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Diversity-Gipfel: Wie Medien bunter werden könnten | BR24

© Sind die Medien divers genug?

Sind die Medien divers genug? Dazu diskutierten Medienvertreter auf den Medientagen München 2020.

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    Diversity-Gipfel: Wie Medien bunter werden könnten

    Ob im Film oder in der Information, lange gab es kaum Diversität in den TV-Programmen. Doch gerade Medien haben die Verantwortung, aktiv gegen Rassismus und Ausgrenzung einzutreten und die Gesellschaft darzustellen, wie sie ist.

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    Von
    • Jonathan Schulenburg

    Das Medien-Deutschland der letzten 30 Jahre - dazu gehörte zum Beispiel "die Schwarzwald-Klinik" oder das "Traumschiff", "GZSZ" und Big Brother. Tagesschau oder RTL aktuell. Viele weiße Menschen, die sich mit den Problemen von weißen Menschen beschäftigen. Kaum Diversität. Und dabei sollte doch in den Medien unsere ganze Gesellschaft abgebildet sein. 25 Prozent der deutschen Gesellschaft haben einen Migrationshintergrund. Nur wird das auf der Mattscheibe kaum abgebildet.

    "Müssen noch Hausaufgaben machen"

    Das muss auch Christoph Pellander von der Produktionsfirma ARD Degeto bei der Diversity-Diskussion auf den Medientagen München zugeben: "Es muss sich was bewegen. Es bewegt sich schon was. Aber wir müssen auch noch Hausaufgaben machen. Ziel ist es, möglichst alle Zuschauergruppen zu erreichen."

    Mord an George Floyd hat etwas verändert

    Seit dem Mord an George Floyd habe sich viel getan, sagt die Produzentin bei UFA Fiction, Nataly Kudiabor: "Jetzt ist eine große Offenheit da. Es wird einem zugehört." Das merkt auch die Regisseurin und Autorin Soleen Yusef, die für Netflix die Serie "Skylines" und für Amazon Prime "Deutschland 86" geschrieben hat: "Die Türen stehen jetzt weiter offen als vorher. Es reicht aber nicht, Diversität als Maskottchen einzusetzen. Es ist wichtig, dass Menschen mit Migrationshintergrund auch mit am Tisch sitzen."

    Christoph Pellander von der ARD Degeto blickt zurück und erzählt vom erfolgreichsten Film 2019 in der ARD. Es war ein Film über den Kulturclash einer deutsch-türkischen Familie, der Marktanteil lag bei 19 Prozent. Aber er muss zugeben: "Andere Länder sind uns da dann doch voraus."

    "Netflix denkt global, Welt ist eben divers"

    Dazu kommen nun die ganzen Streaming-Angebote von Netflix und Amazon. Sie "klauen" dem traditionellen Fernsehen die Zuschauer oder bieten ein Zuhause für die Menschen, die sich beim linearen TV nicht mehr repräsentiert sehen.

    Rachel Eggebeen ist für die deutschsprachigen Netflix-Produktionen zuständig, sie sagt ganz klar: "Es gibt keinen typisch deutschen Zuschauer. Je mehr Menschen du in deinen Inhalten repräsentierst, desto mehr schauen es auch." Netflix denke einfach global, und die Welt sei eben auch divers.

    Bornheim: Eklatanter Mangel bei der Tagesschau

    Aber nicht nur die fiktionalen Produkte im Fernsehen haben Nachholbedarf, auch die journalistischen Sendungen. So sieht sich Tagesschau-Chefredakteur Markus Bornheim zwar auf dem Bildschirm und in der Themenauswahl gut aufgestellt, doch: "Wir suchen sehr stark nach Mitarbeitern, die andere kulturelle Wurzeln haben. Auch Ost-West-Unterschiede." Da herrsche eklatanter Mangel.

    Aber er gibt auch ein Beispiel von den letzten ausgeschriebenen Stellen bei der Tagesschau. Auf zehn Stellen gab es nur drei Bewerbungen mit Migrationshintergrund. In den Social-Media Teams sei man dagegen schon ziemlich gut aufgestellt. Auch für Bornheim ist es wichtig, dass die Menschen in den Redaktionen auch mal eine andere Herkunft haben, "jenseits der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft."

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