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30 Jahre Microsoft Office | BR24

© picture alliance / dpa

Die Logos von Excel, PowerPoint und Word.

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    30 Jahre Microsoft Office

    Sie verdrängte die Schreibmaschine und revolutionierte den Büroalltag - vor 30 Jahren kam die Software Microsoft Office auf den Markt. Schreibassistent Karl Klammer ist mittlerweile im OFF verschwunden, künstliche Intelligenz ist die Zukunft.

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    "Anscheinend wollen Sie einen Brief schreiben, benötigen Sie Hilfe?" Nein, nein, nein. Nein, Karl. Der drahtige Schreibassistent von Microsoft Office - Nachname Klammer - war nie eine wirkliche Hilfe. Er wackelte so lange am Dokumentrand herum, bis man ihn entnervt wegklickte. Manchmal verwandelte er sich auch in ein Fahrrad. Seine Penetranz verschaffte der grinsenden Büroklammer sogar einen Eintrag in einem der bekanntesten Lexika für Internetphänomene, "Know your meme". Der drahtige Schreibassistent hatte nie viele Freunde. Auch jetzt, wo Office 30 Jahre alt wird, vermisst man ihn nicht.

    Erstes Office-Paket kostete 849 US-Dollar

    Ab Windows XP konnte man Karl zumindest standardmäßig deaktivieren, 2007 schaffte Microsoft seinen Assistenten endgültig ab. Während Karl also heute ein Dasein in digitalen Nachschlagewerken fristet, ist sein Umfeld – sprich Office – aus den Büros kaum mehr wegzudenken.

    Word, Excel, Power Point und Mail, diese Programme gehörten 1989 zum ersten Office-Paket von Microsoft dazu. Davor gab es die Programme nur einzeln. 849 US-Dollar kostete das Paket und war zunächst nur für Mac-Computer erhältlich. Ein Jahr später gab es die Software auch für Windows-Nutzer, sie hat das Arbeiten im Büro grundlegend verändert. Bis dahin wurde alles handschriftlich oder mit der Schreibmaschine auf Papier festgehalten.

    Mit Office haben sich die Rollen, die Menschen in Büros einnehmen, verschoben, sagt Edmund Wascher, vom Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung, im Interview mit WDR5. "Früher war es so, dass die Aufgabe, Texte festzuhalten und Texte abzutippen, von Sekretärinnen gemacht wurde, die nur allein dafür ausgebildet waren. Heute verteilt sich die Arbeit ganz anders."

    Kritik an Vormachtstellung und Datenschutzprobleme

    Dass kaum ein Büro heute ohne die Grundausstattung für Windows auskommt, hat Microsoft aber auch immer wieder Kritik eingebracht. Dabei ging es vor allem um Microsofts Vorrangstellung und die Öffnung des Betriebssystems für andere Hersteller. Zwar gibt es Alternativen zum Office-Paket, zum Beispiel die Freeware Open Office oder Libre Office, allerdings bleibt Office die meistgenutzte Software in Deutschland.

    Statt einer Pappschachtel mit CD-Rom und Diskette gibt es Office heute auch als Abo-Modell. Office 365 soll man auf diversen Plattformen nutzen können. Allerdings steht Microsoft mit seinen onlinebasierten Office-Produkten wegen Datenschutzproblemen in der Kritik: Das US-Unternehmen soll zu viele Daten gesammelt haben und damit gegen Datenschutzrecht verstoßen haben. Zwar hat Microsoft nachgebessert, aber wohl nicht ausreichend genug.

    Laut dem niederländischen Justizministerium sind unter anderem Office Online und Office-Apps weiter betroffen. Der hessische Beauftragte für Datenschutz hat sogar entschieden, dass Office 365 an Schulen in Hessen datenschutzrechtlich unzulässig ist, solange personenbezogene Daten in der europäischen Cloud gespeichert werden.

    Einfluss auf Arbeitsweise und Sprache

    Trotz aller berechtigter Kritik ist kaum wegzudiskutieren, wie groß der Einfluss von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder Präsentation auf den Arbeitsalltag ist.

    "Wir kennen alle von frühen Zeiten, als die Maus aufkam, dass die Menschen dann Probleme mit dem rechten Unterarm hatten und diese Haltung auch erst gelernt werden musste." Edmund Wascher, Professor vom Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung

    Statt Karl Klammer arbeitet Microsoft heute an anderen Hilfsmitteln beim Texte-Schreiben: Künstliche Intelligenz soll bei Word Online nicht nur Rechtschreibung und Grammatik kontrollieren, sondern auch den Stil verbessern. Damit aus Sätzen keine endlose Aneinanderreihung unnötiger Adjektive wird. Wie das praktisch aussehen kann und ob es die Sprache dadurch vielleicht eintöniger macht, ist fraglich.

    Wascher sagt, dass Text-Software unsere Sprache bereits verändert hat. "Früher hat man sehr lange darüber nachgedacht, den Text im Kopf schon fast fertig kreiert oder irgendwo auf einem Skizzenblock und ist dann erst in die Textgestaltung gegangen, die aber fest war. Heute wird permanent noch an diesen Texten rumgeschoben, es kann permanent korrigiert werden, was zum Teil auch zu einer kreativeren Schreibweise geführt hat."

    Das gemeinschaftliche Arbeiten an Texten in der Cloud wird, was den Stil und die Art zu schreiben angeht, vielleicht auch nochmal für Veränderungen sorgen.