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Deutsche Corona-App verzögert sich: Woran liegt das? | BR24

© picture alliance/Sven Simon

Corona-Apps sollen bei der Eindämmung der Pandemie helfen. Die deutsche Version lässt sich auf sich warten.

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    Deutsche Corona-App verzögert sich: Woran liegt das?

    Am Wochenende hat die Bundesregierung sich auf ein Vorgehen bei der deutschen Corona-App geeinigt. Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung machte Gesundheitsminister Spahn aber nicht. Andere Länder scheinen da weiter. Was steckt dahinter?

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    Spätestens seit im März in anderen Ländern erste Anti-Corona-Apps veröffentlicht wurden, wird auch in Deutschland darüber diskutiert. Die Idee: Die Bürger installieren eine App, die über Bluetooth jederzeit erfasst, welche anderen Handys mit der App in der Nähe sind. Dies wird anonym gespeichert. Infiziert sich ein App-User, lässt sich so herausfinden, mit wem er oder sie in Kontakt war.

    In einer Umfrage von BR24 Mitte April gaben 56 Prozent der Befragten an, dass sie eine Corona-App freiwillig nutzen würde. Allerdings ist in Deutschland - anders als in Österreich oder Australien - auch rund zwei Wochen später keine App in Sicht. Vielmehr einigte sich die Regierung erst am Wochenende auf ein konkretes Vorgehen, vor allem , was die dezentrale Speicherung der Daten betrifft.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach am Sonntag in den "Tagesthemen" von einer Veröffentlichung "in den nächsten Wochen". Ursprünglich hatte man einmal Mitte April anvisiert. Als Grund für die Verzögerung nannte Spahn Datenschutz und Sicherheit, die möglichst hohen Ansprüchen genügen sollen.

    Experte: "Ziemliche Mammutaufgabe"

    Doch dauert die Entwicklung einer solchen App wirklich länger, je sicherer sie werden soll? Diese Frage hat BR24 dem Chefredakteur des Computermagazins "Chip", Josef Reitberger, gestellt. Aus seiner Sicht sind Datenschutz und -sicherheit in diesem Fall tatsächlich keine Ausrede, sondern eine plausible Erklärung für eine längere Entwicklungszeit. Vor allem bei einer App, die solch sensible Daten wie den Gesundheitszustand und den Aufenthaltsort eines Menschen erfassen soll.

    Um diese Daten zu schützen, sei die nun beschlossene dezentrale Speicherung der Daten in verschiedenen Datenbanken ein Kompromiss. So kann niemand an einer Stelle auf alle diese sensiblen Daten gleichzeitig zugreifen. Allerdings müssen nun Abgleich und Schnittstellen zwischen diesen dezentralen Datenbanken definiert und programmiert werden. "Das ist nicht nur nicht trivial, das ist eine ziemliche Mammutaufgabe", so Reitberger.

    Sensible Daten besonders schützen

    Zwar gebe es schon seit Jahren Anwendungen, die auf anonymisierten Bewegungsdaten von Menschen beruhen, etwa die Echtzeit-Stau-Anzeigen bei Google. Allerdings werden in den bekannten Beispielen eben keine Gesundheitsdaten verwendet. "Man wird als Herzinfarkt-Risikopatient mit problematischem Puls auf dem Fitnesstracker nie automatisch per Google Maps den Weg zum nächsten Kardiologen gewiesen bekommen", erklärt der "Chip"-Chefredakteur.

    Dass die Corona-App diese hochsensiblen Daten, Standort und Gesundheit, vermischt, macht die Sache kompliziert und erfordert den oben genannten Aufwand. Zumindest in europäischen Gesellschaften, die dem Schutz personenbezogener Daten einen hohen Wert zuweisen.

    Auch deutsche Grundhaltung spielt eine Rolle

    Allerdings gibt es auch hier Unterschiede, die bei der Erklärung helfen, warum die Entwicklung einer Corona-App in Deutschland länger dauert: "Das in Deutschland wahrgenommene und auch gelebte Gebot der Datensparsamkeit ist natürlich ein Hemmnis für die Entwicklung einer solchen App beziehungsweise des Datenbank-Systems im Hintergrund", so Experte Reitberger.

    Die deutsche Einstellung unterscheide sich hier stark von fernöstlichen Staaten, aber eben auch von anderen europäischen Gesellschaften. So lebe man in Großbritannien seit Jahren damit, praktisch überall im öffentlichen Raum von Überwachungskameras erfasst zu werden. Dass der Wert, den Deutsche auf Datenschutz legen, auch die Entwicklung einer Corona-App verlängert, darüber kann man laut Josef Reitberger zumindest spekulieren.

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