| BR24

 
 

Bild

Polizei nahe einem der Tatorte in Christchurch, Neuseeland.
© Picture Alliance
© Picture Alliance

Polizei nahe einem der Tatorte in Christchurch, Neuseeland.

Neben Tiervideos und allen möglichen anderen Inhalten war nun auch der Live-Stream des Angriffs zu sehen. Zunächst auf Facebook, dann auf anderen Plattformen. Der Attentäter filmte seine Tat aus der Ich-Perspektive; es ist zu sehen, dass er einen Tarnanzug und Waffen mit Schriftzügen trägt.

Mittlerweile wurde das Video und das Profil des Hauptattentäters von Facebook gesperrt, auch sein Instagram-Profil wurde entfernt. Dennoch verbreitete sich das Video schnell weiter. Später wurden sein Account auf Twitter, über den weitere Links und Material vom Täter verbreitet wurden, und sein Youtube-Account, gesperrt. Trotzdem ist das Material schon im Netz, Kopien sind aufgetaucht und werden wohl weiter auftauchen. Die Polizei bittet die Öffentlichkeit, die Aufnahmen nicht weiter zu verbreiten.

Medien-Strategie der Attentäter?

Der Angreifer rät in dem Video auch dazu, den bekannten Youtube-Star "Pewdiepie" zu abonnieren. Das verwundert vielleicht zunächst, schafft ihm aber weitere Aufmerksamkeit. Der Youtuber "Pewdiepie" reagiert auf die Nachrichten seiner Erwähnung mit einem Tweet, um sich zu distanzieren:

"Just heard news of the devastating reports from New Zealand Christchurch. I feel absolutely sickened having my name uttered by this person. My heart and thoughts go out to the victims, families and everyone affected by this tragedy." - Pewdiepie

Die Strategie der Täter zur effektiven Verbreitung ihrer Taten und ihres Narrativs scheint aufzugehen. Was also tun? Der britische Innenminister Sajid Javid fordert nach dem Anschlag Internetkonzerne wie Youtube, Google, Facebook und Twitter auf, mehr gegen extremistische Inhalte auf ihren Plattformen zu tun. An ihre Adresse gerichtet sagt er: "Übernehmt eine Teilverantwortung, genug ist genug."

Live-Streams von Gewalt und Horror

Ob die Verbreitung solcher Taten und Darstellungen über Social-Media aber effektiv unterbunden werden kann, ist fraglich. Denn es ist nicht das erste Mal, dass gewaltsame Szenen per Videostreaming an die Öffentlichkeit geraten. Bereits 2016 beging eine junge Frau Suizid und streamte ihren Selbstmord live mit Hilfe der App Periscope.

Auch Morde und Vergewaltigungen finden immer wieder ihren Weg als Live-Bilder in die Netzwerke. Bekannt ist der Fall von Diamond Castile, einem schwarzen US-Amerikaner, der von einem Polizisten erschossen wurde. Seine Freundin begann unmittelbar nach den tödlichen Schüssen, die Ereignisse per Facebook-Live zu streamen. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg äußerte sich damals zum Tod des jungen Mannes:

Verstörende Live-Videos können die Nutzer melden, zudem werden Live-Videos, die in kurzer Zeit besonders populär werden, von Facebook Content-Moderatoren beobachtet und gegebenenfalls gelöscht. Und: Facebook arbeitet an Technologien, um mit Hilfe von künstlicher Intelligenz suizidgefährdete Personen ausfindig zu machen.