BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Deutschland wartet: Diese Corona-Apps gibt es weltweit schon | BR24

© dpa/Bildfunk

Eine Chinesin nutzt eine der dortigen Anti-Corona-Anwendungen und scannt einen QR-Code, der wohl ihren Standort erfasst.

6
Per Mail sharen

    Deutschland wartet: Diese Corona-Apps gibt es weltweit schon

    Überlegungen gibt es schon länger, auf die Umsetzung warten wir noch: Eine Anti-Corona-App wird hierzulande noch einige Zeit auf sich warten lassen, so Minister Spahn. Andere Länder sind da weiter, gehen aber teils auch anders vor. Ein Überblick.

    6
    Per Mail sharen

    Es gibt rund 200 Staaten weltweit, viele von ihnen sind in verschiedener Intensität vom Coronavirus betroffen. Als eine Lösung gilt in digitalen Zeiten das Einführen einer App. Die Idee: Ein Smartphone hat fast jeder und ist darüber fast immer erreichbar – und Bewegungen sind in gewisser Weise nachvollziehbar.

    Von dieser Logik ausgehend haben einige Staaten und Firmen Apps entwickelt, die die Ausbreitung von Corona bekämpfen sollen. In Deutschland arbeitet die Bundesregierung an seinem solchen Programm. Es wird laut Gesundheitsminister noch einige Wochen dauern, bis eine App einsatzbereit ist. Als Funktionsweise ist sogenanntes "Tracing" über die Bluetooth-Technologie vorgesehen. Eine Technologie, die anderswo bereits im Einsatz ist.

    Corona-Apps weltweit (alphabetisch)

    Australien

    Name: CovidSafe

    Funktionsweise: Die App basiert auf der Bluetooth-Technologie, die viele wohl von Kopfhörern kennen. Über sie können sich Geräte miteinander verbinden. Sind sie mehr als ein paar Meter voneinander entfernt, bricht die Verbindung jedoch wieder ab.

    Das macht sich die australische App zunutze. Die australische App fußt auf der BlueTrace-Technologie aus Singapur. Der Stadtstaat gilt als weltweiter Vorreiter in Sachen Corona-App. Wie bei Bluetooth kommt es ja auch bei Corona auf wenige Meter Abstand an. Das Handy mit der Corona-Tracing-App verbindet sich über Bluetooth jeweils mit den Handys (mit der App) in seiner Nähe. Diese Kontakte zwischen den Geräten werden anonym auf dem Gerät gespeichert.

    So entsteht ein Logbuch, mit wem der Handybesitzer bis auf wenige Meter in Kontakt gekommen ist, das für 21 Tage gespeichert wird. Infiziert der Handybesitzer sich mit dem Coronavirus, können die Gesundheitsämter dieses Logbuch beim Infizierten anfragen und bei Freigabe eine Push-Nachricht an alle senden, die im Logbuch auftauchen und auch die App installiert haben. Sie wissen dann, dass sie in der Nähe eines Infizierten waren und können sich gegebenenfalls testen lassen und wiederum weitere warnen.

    Sicherheit: Die Nutzung ist freiwillig. Das Kontakt-Logbuch wird auf dem Handy gespeichert und nur bei einer Infektion, mit Zustimmung des Users, herausgegeben. Daten werden gelöscht, sobald der User aus der App-Nutzung aussteigt.

    Veröffentlicht: Ende April 2020

    China

    Funktionsweise: China hat keine eigene App herausgebracht, sondern neue Funktionalitäten in beliebte Apps wie AliPay oder WeChat (vergleichbar mit Paypal und WhatsApp in Deutschland) eingebaut. Auch sonst unterscheidet sich Chinas Lösung stark von den Vorgehen wie der Bluetooth-Lösung in Australien. Offenbar werden dort Identität und Standorte der Nutzer erfasst und direkt den Behörden übermittelt. User sollen in der App direkt sehen können, ob sie mit infizierten in Kontakt waren. Außerdem werden in den Apps offenbar Passierscheine erteilt. Nur wer eine grüne Flagge in der App hat, darf überall passieren. Die Farbe der In-App-Flagge basiert auf Gesundheitszustand und Reiseaktivitäten, die in der App neben anderen sensiblen Daten direkt abgefragt werden - etwa über das Scannen von QR-Codes an bestimmten Orten.

