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Die digitale Glücksformel für unser Zuhause von morgen | BR24

© Samsung Electronics, Websummit Lissabon 2019

Zukunftsvision Badezimmer - Made bei Samsung

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    Die digitale Glücksformel für unser Zuhause von morgen

    Noch ist daheim alles beim Alten und der Thermomix für viele die größte Revolution seit der Mikrowelle. Dabei ist im digitalen Markt nichts so begehrt wie mehr Nähe zu uns und unserem Zuhause. Glücksversprechen vom Web Summit in Lissabon.

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    Badezimmer 2019? Tote Fläche. Die Wanne spricht nicht, das Klo analysiert nicht, und der Spiegel rechnet nicht. Wie ist der Kreislauf? Was war da morgens um drei eigentlich für ein Lärm? Sind die Zähne gut geputzt? 2025 ist alles kein Problem mehr. Spiegel, Datenbadematte, Datenklo, Morgengesicht, Zahnbürste, kalte Füße: Alles vernetzt im Badezimmer, wie es David Eun vorschwebt.

    Der Innovationschef von Samsung Electronics rechnet damit, dass die Badezimmermatte selbstverständlich den Puls checkt, auf Wunsch auch Temperatur und Gewicht. Das Klo meldet: "Heute besser Brokkoli mit Dinkelspirali." Und die Schlafkurve im Spiegel spielt das Katzengerangel von drei Uhr früh ein. "The boundaries of the inside and the outside world come together" - die Grenzen von Innen- und Außenwelt werden verschwimmen. Und laut Eun ist das ganz wunderbar. Denn: Das, was ein Zuhause ausmacht, das sind laut Eun die Erfahrungen der Menschen, die darin leben: Bilder, Gefühle, Gerüche, Erlebnisse. Und was kann schlecht daran sein, wenn es bald mehr davon gibt?

    © David EUN, Samsung Electronic, Websummit Lissabon

    Digitales erobert den Raum

    Zuhause 2025 = mehr digitale Erfahrungsflächen = mehr Glück

    Es wird sogar sehr viel mehr Daten geben. 5G übertrage sie schließlich zehnmal, ja sogar hundertmal schneller als 4G, rechnet Eun vor.

    David Eun spricht in Lissabon nicht ganz uneigennützig über die Freuden der entfesselten Digitalisierung. Denn Menschen, so hofft der Samsung-Innovationschef, werden bald mehr Geld in Erfahrungen als in ein Handy stecken. Seine Gleichung - für die er auch keine Animation mehr braucht sondern nur Großbuchstaben: EXPERIENCES = HAPPINESS. Mehr Daten, mehr Chancen. Mehr Glück. War da nicht was?

    Die Samsung-Visionen folgen auf eine Rede von Whistleblower Edward Snowden, der tags zuvor Regierungen und Techkonzerne scharf für ihre Sammelwut kritisiert hatte. Auf dem Lissaboner Webgipfel ist das kein Widerspruch: Dystopien und Utopien werden gleichermaßen beklatscht von den meist jungen Messebesuchern.

    Erst bringt Ikea-Digital-Chefin Barbara Martin Coppola Klimawandel und kleinere Wohnungen auf die Formel: "We have to act now". Dann kickt Ronaldinho einen handsignierten Ball von der Bühne. Der Websummit hat sich aus einer Startup-Konferenz entwickelt, Gründergeist verträgt sich nicht mit zu viel Pessimismus. Die Mischung lockt immer mehr Besucher an.

    70.000 Messebesucher - und jeder kennt jeden

    2019 laufen mehr als 70.000 Menschen über das ehemalige Expo-Gelände in Lissabons Hauptstadt. "Die kenn ich doch?" "War das nicht...?" Noch muss das Gehirn verarbeiten, was es alles nicht weiß und wen es alles nicht kennt. Das kann frustrieren.

    Anders 2050. In der "Deep Tech"-Halle diskutiert eine Runde über die Welt in gut 30 Jahren. Mit am Tisch ist Marc Mengler. Er ist Geschäftsführer und Mitbegründer von understand.ai mit Sitz in Karlsruhe. Dort arbeitet man an Datenpaketen und Algorithmen, die autonomes Fahren verbessern sollen. Auch Mengler denkt mit Blick auf die digitale Zukunft spontan eher an Good Vibrations - auch bei Messe-Besuchern.

    "Wer was das gleich wieder? Du erinnerst dich nicht an den Namen? Mit einer intelligenten Kontaktlinse ist das kein Problem mehr. Mit wem soll ich sprechen? Wer ist interessant? 2050 werden wir im Grunde alle Informationen mit unserer Retina analysieren können." Marc Mengler, understand.ai
    © Gudrun Riedl / BR24

    Messe-Massen neugierig auf 2050 - Besucher-Andrang in Lissabons "Deep Tech" Halle

    Befreit von digitalen Geräten - aber in einer vernetzten Umgebung

    Überhaupt werde sich die neue Datenfreiheit auch freier anfühlen. In Zukunft werden wir laut Mengler nicht mehr an unsere digitalen Geräte gebunden sein. Wann und wo immer wir einen neuen Raum betreten, werde dort schon ein Computer auf unsere Daten warten - mit unseren alten Daten. Sogar das Klo einer Raststätte, prophezeit Mengler, könne eine Datenautobahn zu unserem Hausarzt daheim eröffnen.

    "Der Arzt wird im Prinzip in jeder Toilette sein, auch hunderte Kilometer weit weg, und er kann dreimal am Tag unsere Daten analysieren. Auf Proteine, Krebszellen, was immer - wenn wir das wollen." Marc Mengler

    "Wenn wir das wollen" - keine Vision wird in Lissabon ohne diese verbale Datenfußnote formuliert. Wenn wir das wollen: Sind wir bald fahrerlos, topinformiert und durchgecheckt unterwegs. Datenströme gegen Dauergrübeln: Wenn wir das wollen. Wenn wir das wollen, wird uns sogar langweilig vor lauter digital-erledigter Probleme.

    Auch unterwegs immer zu Hause

    Aber auch das Problem erledigt sich. Auf der Lissabonner Bühne mit dem Auto spricht Tim Smith von der Londoner Softwareschmiede Ustwo zum Thema "Let's play. Gaming in the auto industry". Er malt aus, was das Auto alles kann, wenn Polster Konsolen und Scheiben Displays sind. Kinder zoomen dann beispielsweise am Fenster eine vorbeiziehende Schafherde heran, in dem sie einfache Wischbewegungen machen. Papa hat die Hände nicht mehr am Steuer, sondern an der Lehnen-Spielkonsole. Und wird doch, wenn er das will, umgehend alarmiert, wenn sich zu Hause was Spannendes tut.

    
David Eun hatte das vorgeführt in seiner Folie zum leeren Wohnzimmer im Jahr 2025. Diesmal ist alles weiß, nur der Staub-Roboter am Boden ist blau (=verpixelt) und sendet. Keine Staub-Pegel, sondern noch wichtigere Infos. Ist der Teenager am Kühlschrank oder ein Einbrecher? Schläft die Katze? Wie hat die Heizung auf den Temperatursturz reagiert? Was macht der Kühlschrank, oder wie Eun ihn nennt: der "Food-DJ"? Aber das muss man 2025 nicht mehr den Saugroboter fragen, das sagt einem der Kühlschrank sicher schon selber.

    © Websummit / David Eun / Samsung

    Samsung Innovationschef David Eun visualisiert einen Saugroboter, der Daten saugt