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Digitalisierung: Immer positivere Resonanz in der Bevölkerung | BR24

© BR24 / Sissi Pitzer

Präsentation der Digitalisierungsstudie D21

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    Digitalisierung: Immer positivere Resonanz in der Bevölkerung

    Die Mehrheit der Deutschen sieht die Digitalisierung positiv, vor allem in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Aber: 14 Prozent der Bevölkerung sind offline und damit von der Entwicklung abgehängt. Das zeigt die aktuelle Studie "D21-Digital-Index".

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    Von
    • Sissi Pitzer
    • BR24 Redaktion

    2019 waren 86 Prozent der deutschen Bevölkerung online – die meisten mobil. Vor allem Ältere entdecken das Internet für sich – die Fotos von Kindern und Enkeln sind da ein entscheidender Trigger, hieß es bei der Vorstellung der Studie "D21 Digital-Index" im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Der Digital-Index untersucht seit mehreren Jahren, ob und wie die Digitalisierung im Leben der Menschen angekommen ist.

    Digitale Spaltung überwinden

    Wer das Internet nicht nutzt, gehört meist zu den formal niedrig Gebildeten. Als Gründe nennen die Betreffenden überwiegend kein Interesse an diesem Medium. Aber vielen ist es auch einfach zu kompliziert. Es fehlen ihnen Unterstützung und Nutzwert. Diese digitale Spaltung gelte es zu überwinden, so D21-Geschäftsführerin Lena-Sophie Müller. Dazu müsse man den neun Millionen Off-Linern die Vorteile digitaler Anwendungen aufzeigen und Begegnungsstätten dafür bieten, um Ängste und Unkenntnisse abzubauen.

    Dass die Schulen die notwendigen Fähigkeiten vermitteln, mit digitalen Angeboten umzugehen, glaubt nur gut ein Drittel der Befragten – auch hier konstatiert die Studie erheblichen Nachholbedarf in Deutschland, gerade im internationalen Vergleich. Thomas Jarzombek, Beauftragter des BMWi für Digitale Wirtschaft und Start-ups forderte: "Coden lernen kann jeder, das muss an jeder Schule unterrichtet werden". Außerdem dürfe und solle digitales Lernen Spaß machen.

    Digitalisierung der Arbeitswelt besser nutzen

    Online-Shopping, Instant Messaging, vor allem über WhatsApp, und Online-Recherche ("Ich google das mal“), diese Dienste werden am häufigsten genutzt. Knapp die Hälfte der Bevölkerung streamt Musik, Filme, Serien oder spielt am Computer, zum Teil online. Urlaub oder Reisen buchen steht an erster Stelle der genutzten Online-Dienstleistungen.

    Dass die Arbeitswelt künftig besonders stark durch die Digitalisierung verändert werden wird, dem stimmt die Mehrzahl der Berufstätigen zu. Die eine Hälfte sieht das positiv – es gibt neue Jobchancen -, die andere Hälfte negativ – sie befürchtet den Wegfall von Berufen und Tätigkeiten und fühlt sich unter Druck gesetzt.

    Die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, von unterwegs oder im Home-Office, gilt als ein großer Vorteil der beruflichen Digitalisierung. Sie wird in Deutschland allerdings nur von 15 Prozent der Berufstätigen genutzt. Der Hauptgrund: Viele Unternehmen ermöglichen das ihren Beschäftigten nicht – obwohl sich knapp die Hälfte ein räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten wünscht.

    "Mobiles Arbeiten in Deutschland stagniert auf niedrigem Niveau. Dabei gibt es auch ein strukturelles Problem: Menschen, die in Teilzeit arbeiten, werden vom Arbeitgeber sehr viel weniger mit mobilen Endgeräten ausgestattet als diejenigen, die Vollzeit arbeiten. Dabei könnten gerade sie davon profitieren, von unterwegs oder außerhalb des Büros zu arbeiten. Und das betrifft vor allem Frauen." Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin Initiative D21

    Positive Erwartungen an Digitalisierung

    Aus Sicht der Befragten gibt es kaum Aspekte, die sich nicht bereits in drei bis fünf Jahren stark durch die Digitalisierung verändern werden. Diese Veränderung bewerten sie großteils positiv - am ehesten in den Bereichen Bildung (50 Prozent eher positiv) und Gesundheit (48 Prozent). Grundsätzlich zeigt sich: je digitaler die Menschen heute sind, desto stärkere Auswirkungen durch die Digitalisierung erwarten sie und umso positiver ist ihre Einstellung dazu.

    Stadt-Land-Gefälle verändern

    Nach den Smart Cities kommen die Smarten Dörfer: Gemeinden auf dem Lande, meist im Speckgürtel von Ballungsgebieten, die digitale Arbeitsplätze bieten und das moderne Arbeiten mit dem entspannteren Leben auf dem Lande verbinden. Gleichzeitig kann so der Abwanderung der jungen Generationen etwas entgegengesetzt werden. Vorreiter sind Initiativen wie "Neuland21" oder "Coconat Space" in Kommunen, die auf digitalen Nutzen für ihre BürgerInnen setzen, brauchen vor allem Engagierte im Bürgermeisteramt.

    Thomas Fehling, Bürgermeister der digitalen Vorzeigestadt Bad Hersfeld in Hessen, sagte bei der Podiumsdiskussion dazu: "Wir nennen den Coworking-Space einfach Gemeinschaftsbüro, und schon haben wir die Bürger mitgenommen".

    Regionale Unterschiede: Bayern im Mittelfeld

    Bayern liegt beim Vergleich der Internetnutzung in den einzelnen Bundesländern nur im Mittelfeld. Zumindest gelegentlich nutzen das Internet hier 86 Prozent – an der Spitze liegt Hamburg mit 90 Prozent, am unteren Ende Thüringen mit 77 Prozent. Auch mobil wird das Internet im Norden häufiger genutzt (Hamburg, Niedersachsen, Bremen zwischen 81 und 79 Prozent), Bayern kommt auf lediglich 74 Prozent; unter 70 Prozent liegen die ostdeutschen Bundesländer und das Saarland.

    Die Initiative D21 e.V. ist ein branchenübergreifendes Netzwerk aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, das sich mit den gesellschaftlichen Herausforderungen der Digitalisierung beschäftigt. Der D21-Digital-Index wird vom Marktforschungsunternehmen Kantar erstellt; befragt wurden 2019 über 20.000 Deutsche über 14 Jahre.