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Die Gesichtserkennungs-Technologie in der Corona-Falle | BR24

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Überwachung, Identifizierung, Kontrolle: Die Technologie der automatisierten Gesichtserkennung sollte viele Bereiche revolutionieren. Doch dann kam Corona und mit der Pandemie kam der Mund-Nasen-Schutz. Für die Branche ist das ein echtes Problem.

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Die Gesichtserkennungs-Technologie in der Corona-Falle

Überwachung, Identifizierung, Kontrolle: Die Technologie der automatisierten Gesichtserkennung sollte viele Bereiche revolutionieren. Doch dann kam Corona und mit der Pandemie kam der Mund-Nasen-Schutz. Für die Branche ist das ein echtes Problem.

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Es war einer der ganz großen Technologie-Skandale dieses Jahres: Im Januar kam heraus, dass die Firma Clearview AI eine Datenbank von drei Millionen Gesichtern aufgebaut hatte, welche sich das Unternehmen illegal aus dem Internet zusammengeklaubt hatte. Was folgte, war eine öffentliche Debatte über die Missbrauchsmöglichkeiten der Gesichtserkennungstechnologie.

Schon vorher hatte das Thema immer wieder Bürgerrechtler, Netzaktivisten oder auch Künstler beschäftigt. Immer wieder gab es kreative Ansätze, die Gesichtserkennung auszutricksen, etwa mit Hilfe von gewagten Frisuren, mit speziellen Schmink-Tipps oder mit Masken aus dem 3D-Drucker.

An Corona verzweifeln die Algorithmen

Im Corona-Jahr 2020 sind Masken kein schickes Anti-Überwachungsaccessoire mehr, sondern allgegenwärtig. Der Effekt ist aber der gleiche: Ein Teil des Gesichts ist bedeckt und so können die Gesichtserkennungssysteme ihre Arbeit nicht verrichten, wie das National Institute for Standards and Technology in Tests herausgefunden hat. Untersucht wurden hierbei allerdings keine Überwachungssysteme, sondern Systeme zur Authentifizierung, wie sie etwa verwendet werden, um den Zugang zu gesperrten Bereichen zu regulieren. Ein Beispiel: Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio war geplant, automatisierte Gesichtserkennung einzusetzen, etwa um Journalisten, Helfer oder Athleten zu verifizieren.

Auch das iPhone kann nicht entsperrt werden

Vor ähnlichen Problemen stehen Smartphone-Entwickler: Denn die Geräte kann man mit Mund-Nasenschutz nicht mehr per Gesichtserkennung entsperren. Es wäre zwar durchaus denkbar, dass die Algorithmen auf einen Teil des Gesichts trainiert werden, der nicht von der Maske bedeckt wird, doch dann würde die Sicherheit leiden, weil weniger Merkmale zur Bestimmung der jeweiligen Identität herangezogen werden können.

Bürgerrechtler und Netzaktivisten dürften aufatmen

Und so trifft Corona nicht nur Gastronomen, Künstler, Fitnessstudiobetreiber und Kinobesitzer, sondern auch die Gesichtserkennungs-Branche, der Fachleute eigentlich für die kommenden Jahre eigentlich ein kräftiges Wachstum vorausgesagt hatten. Freuen dürften sich hingegen vor allem Bürgerrechtler und Netzaktivisten, die der automatisierten Gesichtserkennung seit jeher kritisch gegenüberstehe. Vor allem natürlich dann, wenn sie zur Überwachung eingesetzt wird. Zu unsicher sei diese Technologie, zu fehleranfällig und vor allem: zu 1984.

Im Januar, als der Skandal um Clearview AI die Öffentlichkeit schockte, da hatte sich schon angebahnt, dass 2020 noch ein echtes Krisenjahr für die Gesichtserkennungstechnologie werden könnte. Jetzt hat sich das bewahrheitet: Allerdings ist das Problem nicht der fehlende Datenschutz. Es sind die fehlenden Gesichter.

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