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DLD-Konferenz: Wohin sich die Medien entwickeln | BR24

© BR/Sissi Pitzer

Die "Digital Life Design"-Konferenz hatte sich in diesem Jahr "optimism & courage" auf die Fahnen geschrieben. Zu spüren waren eher Stagnation, aber auch neue Ideen und der Versuch, differenzierte Einschätzungen zu geben.

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DLD-Konferenz: Wohin sich die Medien entwickeln

Die "Digital Life Design"-Konferenz hatte sich in diesem Jahr "optimism & courage" auf die Fahnen geschrieben. Zu spüren waren eher Stagnation, aber auch neue Ideen und der Versuch, differenzierte Einschätzungen zu geben.

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Stargast Sheryl Sandberg, die Nummer 2 an der Spitze von Facebook, versuchte nach all den Skandalen gut Wetter zu machen: Was wenige zum Missbrauch nutzten auf Facebook, könnten viele nutzen, um Gutes zu verbreiten, und dafür lohne es sich zu kämpfen, sagte die Stellvertreterin von Mark Zuckerberg. Die Stimmung bei den Expertinnen und Experten im Saal traf das nicht – das Misstrauen ist zu groß geworden. So sagte auch Rachel Botsman, prominente Internet-Vordenkerin: Facebook bemühe sich zwar, die Probleme zu lösen, aber ob dabei wirklich die Interessen der Nutzer im Mittelpunkt stünden?

Bloomberg-Chef: Künstliche Intelligenz stiftet Verwirrung

Das Misstrauen gegenüber Socialmedia, Desinformationen im Netz und damit auch dem Einsatz von künstlicher Intelligenz, wächst. Nach den Worten von John Mickelthwait, Chefredakteur der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg, wird Künstliche Intelligenz (KI) genutzt, um Verwirrung zu stiften. "Die Leute akzeptieren nicht einfach die Fakten, was passiert ist, sondern kommen mit 20 Gerüchten um die Ecke. Die dann an bestimmte Zielgruppen verbreitet werden. Das macht's schwieriger." Er glaubt, dass das Misstrauen gegenüber Socialmedia den professionellen Medien in die Hände spielt. Die könnten Künstliche Intelligenz einsetzen, um ihr Publikum besser zu erreichen, zum Beispiel zur Personalisierung von Information: "Personalisierung wird eine Mischung sein aus generellen Nachrichten, ein paar Überraschungen, und Informationen, die für den Einzelnen wichtig sind – Wetter, Verkehr, Sport. Und das gezielter als bisher, das verändert vieles."

Nicht nur für die Nutzer kann KI damit positive Effekte haben, auch in den Redaktionen hält sie Einzug, sagt der Bloomberg-Chef. Computer könnten das Netz durchforsten nach Begriffen wie "Explosion" oder "Rücktritt". Darüber schreiben und es prüfen müsse der Mensch. "Hat es wirklich eine Explosion in Karachi gegeben oder einen Rücktritt in Bangkok?"

Deutsche Plattform für Fernsehkanäle und Mediatheken

Während Zeitungen und Online-Dienste versuchen, ihrem Publikum bessere, glaubhaftere, gezieltere Informationen zu bieten und damit mehr digitale Abos zu verkaufen, müssen sich auch Fernsehsender noch mehr auf die Digitalisierung einstellen. Sendungen zum Abruf in Mediatheken oder auf Youtube zu stellen, reicht nicht mehr. Da prescht Max Conze vor, seit einem halben Jahr der neue Mann an der Spitze von ProSiebenSAT1. Er plant gemeinsam mit Discovery eine deutsche Plattform und hält nach weiteren Partnern Ausschau: "Der Gedanke ist, dass wir auf einer Plattform alles zusammenbringen, was ich in Deutschland sehen will: alle Fernsehkanäle, alle Mediatheken, alles das, was mich interessiert. Da gibt es ein Bespiel in den USA, wie Hulu das gemacht hat, das ist sehr erfolgreich und etwas anderes, als was Netflix und Amazon machen." Das ZDF habe man bereits als Partner gewonnen, mit der ARD gebe es "sehr gute Gespräche".

Die ARD bestätigt zwar Gespräche auf Arbeitsebene, hat sich aber noch nicht entschieden, ob sie bei diesem deutschen Joint Venture mitmacht. Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm treibt seine Idee einer europäischen Plattform weiter voran: "Mein Plädoyer für eine europäische Infrastruktur, die uns unabhängiger macht von den US-Monopol-Anbietern Google, FB, Amazon, zielt auf die Grundlage, auf der die unterschiedlichen digitalen Produkte dann stattfinden können. Der Vorschlag von Herrn Conze ist ein solches Produkt, neben einer Vielzahl anderer wie einer Kultur-, Wissenschafts-Plattform, einer für lokal relevante Nachrichten und dergleichen mehr". Die beiden Projekte schließen sich also nicht aus, sie könnten sich vielmehr ergänzen.

© BR

Rachel Botsman