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WhatsApp-Logo
© picture alliance / AA

Autoren

Gregor Schmalzried
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Die Nachrichten können alles mögliche enthalten. Sie können darauf hinweisen, dass WhatsApp ab dem nächsten Jahr kostenpflichtig wird. Sie können zu fragwürdigen politischen Statements aufrufen. Oder sie können dem Empfänger einen gehörigen Schreck einjagen.

Zwei Dinge treffen aber auf alle Kettenbriefe zu: Zum Einen scheint das, was sie mitzuteilen haben, entsetzlich wichtig zu sein und jede Empfängerin direkt zu betreffen. Und zum Zweiten verlangt die Nachricht, ob direkt oder indirekt, an andere Nutzer weitergeschickt zu werden. Was also hat es mit solchen Botschaften auf sich?

Was ist ein Kettenbrief?

Auch wenn Kettenbriefe heutzutage vor allem über WhatsApp, seltener auch über Facebook oder per SMS verschickt werden, ist das Konzept natürlich schon deutlich älter. Die ersten Kettenbriefen waren noch echte Briefe, die den Leser aufforderten, kopiert und weitergeschickt zu werden. So gesehen wird also keine Kette gebildet, sondern vielmehr eine Pyramide - jede Person soll die Nachricht vervielfältigen.

Mit dem Aufstieg der Email wurde die Umsetzung des Konzeptes deutlich einfacher. Plötzlich kursierten Nachrichten, in denen es hieß, dass Bill Gates jedem Weitersender Geld schenken würde, oder - etwas esoterischer - dass die Email jedem Glück bringen würde, der sie weiterleitet. Vor allem als das Internet für viele noch neu war, machten die Nachrichten sich diese neue - nicht für alle verständliche - Technologie zunutze.

Niemand kann wissen, ob ein Kettenbrief weitergegeben wurde

Heute werden wieder eine Menge Kettenbriefe verschickt - vor allem über WhatsApp. Vielen Nutzern ist nicht klar, wie die App, die sie verwenden, funktioniert - und dass die Kommunikation verschlüsselt wird, sodass unmöglich irgendjemand nachprüfen könnte, ob die Nachricht tatsächlich weitergeschickt wurde.

Kettenbriefe: Eine Kategorisierung

Im Wesentlichen fallen die meisten Kettenbriefe in eine von drei Kategorien.

Horror-Kettenbriefe spielen sich als urbane Legenden auf und erzählen von Geistermädchen oder anderen Spukgeschichten. Für sich genommen ist eine solche Nachricht erst einmal nicht gefährlicher als ein unheimlicher Horrorfilm und kann sogar Spaß machen - wenn man weiß, womit man es zu tun hat. Junge Kinder haben aber oft Probleme, Realität von Fiktion zu unterscheiden. Zuletzt hat etwa das virale Krähenmädchen Momo auf vielen Telefonen für angebliche Flüche gesorgt.

Betrügerische Kettenbriefe enthalten in der Regel einen Link, den die Empfängerin aufrufen soll. Oft verspricht die Nachricht Geld, ein neues Smartphone oder sie kündigt an, dass WhatsApp bald kostenpflichtig wird. Der Link führt dann in der Regel auf eine gefährliche Seite, die, obwohl sie zunächst harmlos aussiegt, die persönlichen Daten des Nutzers abgreift.

Propaganda-Kettenbriefe wollen eine Nachricht verbreiten. Diese kann politischer Natur sein, eine religiöse oder esoterische Botschaft enthalten oder sich sogar als eine Werbekampagne entpuppen. Wer es geschickt anstellt, kann mit einem geschickt formulierten Kettenbrief erreichen, dass Tausende Menschen die eigene Botschaft teilen - ohne, dass diese genau wissen, worum es dabei eigentlich geht.

Was bezweckt ein Kettenbrief?

Genau das ist die Frage, die sich jeder stellen sollte, der eine solche Nachricht erhält: Wer würde davon profitieren, dass ich diese Nachricht weiterschicke? Hinter vielen Kettenbriefen steckt ein konkretes Ziel, nämlich etwa an Daten zu kommen oder Propaganda für einen bestimmten Zweck zu machen.

Bei vielen Kettenbriefen scheint ein solches Ziel aber gar nicht vorhanden zu sein. Wer sollte denn etwas davon haben, zum Beispiel wahllos Menschen zu erschrecken, indem er ihnen gruselige Geschichten zuspielt? Hier gibt es nicht immer eine eindeutige Antwort. Oft fungieren Kettenbriefe wohl als eine Art Experiment: Schafft der Autor es, eine Nachricht so weit in die Welt zu tragen, dass sie irgendwann wieder zu ihm zurückkehrt?

Viele Nachrichten sind aber eher ein Äquivalent zu alten Lagerfeuergeschichten oder "Urban Legends". Es gibt nicht den einen Schöpfer, sondern die Geschichten werden immer weitergegeben, bis sich womöglich ihr Inhalt komplett verändert hat. Eine gruselige Geschichte erzählen kann schließlich Spaß machen - und die Anonymität des Internets bietet hier einen besonderen Reiz - man weiß schließlich nie, wo die Botschaft landet.

Soll ich einen Kettenbrief weiterschicken?

In der Regel: Nein. Geister gibt es nicht, WhatsApp würde seinen Nutzern neue Funktionen oder Preispolitik selbst mitteilen und politische oder soziale Aktionen lassen sich viel besser in anderen Apps als WhatsApp diskutieren und organisieren.