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Der Roboter als rasender Reporter | BR24

© picture alliance / Klaus Ohlenschläger

Künstliche Intelligenz

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    Der Roboter als rasender Reporter

    Laut BBC sollen in wenigen Jahren schon 90 Prozent der Texte von Algorithmen verfasst werden. Bislang stehen viele Redaktionen den Roboter-Kollegen jedoch eher skeptisch gegenüber. Wo also ist der Einsatz von Roboter-Journalismus sinnvoll?

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    Der US-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum war entsetzt: 1966 entwickelte er ELIZA, ein Computerprogramm, das unter anderem das Gespräch mit einem Psychologen simulierte. Zu seinem Erstaunen schütteten Menschen gegenüber ELIZA ihr Herz aus und Psychologen sahen in ELIZA eine Chance, Psychotherapie in Zukunft automatisieren zu können – und so viel mehr Patienten gleichzeitig behandeln zu können. Aufgrund der unreflektierten Nutzung seines Programms sowie der euphorischen Erwartungshaltung an die Informatik allgemein wurde er zum engagierten Gesellschaftskritiker.

    💡 Was ist Künstliche Intelligenz?

    Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik, bei dem es darum geht, Entscheidungsstrukturen des Menschen nachzubilden. Künstliche Intelligenz kommt zum Beispiel bei Übersetzungen, bei Gesichtserkennung, aber auch in Computerspielen zum Einsatz.

    Heute allerdings ist die Technologie sehr viel weiter. Künstliche Intelligenz (KI) findet mittels maschinellen Lernens eigene Lösungen für Probleme. Künstliche Intelligenz komponiert heute Musik, erkennt Hautkrebs und verkündet in China schon mal die Nachrichten. Seit einiger Zeit schon produzieren KI-Algorithmen auch Texte, manchmal sind diese so gut, dass es schon unheimlich wird. Im Februar gab die Non-Profit-Forschungseinrichtung OpenAI bekannt, ein neues KI-Modell namens Gpt2 entwickelt zu haben, das eigene Texte schreiben könne. Das Ergebnis sei so gut gewesen, dass man sich entschieden habe, die Software nicht zu veröffentlichen. Die Sorge: In Zukunft könnten Künstliche Intelligenzen automatisiert Fake News und Spam Mails schreiben, die von denen menschlicher Autoren kaum noch unterschieden werden können.

    💡 Was ist maschinelles Lernen?

    Als maschinelles Lernen bezeichnet man einen Teilbereich der Künstlichen Intelligenz. Ein künstliches System lernt hier selbstständig immer besser zu werden und eine Aufgabe immer effizienter auszuführen.

    Im Journalismus hat sich Roboter-Journalismus unterdessen nur zum Teil durchgesetzt. Bisweilen werden Wetter, Sport oder Börsennachrichten automatisiert erstellt, vor allem Nachrichtenagenturen experimentieren mit Robo-Journalisten. Eine Studie der LMU stellt hierbei fest, dass Leser Roboter-Texte als besonders glaubwürdig einstuften, da diese besonders viele Zahlen enthielten. Das kann aber auch ein Problem sein, denn Roboter-Texte lesen sich oft gleich und eintönig, lassen Komplexität und Kreativität vermissen. Das wiederum sind Gründe, weshalb man ihnen in den Redaktionen bisweilen skeptisch gegenüber steht.

    Ein weiterer Grund: Auch Algorithmen machen Fehler und erliegen Missverständnissen. 2017 meldete etwa die Los Angeles Times ein Erdbeben, das eigentlich bereits im Jahr 1925 stattgefunden hatte. Der Grund: Die dortige Redaktion setzte einen Bot ein, der zu Erdbeben Berichte verfasst. In diesem Fall hatten die Wissenschaftler des California Institute of Technology historische Erdbeben-Daten aktualisiert und den Algorithmus mit fehlerhaften Angaben versorgt. Solche Fehler können beträchtliche Folgen nach sich ziehen, etwa in der Börsenberichterstattung.

    Kollege Algorithmus berichtet über Feinstaub

    Interessant ist der Einsatz von Robo-Journalismus vor allem dann, wenn die Datengrundlage ausreichend und in guter Qualität vorhanden ist und der KI eine große Textmenge zur Verfügung gestellt wird, an der sie trainieren kann. Sinnvoll ist der Einsatz vor allem auch dann, wenn es um klar strukturierte Texte geht, die laufend aktualisiert werden. Oft bieten sich hierbei Robo-Journalisten an, um hyperlokale Themen abzubilden. Die Stuttgarter Zeitung etwa lässt Algorithmen täglich etwa Texte zur Feinstaubbelastung in bestimmten Wohngebieten schreiben.

    Robotertexte für die Nische

    Hier zeigen sich die Stärken von Roboter-Journalisten: Sie können Texte produzieren zu Themen, die Kollegen aus Fleisch und Blut gar nicht abdecken können, weil sie zu speziell sind. Man bräuchte eine Armada an menschlichen Journalisten, um täglich dutzende Artikel zur Feinstaubbelastung in bestimmten Gebieten zu schreiben. Und so geht die BBC davon aus, dass 2022 etwa 90 Prozent aller Nachrichtentexte von Robotern verfasst werden, was aber nicht gleichzeitig heißt, dass wir zu 90 Prozent Texte von Robotern lesen werden. Automatisiert erstellte Texte werden vor allem in der Nische zu finden sein: Den Spielbericht zu einer unterklassigen Partie in einer kaum bekannten Sportart, den schreibt heute niemand. Morgen wird das möglicherweise der Roboter übernehmen. Anders als damals Joseph Weizenbaum muss man sich also vermutlich keine Sorgen machen, dass Journalisten in Zukunft ihre Arbeit einfach von Robotern machen lassen. Sie könnten aber Lücken schließen und das aufschreiben, worüber heute kaum noch jemand berichtet.

    BR24: "Mehr Mensch"

    Bei solchen Inhalten könnte es sein, dass Kollege KI irgendwann die Redaktionsarbeit unterstützt. Klar ist aber auch: Wir bei BR24 gehen den Weg zu "mehr Mensch". Wir wollen, dass unsere Autoren für unsere Leser Gesicht zeigen und ansprechbar sind. Sie finden deswegen zu allen unseren Autoren Profil-Bilder und Kontaktmöglichkeiten, sowie Informationen zu den jeweiligen Spezialgebieten. Wir werden unsere Nutzer transparent über neue Technologien im Redaktionseinsatz informieren und diese dazu einsetzen, Ihnen das bestmögliche Informationsangebot zu liefern. Deswegen beobachten wir aufmerksam die technologische Entwicklung und denken laufend über neue Anwendungen nach, die uns helfen, unser journalistisches Angebot weiter zu verbessern. Und: Selbstverständlich klären wir über Fehler auf, wenn diese passieren. Auch in Zukunft könne Sie sich also darauf verlassen, dass wir am Ende alle “nur” Menschen sind.