderations-Regeln. "Da gibt es Hassrede, die erlaubt ist, die nicht gelöscht wird. Aussagen, die niemals öffentlich sein sollten." Sie verbreiteten sich trotzdem und das sei ein großes Problem. Allerdings keines der freien Meinungsäußerung, sondern ein Verbreitungs-Problem.

"Wenn der weltweit größte Verbreiter von Nachrichten Lügen verbreitet anstatt Nachrichten, stirbt die Demokratie." Maria Ressa, Journalistin

Trotz allem will Ressa Facebook aber nicht tot sehen. Sie sieht das Problem differenzierter: Das größte Problem sei, dass junge, weiße Männer in den USA die grundlegenden Spielregeln der digitalen Welt definierten, sagte Ressa im BR-Interview. Viele von ihnen seien aber noch nie außerhalb der Vereinigten Staaten gewesen. Sie verstünden nicht, wie sich ihre Arbeit in unterschiedlichen Kulturen und Kontexten auswirkt: dass sie in Myanmar, auf den Philippinen und auf Sri Lanka Menschen töten kann.

© Picture Alliance for DLD / Hubert Burda Media

Informatikerin Joy Buolamwini

Informatikerin: Künstliche Intelligenz kann Vorurteile verfestigen

Ebenfalls mit Algorithmen - aber aus einem etwas anderen Blickwinkel - beschäftigt sich die Informatikerin Joy Buolamwini. Sie sprach auf der DLD darüber, dass Diskriminierung und Rassismus im Alltag sich teilweise auch in künstlicher Intelligenz widerspiegeln - und dadurch bestehende Vorurteile verfestigen könnten.

"Zusammen mit meinen Kollegen wollte ich herausfinden: Wie gut können Services wie IBM, Microsoft oder Face++ das Geschlecht eines Gesichts erraten", sagte Buolamwini, die am MIT in Boston arbeitet. Dabei sei herausgekommen: Am wenigsten gut funktionieren die Systeme bei schwarzen Frauen. Warum? "Das ist das Ergebnis von Prioritäten, Vorlieben und zum Teil auch Vorurteilen von denjenigen, die für Technologie verantwortlich sind."

Buolamwini hat in den USA die Algorithmic Justice League gegründet - eine Organisation, die sich dem Kampf gegen Ungerechtigkeiten in Algorithmen widmet. In den USA ist das Thema durch ihre Arbeit mittlerweile bekannter geworden. Die Wissenschaftlerin sagt, seit ihrer ersten Studie vor zwei Jahren hätten viele Firmen an ihren Programmen gearbeitet und sie verbessert. Auf der DLD in München betont sie, es gehe ihr nicht darum, anzuklagen, sondern Bewusstsein zu schaffen und die Systeme zu verbessern.

© BR.de

Wie kann sich Europa im Zeitalter der Digitalisierung besser aufstellen? Das treibt auf der Digital Life Design auch das Münchner Start-Up Cliqz um. Es arbeitet an einer eigenen Suchmaschine - als Alternative zu Google.

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