    Sicherheit: Über die Applikationen in China ist wenig Konkretes bekannt. Viele Erkenntnisse stammen aus Recherchen, etwa der „New York Times“. Insgesamt erscheint jedoch eine starke Überwachung der Bürger und ihrer Bewegungen damit möglich. In China ging die Überwachung der Bevölkerung allerdings auch vor Corona weit über das hinaus, was in freien Gesellschaften als hinnehmbar gilt.

    Veröffentlicht: Anfang März 2020

    Georgien

    Name: Stop Covid

    Funktionsweise: siehe Australien; allerdings werden laut den Entwicklern neben Bluetooth auch GPS-Daten genutzt. Konkret werden Kontakte innerhalb von zwei Metern aufzeichnet, die über 15 Minuten andauerten. Bei einer Infektion werden die erfassten Kontakte der letzten fünf Tage informiert.

    Sicherheit: Die Nutzung der App ist freiwillig. Die österreichischen Entwickler haben den Quellcode des Programms offengelegt. Diese Transparenz ist folglich recht groß.

    Veröffentlicht: Mitte April 2020

    Ghana

    Name: GH Covid-19 Tracker

    Funktionsweise: Die App erfasst Standortdaten und soll Behörden so helfen, herauszufinden, welche Menschen die gleichen Veranstaltungen, Orte und Länder aufgesucht haben und wohl auch helfen, die Quarantäne von Personen zu überwachen.

    Sicherheit: Die App ist freiwillig – und kaum auffindbar: großen App-Stores von Google und Apple haben die App bisher nicht in ihre Stores aufgenommen. Das spricht nicht für besondere Vertrauenswürdigkeit. Auch innerhalb des Landes scheint einige Skepsis vorhanden.

    Veröffentlicht: Mitte April 2020

    Indien

    Name: Aarogya Setu

    Funktionsweise: Hier nehmen nicht Handys Kontakt miteinander auf und speichern ein Kontaktlogbuch, sondern die App will Zugriff auf GPS und Bluetooth, um ein Bewegungsprofil des Users zu erhalten. Dieses Profil wird auf dem Handy des Nutzers gespeichert – solange er sich nicht mit Corona infiziert. Sobald er Corona-positiv ist, gibt er sein Profil an die Behörden und diese warnen dann alle, die laut dem Bewegungsprofil, das wiederum auf ihrem Handy gespeichert ist, in der Nähe des Infizierten waren. Daneben gibt es auch eine Bluetooth-Abgleichfunktion, die den oben beschriebenen Tracing-Apps aus Australien und Co. ähneln dürfte. Außerdem hat die App ein Selbsttest-Tool, das Corona-Symptome abfragt. In Verdachtsfällen gehen Daten aus der App an die Regierung.

    Sicherheit: Die App ist freiwillig. Das Bewegungsprofil bleibt zunächst nur auf dem Handy des Users. Allerdings wird ein solches Profil grundsätzlich aufgezeichnet, was Datenschützern nicht gefallen dürfte. Bewegungsprofile sind potentiell mächtige Instrumente für die Überwachung der Bürger. Auch die Gefahr, dass sie bei einem Hackerangriff in falsche Hände geraten, besteht. Zumal die Regierung offenbar Zugriff auf Daten erhält, sobald jemand laut dem App-eigenen Selbsttest Corona-Symptome zeigt.

