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Digital-Gipfel: Kann Künstliche Intelligenz die Umwelt retten? | BR24

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    Digital-Gipfel: Kann Künstliche Intelligenz die Umwelt retten?

    In Berlin findet der Digital-Gipfel der Bundesregierung statt. Das Motto lautet diesmal "digital nachhaltiger leben". Besonders viel versprechen sich die Teilnehmer von Künstlicher Intelligenz. Wobei KI hier eine widersprüchliche Technologie ist.

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    Von
    • Christian Sachsinger

    Wesentlich ist, was unterm Strich herauskommt. Sind die negativen Auswirkungen des Einsatzes von KI auf die Ökologie größer als die positiven Effekte? Zu den Problemen zählt ganz klar der immense Stromverbrauch. Künstliche Intelligenz arbeitet und lernt anhand großer Datenmengen. So muss Spracherkennungs-KI am besten mit tausenden Stunden an Sprachaufnahmen gefüttert werden, damit sie die Nuancen des Deutschen oder vielleicht sogar des Bayerischen in den Griff bekommt. Die Datenberge durchzuackern und daraus Erkenntnisse zu ziehen, ist mit enormen Rechenleistungen verbunden.

    KI hinterlässt monströse CO2-Abdrücke

    Die University of Massachusetts sorgte jüngst für Aufsehen mit einer Studie, wonach ein solches Training so viele CO2-Emissionen erzeugt wie fünf Autos - und zwar während der gesamten Lebensspanne, also von der Produktion bis zur Verschrottung. Die Forscher kamen auf die gigantische Menge von rund 300 Tonnen CO2.

    Deshalb wird nun daran gearbeitet, wie man diese monströsen CO2-Fußabdrücke von künstlichen Intelligenzen möglichst verkleinern kann. Auf dem Digital-Gipfel wird von Verfahren berichtet, mit denen KI-Training deutlich effektiver ablaufen kann. Dabei lasse sich der CO2-Ausstoss im Beispiel der Spracherlernung auf nur noch 3,5 Tonnen reduzieren. Katharina Morik, Lehrstuhlinhaberin für Künstliche Intelligenz an der TU-Dortmund, arbeitet an solchen Algorithmen, die mit weniger Speicher auskommen.

    Künstliche Intelligenz könnte Unternehmen helfen

    Viele Firmen in Deutschland sind bereits dabei, ihre Abläufe und Produktionsprozesse zu automatisieren. Wobei KI helfen könnte, die Effizienz auch beim Einsatz von Materialien zu steigern, wie Ina Schieferdecker vom Bundesministerium für Bildung und Forschung betont. So könne künstliche Intelligenz zum Beispiel frühzeitig erkennen, wenn ein Maschinenbauteil nicht richtig funktioniert. Wird es dann sofort ausgetauscht und nicht verbaut, erspart man sich, dass eine kaputte Maschine produziert wird und am Ende viele andere Bauteile, die eigentlich funktionieren, mitsamt der ganzen Maschine auf dem Schrott landen.

    Das Problem, das man auf dem Digital-Gipfel sieht, ist nun, dass gerade viele mittelständische Unternehmen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz noch sehr zurückhaltend sind. Tina Klüwer, Geschäftsführerin von Parlamind, einer Firma, die Unternehmen beim Einsatz von KI berät, beschreibt die Skepsis. Viele Unternehmer würden lieber abwarten, weil sie nicht wirklich daran glaubten, dass sich KI-gesteuerte Software bezahlt macht.

    Bauern analysieren Pflanzenkrankheiten per App

    Ein sofort einleuchtender Nutzen beim Einsatz von KI ergibt sich in der Landwirtschaft. Simone Strey, Chefin des Start-Ups PEAT, verspricht, Pflanzen auf der ganzen Welt zu heilen. Strey zufolge geht rund ein Drittel der Ernteerträge weltweit jedes Jahr verloren, weil Pflanzen krank oder von Schädlingen befallen werden. Die Firma PEAT will hier Abhilfe schaffen mit ihrer App Plantix fürs Smartphone. Bauern und Bäuerinnen können ein Foto von den erkrankten Pflanzen machen. Die KI, die im Hintergrund arbeitet, erkennt Pflanze und Krankheit und rät, was zu tun ist. Auf diese Art wird also weniger Wasser für kranke Pflanzen vergeudet und es werden weniger unnötige Behandlungs- oder Düngemittel eingesetzt, weil man das Problem auf dem Acker falsch diagnostiziert hat.

    Rebound-Effekte machen die Erfolge schnell wieder zunichte

    Anhand solcher Beispiele lässt sich leicht erahnen, welches Umweltschutz-Potenzial in künstlicher Intelligenz stecken könnte. Gleichzeitig darf man sich aber auch nicht der Illusion hingeben, dass unsere Klimaprobleme damit nun gelöst wären. Lucas Spreiter, Gründer der Unetiq GmbH, einer Münchner Firma, die passgenaue KI-Lösungen für Unternehmen anbieten möchte, wirft auf dem Digital-Gipfel die Rebound-Effekte in die Diskussion ein. Will heißen, die Eiffizienzgewinne, die man durch die Digitalisierung im Allgemeinen und den Einsatz von KI im Speziellen erzielen kann, werden nicht dazu genutzt, die Umwelt zu schonen, sondern um – etwas einfach gesagt - die Wirtschaft noch schneller anzutreiben.

    Spreiter vergleicht das mit der Autoindustrie. Dort werden energieeffizientere Motoren dafür verwendet, SUVs zu bauen, die nur noch den Spritverbrauch eines Kleinwagens haben – anstatt Kleinwagen zu entwickeln, die mit nur noch einem halben Liter Benzin auf 100 Kilometer auskommen. Doch diese Diskussion verebbt auf dem Digital-Gipfel schnell wieder, auf einem Gipfeltreffen im Bundeswirtschaftsministerium, bei dem sich vor allem Vertreter aus Wirtschaft und Politik austauschen.

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