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Die verwirrte Antwort der Union auf das Rezo-Video | BR24

© Rezo/CDU

YouTuber Rezo hat mit seinem Video "Die Zerstörung der CDU" für viel Wirbel gesorgt

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    Die verwirrte Antwort der Union auf das Rezo-Video

    Das Video "Die Zerstörung der CDU" des YouTubers Rezo elektrisiert gerade das Internet. Die Union will nun in Dialog mit Rezo treten - doch die Online-Schlammschlacht hat bereits begonnen.

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    Der YouTuber Rezo hat die CDU "zerstört". "Zerstörung" ist hier nicht wörtlich gemeint, sondern steht im YouTube-Kosmos für eine mehr oder weniger pointierte Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema. In dem gut eine Stunde langen Clip geht Rezo mit den Unionsparteien hart ins Gericht, attestiert der CDU vor allem Versagen in den Politikbereichen Umweltschutz, Frieden und Urheberrecht. Seine Quellen, 255 an der Zahl, hat er in einem Dokument zusammengefasst, das man hier einsehen kann.

    CDU reagiert diplomatisch auf Rezo

    Nun reagiert die Union - für manche überraschend diplomatisch. Zwar gibt es wohl kein Antwort-Interview von Philipp Amthor, welches zwischenzeitlich angekündigt wurde, aber dafür einige andere koordinierte Schritte: CDU-Generalsekretät Paul Ziemiak bietet Rezo einen Dialog an und auf ihrer Website hat die Partei ein Dokument veröffentlicht, indem sie einige Punkte aus dessen Video entkräften will.

    Dass die Antwort erst jetzt kommt - fünf Tage nach Veröffentlichung des Videos - ist bezeichnend für den langsamen und anfangs etwas hilflosen Umgang der CDU mit dem Video. Sie hatte anfangs offenbar kaum damit gerechnet, wie groß die Aufmerksamkeit sein würde. "Die Zerstörung der CDU" hat mittlerweile über fünf Millionen Aufrufe, bestimmt sämtliche sozialen Netzwerke. Es gibt sogar Beispiele von Schulen, in denen es im Unterricht besprochen wurde:

    CDU und SPD reagieren auf das Video - von angriffslustig bis defensiv

    Die offizielle Reaktion der CDU fällt diplomatisch aus. Viele Reaktionen aus der Reihe der Union in den letzten Tagen schlugen einen deutlich anderen Ton an. Der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer bezeichnete das Video etwa als "Fake News", ohne darauf anzugehen, welche Teile des Videos falsch sein sollen.

    Ein Twitter-Account des konservativen Unions-Flügel "Werte-Union" zog den Erfolg des Videos in Zweifel - und verwies auf angebliche Fake-Follower für Rezo auf Twitter. Die Quelle, auf die der Account sich hierbei bezieht, führt jedoch nur Stichproben durch und ist deshalb wenig verlässlich. Zudem hat der Vorwurf nichts mit YouTube zu tun - und hier ging das Video viral.

    Auch ein CDU-Mitarbeiter hat sich zu Wort gemeldet. Der Blogger und Podcaster Philipp Graefe wirft dem populären YouTuber unzulässige Vereinfachungen vor. Die CDU sei eine Partei, die sich um die Bundesrepublik verdient gemacht habe. Politik sei zudem viel komplexer, als es der YouTuber darstelle.

    Auch die SPD wird in "Die Zerstörung der CDU" angegriffen. Von den Sozialdemokraten hat der Europa-Abgeordnete Tiemo Wölken auf das populäre Video geantwortet. Er verteidigt vor allem die Umweltpolitik der SPD.

    Die Folgen von Artikel 13

    Dass ein üblicherweise nicht politisch aktiver YouTuber mit einem Video so viel Aufsehen erregt, zeigt, wie rasant sich die deutsche YouTube-Szene politisiert hat. Dazu hat nicht zuletzt die Debatte um die EU-Urheberrechtsreform beigetragen.

    Noch vor wenigen Monaten waren europaweit hunderttausende junge Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Urheberrechtsreform der EU zu demonstrieren. Der zuständige CDU-Berichterstatter im Europaparlament Axel Voss (CDU) legte nahe, die Demonstranten ließen sich von amerikanischen Konzernen instrumentalisieren, andere bezeichneten Online-Aktivisten als Bots. Zwischenzeitlich kursierte auf Twitter der Hashtag #niewiedercdu.