    Veröffentlicht: Anfang April 2020

    Island

    Name: Rakning C-19

    Funktionsweise: Die isländische App funktioniert GPS-Daten. So wird ein Bewegungsprofil des Nutzers erstellt. Erkrankt er, bittet die Regierung ihn, sein Profil hochzuladen, um so die Bewegungen der letzten zwei Wochen nachzuvollziehen und „helfen“ zu können, mögliche Kontakte aufzuspüren. Island mit seinen nur 300.000 Einwohnern arbeitet aber ohnehin mit einem Team von Menschen, dass Kontakte von Corona-Infizierten nachvollzieht und diese persönlich informiert. Ihnen erleichtert die App die Arbeit.

    Sicherheit: Die Nutzung der App ist freiwillig, der Quellcode ist offen. Die App erstellt allerdings ein Bewegungsprofil. Dies wird zwar nur auf dem Handy gespeichert, Datenschützer dürfte dies jedoch dennoch nicht gefallen. Nach 14 Tagen werden die Bewegungsdaten laut dem Herausgeber wieder gelöscht.

    Veröffentlicht: Anfang April 2020

    Israel

    Name: HaMagen

    Funktionsweise: Die App vergleicht GPS-Daten der User und weist daraufhin, wenn man innerhalb der letzten 14 Tage in der Nähe eines Infizierten war. Allerdings ist diese App nur der freiwillige Teil der israelischen Digitalstrategie gegen Corona. So berichtet etwa die „Süddeutsche Zeitung“, dass auch der dortige Inlandsgeheimdienst besondere Befugnisse durch Corona erlangt hat. Er darf Handydaten von Infizierten auswerten, um Kontaktpersonen zu ermitteln. Dazu gehören GPS- und Bluetooth, aber auch andere Daten, etwa die Überwachung von Lichtsensoren des Handys. Die Überwachung durch den Geheimdienst wurde nach einigen Wochen jedoch Ende April durch das Oberste Gericht des Landes vorläufig gestoppt.

    Sicherheit: Datenschützer haben naturgemäß große Bedenken gegen das Vorgehen des Geheimdienstes. Gerade die Frage, ob der Geheimdienst die erhobenen Daten wirklich löschen werde, treibt einige um. Sie klagten und bekamen Recht vom Obersten Gericht Israels. Die HaMagen-App ist freiwillig. Allerdings erfasst auch sie statt Bluetooth-Kontakten GPS-Daten, kann also Bewegungsprofile erstellen, was Datenschützer ablehnen.

    Veröffentlicht: Ende März 2020

    Kolumbien

    Name: CoronApp

    Funktionsweise: In der kolumbianischen App soll der Nutzer stets aktuell etwaige Symptome oder sonstige Informationen über seine Gesundheit an- und seinen Standort freigeben. Diese Informationen werden mit den Behörden geteilt, sodass diese etwa Corona-Hotspots identifizieren können.

    Sicherheit: Die App ist freiwillig. Da sie jedoch persönliche Daten über die Gesundheit sowie Standortdaten sammelt, ist sie für Datenschützer sicherlich hochproblematisch. Hinzu kommen Medienberichte, die nahelegen, dass diese hochsensiblen Daten in der kolumbianischen App-Variante nicht gerade gut gesichert sind.

    Veröffentlicht: Mitte April 2020

    Nordmazedonien

    Name: StopKorona!

    Funktionsweise: siehe Australien etc., Kontakte der jeweils vergangenen 14 Tage werden mitgeschnitten.

    Sicherheit: Die App ist freiwillig. Bei der Anmeldung sind keine Daten außer der Handynummer nötig. Die über Bluetooth erfassten Kontaktdaten werden nur auf dem Handy gespeichert und erst bei einer Infektion wird die Nutzung der anonymisierten Kontaktdaten von den Behörden erfragt, um andere zu warnen.

    Veröffentlicht: Mitte April 2020

    Norwegen

    Name: Smittestop

    Funktionsweise: Die App enthält eine Benachrichtigungsfunktion, die der App aus Georgien ähnelt. Sie beruht also auf Bluetooth- sowie GPS-Daten. Doch die App dient nicht nur der Benachrichtigung potentieller Kontakte im Infektionsfall. Vielmehr erfasst die App anonymisiert auch das Bewegungsprofil des Nutzers und gibt diese anonymisiert an die Behörden weiter, die das nutzen wollen, um andere Anti-Corona-Maßnahmen zu evaluieren.

