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Jaron Lanier
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Florian Regensburger
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Jaron Lanier

Die IT-Messe Cebit in Hannover stellt sich neu auf. Relaunch nennt man das wohl auf neudeutsch. Deshalb haben die Veranstalter den Termin vom März in den Juni verschoben, deshalb spielen auf einer Musikbühne der Rapper Jan Delay und die schwedischen Rocker Mando Diao, deshalb gibt es ein Riesenrad, eine künstliche Surfwelle und Keynotes mit spannenden Vorträgen, die an das erfolgreiche Ideenformat TedX erinnern.

Lanier will "weg vom werbefinanzierten Internet"

Die erste dieser Keynotes hielt am Montag der Virtual-Reality Pionier und Social-Media-Kritiker Jaron Lanier. Lanier hat ein Buch geschrieben, in dem er die Leser dazu auffordert ihre Social Media Accounts zu löschen. Diese seien mit ihrer personalisierten Werbung eher als groß angelegte Experimente zur Verhaltensänderung zu sehen, die die Menschen unausstehlich machten - eine zumindest in der Tech-Branche kontroverse These. Lanier empfiehlt eine Abkehr von der Werbefinanzierung und will stattdessen ein Abomodell für die Netzwerke ähnlich wie bei Netflix.

Generalüberholtes Konzept

Gründe für die Generalüberholung der altehrwürdigen IT-Messe Cebit gibt es viele. Mit Sicherheit nicht ganz unschuldig sind gesunkene Besucherzahlen und wegbleibende Aussteller. Im vergangenen Jahr hatte etwa Microsoft entschieden, den Termin in Hannover auszulassen, genauso wie die deutsche Telekom. Das ist aus Sicht der Unternehmen durchaus nachvollziehbar. Produkte lassen sich auch übers Internet präsentieren – und wer etwas für sein Image tun will, der macht das lieber auf hippen Veranstaltungen wie zum Beispiel der SXSW in Austin, Texas.

Vorbild SXSW

Austin ist ein gutes Stichwort, denn auf der US-Konferenz für Digitales scheinen die Macher der neuen Cebit viele Denkanstöße mitgenommen zu haben. In Austin sind Lifestyle, Kultur und digitale Innovation seit jeher verknüpft. Direkt im Anschluss zur Tech-Messe wird die SXSW zur musikalischen Trendschau, ein Konzept das aufgeht und die digitalen Rockstars wie Mark Zuckerberg genauso nach Austin brachte wie die herkömmlichen Rockstars wie die Foo Fighters, Kanye West oder Lady Gaga.

2.800 Aussteller aus 70 Ländern

Ganz so weit und ganz so hip ist die Cebit noch nicht, doch zumindest geht es mal in die richtige Richtung, findet Cebit-Chef Oliver Frese, "Wenn man nicht mutig ist und keine Risiken eingeht, dann kann man auch keine erfolgreiche Veranstaltung wie eine neue Cebit auf die Beine stellen." Er ist zuversichtlich, dass das neue Konzept Erfolg haben wird.

Rund 2.800 Aussteller aus 70 Ländern haben sich in diesem Jahr angekündigt, darunter Facebook, Intel, Volkswagen und Red Bull.

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Florian Regensburger

Sendung

B5 Wirtschaft und Börse vom 11.06.2018 - 07:38 Uhr