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Digitalgipfel: Länger Leben mit KI? | BR24

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Künstliche Intelligenz kann dem Arzt bei einer komplizierten OP helfen.

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    Digitalgipfel: Länger Leben mit KI?

    In Nürnberg trifft sich die Polit-Prominenz, um über die Digitalisierung zu sprechen. Wichtigstes Thema: künstliche Intelligenz. Vor allem Ärzte und Patienten sollen von dieser Technologie profitieren.

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    „Sie müssen sich das vorstellen, wie wenn Sie von München nach Berlin fahren. Sie geben in das Navigationssystem das Ziel ein, und das Navigationsgerät spuckt aus, welcher der schnellste und sicherste Weg ist. Und genau das machen wir heute im Operationssaal“, sagt Martin Pregler von der Münchner Medizin-Firma Brainlab. Der IT-Spezialist steht auf dem Digitalgipfel vor einem der zahlreichen Stände im ersten Stock des Nürnberger Messezentrums. Hier können Firmen sich und ihre Ideen präsentieren, und viele dieser Ideen haben mit künstlicher Intelligenz zu tun. Im Fall von Brainlab heißt das, dass der Arzt im OP-Saal mittels einer Mixed Reality-Brille genau die Informationen angezeigt bekommt, die er für seine Operation benötigt. Wenn sich der Arzt bei einer Tumor-OP beispielsweise dem Sehnerv nähert, bekommt er direkt in seinem Sichtfeld eine Warnung angezeigt. Eine KI entscheiden darüber, wann, wie und welche Information den Arzt erreicht.

    CSU und frei Wähler: KI ist Schlüsseltechnologie

    Künstliche Intelligenz ist das Schwerpunktthema des diesjährigen KI-Gipfels. An zahlreichen Ständen und Diskussionsveranstaltungen geht es um die Frage, wie diese Schlüsseltechnologie Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft verändern wird. Die Bundesregierung hat kürzlich eine nationale KI-Strategie beschlossen, in den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 3 Milliarden Euro in diesem Bereich investiert werden. Auch Bayern möchte in Sachen künstliche Intelligenz vorne mitmischen: KI soll „Bayerische Schlüsseltechnologie“ werden, wie es im Koalitionsvertrag von CSU und Freie Wähler heißt.

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    Martin Pregler von der Münchner Medizin-Firma Brainlab

    Die Erwartungen, die an diese Technologie geknüpft werden, sind hoch, und in kaum einem Gebiet scheinen Optimisten ein so großes Potenzial ausmachen zu können wie im Gesundheitsbereich. So können KI-Programme heute schon mit einer höheren Zuverlässigkeit Hautkrebs erkennen als Ärzte. Auch anderen Krebsarten erkennen die Medizin-Algorithmen zuverlässiger als ihre menschlichen Pendants. „Software wird den Arzt nicht ersetzen, aber unterstützen“ sagt Martin Pregler. „Die KI könnte zum Beispiels sagen: Schau Dir diesen Bereich mal genauer an....Am Ende entscheidet aber immer der Arzt.“

    Israel ist Vorreiter

    Künstliche Intelligenz kann bei der Diagnostik helfen, die eigentliche Interpretation der Ergebnisse soll aber immer dem Arzt obliegen. „Das ist ein wenig wie bei der Rechtschreibprüfung von Textverarbeitungsprogrammen, wenn bestimme Worte rot unterringelt werden“, sagt Franz Pfister, selbst Arzt und Gründer des Medizin-Start-Ups Digital Helix. Was er damit meint: Die Software assistiert den Arzt bei Dingen, die eine Software besser kann, etwa das Erkennen von Mustern, Problemen und Fehlern. Pfister glaubt, dass KI vor allem bei chronischen Erkrankungen zum Einsatz kommen könnte, im Bereich des Langzeit-Monitorings bei Krankheitsbildern, wie etwa Parkinson oder chronischer Herzinsuffizienz. „Wir stehen, was KI angeht, noch ganz am Anfang. Aber es ist gut, dass wir langsam aufwachen“, sagt der Mediziner. Neben mehr Geld und besseren Möglichkeiten, sich zu vernetzten, müsste auch der Zugang zu Daten erleichtert werden, findet Pfister. Israel beispielsweise sei Vorreiter im Bereich der KI-Medizin, dort seien Gesundheitsdaten öffentlich gemacht worden – in anonymisierter Form natürlich.

    KI hat Potenzial

    „Wir sollten uns nicht sperren und diese Innovation“ blockieren, meint Pfister. Und in der Tat: Andere Länder, wie etwa China, sind Vorreiter in Sachen KI. Auch im Silicon Valley wird immens in diesen Bereich investiert. Ob Deutschland und Europa hier Anschluss halten können, werden die kommenden Jahre zeigen. Klar ist: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, dazu beizutragen, dass Ärzte sich in Zukunft noch mehr auf den Patienten konzentrieren können.