    Datenschutz: Die Nutzung der App ist freiwillig. Daten werden nach 30 Tagen gelöscht, der User kann jederzeit aussteigen. Allerdings wird über GPS ein Bewegungsprofil erstellt, wenn auch anonymisiert. Das dürfte Datenschützern nicht gefallen.

    Veröffentlicht: Ende April 2020

    Österreich

    Name: Stopp Corona

    Funktionsweise: siehe Australien; Kontakte werden erfasst, sobald mehr als 15 Minuten in unter zwei Metern Abstand verbracht werden. Gewarnt wird, wer in den 54 Stunden vor dem Bekanntwerden der Infektion mit einem Infizierten Kontakt hatte.

    Sicherheit: Der Sonderfall hier ist, dass nicht der Staat sondern, das Rote Kreuz Österreich der Herausgeber ist. Der Quellcode der App ist öffentlich. Die Daten sind laut dem Roten Kreuz auch für das Rote Kreuz selbst nicht zugänglich. Meldet sich jemand, der App installiert hat, als erkrankt, wird er nach seiner Handynummer gefragt, verifiziert und kann so andere warnen.

    Veröffentlicht: Mitte April 2020

    Singapur

    Name: TraceTogether

    Funktionsweise: siehe Australien; Hinweis: Australien nutzt die Technologie aus Singapur, nicht umgekehrt.

    Sicherheit: Der Quellcode der Software ist Open Source; die Technologie wird auch von Australien verwendet.

    Veröffentlicht: 20. März 2020

    Südkorea

    Funktionsweise: In Südkorea ist es vielmehr der Staat als eine App, der Kontakte zwischen Infizierten und anderen Menschen aufdeckt. Durch die hohe Dichte an Mobilfunkmasten, das Auswerten von digitalen Spuren wie bargeldlosem Bezahlen und eine Vielzahl an Überwachungskameras kann Südkorea Infektionsketten gut durch diese Überwachung nachvollziehen.

    Datenschutz: Es bleibt abzuwarten, wie verantwortungsvoll der Staat mit seinen Befugnissen und den Daten umgeht. Die Südkoreaner scheinen diese digitale Form der Überwachung beziehungsweise des Seuchenschutzes bisher mitzutragen.

    Tschechien

    Name: ERouska

    Funktionsweise: siehe Australien;

    Sicherheit: Die Nutzung der App ist freiwillig. Eine Telefonnummer ist bei der Anmeldung nötig. Es muss jedoch nicht die Nummer des Handys sein, auf die App installiert ist. Das Kontakt-Logbuch wird, wie bei anderen Bluetooth-Corona-Apps auf dem Handy gespeichert und nur im Falle einer Infektion mit erneuter Zustimmung des Infizierten an die Behörden gegeben, die dann wiederum die Kontakte informieren können. Die Kontakt-Daten werden für 30 Tage gespeichert.

    Veröffentlicht: Mitte April

    Weitere Apps

    Neben diesen Corona-Apps gibt es auch staatliche Apps, die sich nur an Infizierte richten. Sie sollen etwa helfen zu überwachen, ob der Betroffene die Quarantäne einhält. Solche Apps gibt es beispielsweise in Polen oder der Slowakei.

    In der Slowakei haben Infizierte eine anonymisierte App, die ihren Standort überwacht und anderen anzeigt, dass sie sich einem Infizierten nähern beziehungsweise überwachen, dass der Infizierte sich an die Quarantäne hält. Die App ist allerdings freiwillig.

    In Polen gibt es eine ähnliche App, die jedoch verpflichtend ist. Hier wird zudem nicht einfach der Standort über GPS erfasst, sondern der Nutzer in unregelmäßigen Abständen gebeten, ein Selfie zu schicken. Anhand dessen wir kontrolliert, ob er wirklich zu Hause ist.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!