Verena Hecht ist "Disability Influencerin". Sie berichtet auf Instagram über ihren Alltag mit Multipler Sklerose.

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"Disability Influencerin": Leben mit Multipler Sklerose

"Disability Influencerin": Leben mit Multipler Sklerose

Jeder geht mit einer unheilbaren Erkrankung anders um. Die Nürnbergerin Verena Hecht leidet an Multipler Sklerose – und spricht darüber auf Instagram. Warum das nicht nur anderen, sondern auch ihr selbst hilft.

Volles, braungelocktes Haar, natürlich geschminktes Gesicht, zierliche Figur – Verena Hecht hat schon den ein oder anderen Foto-Modelljob an Land gezogen. Die 30-Jährige ist eine hübsche Frau, gut gelaunt und hat immer ein Lachen auf den Lippen. Dass die Nürnbergerin seit sieben Jahren an Multipler Sklerose leidet, ist ihr nicht anzusehen.

Verena Hecht will aber auf ihre unheilbare Autoimmunkrankheit aufmerksam machen, damit die Menschen verstehen, wie es sich mit MS lebt. Ihren Alltag mit diesem Handicap macht sie öffentlich. Mehrere Tausend Menschen sehen regelmäßig auf Instagram, mit welchen Problemen Verena Hecht zu kämpfen hat.

Sieben verschiedene Tabletten

Sie müsse ihren Tag sehr diszipliniert durchtakten, um die Krankheit möglichst gut im Griff zu haben, sagt Verena Hecht. Sie stellt die Handykamera inklusive weichzeichnendem Ringlicht auf Selfie-Modus und schraubt verschiedene Medikamentendosen auf. Essen und Tabletteneinnahme stehen in festem, zeitlichen Zusammenhang, sonst gebe es Probleme. Das sei vielleicht nicht besonders überraschend, sagt sie, aber für viele Follower durchaus spannend. Auf ihrem Instagram-Account "verena__hecht" versucht sie, Abschnitte ihres MS-Alltags so authentisch wie möglich wiederzugeben.

Ziel: Aufklärung

Sie gebe viel von ihrer Krankheit preis, private Grenzen ziehe sie natürlich dennoch. Vertrauliches aus Arztgesprächen zum Beispiel bleibt offline. Ihr Ziel sei die Aufklärung darüber, was es heißt, eine unheilbare Krankheit zu haben. Je mehr die Menschen über Multiple Sklerose wüssten, desto besser würden sie verstehen, warum sich jemand mit einer Autoimmunkrankheit gegebenenfalls anders verhalte, als es zu erwarten wäre. Ein Beispiel: Verena Hecht ist oft erschöpft, unkonzentriert, kann sich Dinge nicht so gut merken wie vor ihrer Erkrankung.

Diagnose mit 23

Mit 23 Jahren fing alles an, zunächst mit einem längeren Kribbeln im Arm. Im MRT wurde die erschütternde Diagnose festgestellt. Seitdem verläuft die Krankheit vor allem in Schüben. Über Sport und vor allem Ernährung versucht Verena, die MS so gut es geht im Griff zu haben. Alkohol und Nikotin sind tabu. Das habe am Anfang beim Feiern gehen mit Anfang zwanzig auch nicht jeder sofort verstanden beziehungsweise akzeptiert, erzählt sie.

Positives Feedback

Das Feedback auf ihren öffentlichen Umgang mit der Erkrankung sei überwiegend positiv, konstatiert die 30-Jährige. Zum einen finde ein reger Austausch mit anderen MS-Geplagten statt: Zum Beispiel welcher Arzt in der jeweiligen Situation gerade passe. Zum anderen bestärke sie die Fürsprache, die sie zum Teil von völlig Unbekannten bekäme.

Dass Instagram vor allem nur eine Plattform für Selbstdarsteller, Schminktipps und gebräunte, durchtrainierte Strandkörper ist, die Zeit, da ist sich Verena Hecht sicher, ist überholt. Das hätten die Nutzer doch schon reichlich gesehen. Themen wie das ihre interessierten doch überraschend viele Menschen. Das sei ihr Antrieb, weiterzumachen, sagt sie – auch wenn es oft anstrengend für sie ist.

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