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Digitales Bezahlen: Schafft Corona das Bargeld ab? | BR24

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Bezahlen mit Smartphone

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    Digitales Bezahlen: Schafft Corona das Bargeld ab?

    Die Corona-Pandemie hat in viele Läden zu mehr kontaktlosem Bezahlen geführt. Auch das Smartphone wird dabei rege genutzt. Und so kommt die Debatte über neue, digitale Bezahlformen zunehmend in Schwung.

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    Der Bundesverband deutscher Banken wollte es noch einmal genau wissen. In einer Umfrage wurde ermittelt, wie sehr das Bargeld in den Läden an Bedeutung verloren hat. Ergebnis: nur noch etwa 40 Prozent der Deutschen zahlen inzwischen an Supermarkt- oder anderen Kassen in bar, die restlichen 60 Prozent mit Karte oder Handy. Rund ein Viertel der Befragten hat ihr Verhalten im Zuge der Corona-Krise geändert und verzichten nun in der Regel bewusst auf Barzahlungen, vor allem ältere Menschen haben sich jetzt umgestellt.

    Eine andere Studie versucht den Blick in die Zukunft zu richten. Die Beratungsfirma Oliver Wyman kommt in ihrer Untersuchung zum Schluss, dass der Anteil von Barzahlungen – gemessen am Umsatz - bis 2025 auf 32 Prozent sinken könnte. Kurzfristig rechnet man für 2021 bereits mit einem Rückgang der Barzahlungen um 15 Prozent. Es scheint also so, dass sogar die Deutschen von ihrem geliebten Bargeld langsam aber sicher abrücken. Ein Großteil der kontaktlosen Bezahlvorgänge läuft dabei momentan allerdings mit der EC-Karte ab.

    Handy-Zahlungen praktisch aber kaum verbreitet

    Das Smartphone wird noch relativ selten gezückt. Laut dem Forschungsinstitut des Handel, EHI, liegt der Anteil erst bei acht Prozent Doch die deutschen Banken bieten inzwischen mit eigenen Handy-Bezahl-Lösungen Alternativen zu den US-Konzernen Google Pay und Apple Pay. Vielleicht trägt das dazu bei, dass bald mehr Menschen an der Kasse einfach nur das Smartphone an den Leser halten. Die Variante ist zumindest praktisch: der Kunde gibt den Einkauf mit der gewohnten Entsperrfunktion – etwa mit dem Fingerabdruck - frei. Das ist alles. Lästiges Kramen in der Tasche nach der Karte und auch das Eintippen eines Codes fallen weg.

    Paypal forciert eigene Lösung

    Der Zahlungsdienstleister Paypal will die Gunst der Stunde nutzen, um selbst beim kontaktlosen Zahlen mitzumischen. Auch in kleinen Geschäften oder Lokalen, die womöglich kein EC-Karten-Terminal haben, soll sich das System durchsetzen. Paypal bietet Transaktionen per QR-Code an – und zwar derzeit gratis. Händler müssen sich für das Empfangen von Zahlungen einen grafischen Code generieren. Kunden scannen diesen dann mit ihrem Smartphone ein und geben in der Paypal-App den Betrag an. Bis zum 13. September sollen diese Zahlungen nichts kosten. Danach, wenn sich diese Variante womöglich etabliert hat, verlangt Paypal 0,9 Prozent des Umsatzes, plus 10 Cent je Transaktion.

    Europäische Banken müssen sich sputen

    Mit den Lösungen von Paypal, Apple oder Google droht der Bezahlvorgang immer mehr in die Hände von US-Firmen zu geraten. Die Banken in Europa sollten sich mit einem eigenen System für Mobile Payment beeilen, forderte deshalb jüngst Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Balz, die Corona-Pandemie zeige, wie wichtig europäische Systemsouveränität sei. Das sei wie eine Weckruf: „Manchmal erscheint es mir, als ob manche erst jetzt aufwachen.“ Momentan gibt es keine verlässlichen Angaben, wie viel Umsatz die europäischen Banken mit ihren Bezahl-Apps schon machen und wie viel die US-Konkurrenz. Es wird allerdings ein interessantes Rennen. Die Geldhäuser haben zwar oft noch einen sehr direkten Draht zu ihren Kunden, Google und Apple verfügen jedoch durch ihre Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS über den Zugang zu den Endgeräten der Kundschaft.

    Digitale Geldübertragung durch den Staat

    In den USA arbeitet man unterdessen an einem weiteren, viel umfassenderen Schritt für digitales Zahlen. Es geht darum, effizientere Wege zu finden, um bedürftigen Menschen schnell und unkompliziert finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Die US-Senatorin Julia Salazar hat gemeinsam mit Wissenschaftlern einen Gesetzesvorschlag für ein "Inklusives Wertkonto" erarbeitet. Eine solche Plattform würde es Nutzern erlauben, in einer neuen digitalen Währung zu sparen, Geld auszugeben und womöglich sogar an andere zu verleihen. Staatliche Gelder könnten in eine digitale Währung umgewandelt und in eine Art virtuelles Portmonnaie einbezahlt werden. Menschen die kein Bankkonto haben, könnten so schnell versorgt werden und müssten nicht wochen- oder monatelang auf ihren staatlichen Hilfe-Scheck warten.