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Die Netz-Insel der Domscheit-Bergs | BR24

© picture alliance / SULUPRESS.DE

Daniel und Anke Domscheit-Berg.

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    Die Netz-Insel der Domscheit-Bergs

    Die Netzexperten Anke und Daniel Domscheit-Berg haben in ihrem Keller ein Rechenzentrum eingerichtet. Sie wollen beweisen, dass sie eine digitale Infrastruktur aufbauen können, die gemeinwohlorientiert ist - ganz ohne die großen Internetmonopole.

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    Das Haus von Anke und Daniel Domscheit-Berg hat, anders als fast alle deutschen Haushalte, ein eigenes Rechenzentrum im Keller. Der Raum ist ungefähr 30 Quadratmeter groß, sechs Schränke stehen da noch relativ leer herum. Ein Schrank ist für die betriebliche Infrastruktur vorgesehen, ein anderer ist eine Art Spielwiese für die Region. In einer Cloud sind Projekte von Menschen aus der Kleinstadt in Brandenburg gespeichert, in der die Domscheit-Bergs leben. Also zum Beispiel Mailserver und Homepages oder Schulprojekte. Das Projekt steht noch am Anfang.

    "Es ist die Idee, einen Ort zu haben, an dem wir über sehr viel Bandbreite verfügen und über Serverkapazitäten, mit denen wir selbst ganz anders in der Lage sind, Projekte vor Ort zu machen, Ideen umzusetzen, unabhängig zu sein, indem wir Infrastruktur bereit stellen." Daniel Domscheit-Berg

    Unabhängigkeit von Microsoft, Amazon & Co.

    Das macht sie unabhängig von großen Rechenzentren, wo sonst Daten gespeichert werden. Die Domscheit-Bergs verfolgen einen dezentralen Ansatz. Das Ehepaar wird noch immer stark mit den Themen Überwachung, Datenschutz, Privatsphäre identifiziert.

    Anke Domscheit-Berg ist Netzaktivistin und zog 2017 als parteilose Kandidatin für die Linken in den Bundestag ein. Sie ist deren netzpolitische Expertin und u.a. Mitglied in der Enquete-Kommission "Künstliche Intelligenz". Ihr Mann Daniel Domscheit-Berg wurde als früherer Wikileaks-Sprecher bekannt, hat sich aber schon vor Jahren von dessen Gründer Julian Assange losgesagt. Er engagiert sich für ein gemeinwohlorientiertes Netz.

    Keine Apps aus dem Google- oder Apple-Store

    Beide gehen sehr unterschiedlich mit ihrer digitalen Infrastruktur um. Während er jahrelang nicht einmal ein Handy hatte - und jetzt eines mit weniger als zwei Dutzend Apps -, ist Anke Domscheit-Berg intensiv auf sozialen Netzwerken unterwegs. Auch wenn sie weiß, dass die es mit der Privatsphäre nicht so streng nehmen.

    "Ich kann als Politikerin, die erreichbar sein will für möglichst viele Menschen, Räume nicht aussperren, in denen sich 30 Millionen oder noch mehr der Einwohner Deutschlands befinden, sich unterhalten und auch versuchen, einen zu kontaktieren." Anke Domscheit-Berg

    Wie verändert die Digitalisierung die Gesellschaft?

    Das Thema Datenschutz ist nur eines ihrer Themen. Das wesentlich größere ist die Frage, wie sich die Gesellschaft durch die Digitalisierung verändern wird. "Was mir eigentlich am meisten Angst macht, ist, dass wir in der Regel, gerade auch im politischen Raum, viel über Fragen von gestern reden, dass wir da so hinterherhinken, anstatt ein paar dieser großen, philosophischen und ganz grundlegenden Fragen anzugehen, die mit der Realität von übermorgen zu tun haben", so Daniel Domscheit-Berg.

    Die Realität von übermorgen, damit meinen die Domscheit-Bergs etwa, ob es ein bedingungsloses Grundeinkommen braucht. Denn die Digitalisierung werde schon bald das Ende der Vollzeitbeschäftigung herbeiführen. Oder aber, wie das Internet Gemeinwohl-orientiert organisiert werden könnte. Wie man es den großen Monopolen wie Amazon, Google und Facebook entreißen könnte. Es ist, wenn man so möchte, die wahre Angst der Domscheit-Bergs, auf diese großen, gesamtgesellschaftlichen Fragen keine Antworten geben zu können.

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