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Der Huawei-Streit teilt die Technik-Welt in zwei | BR24

© picture alliance/Morio Taga/Jiji Press Photo/dpa

Huawei-Telefone werden bald ohne Google-Produkte auskommen müssen

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Der Huawei-Streit teilt die Technik-Welt in zwei

Es könnte ein neuer kalter Krieg im Informationszeitalter werden: Google hat seine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern Huawei aufgekündigt, andere US-Firmen folgen. Die digitale Welt droht in eine des Westens und eine des Ostens zu zerfallen.

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Die große Nachricht, dass Google dem chinesischen Konzern Huawei die Android-Lizenz entzieht, beherrscht seit gestern die Technik-Welt. Am Tag danach scheint es, als wären beide Seiten um Schadensbegrenzung bemüht. Huawei versichert: Besitzer von Huawei- oder Honor-Smartphones werden weiterhin Sicherheits-Updates erhalten. Und das US-Handelsministerium hat angekündigt, Huawei eine 90-tägige Schonfrist einzuräumen - so lange darf das Unternehmen weiter Google-Updates auf Smartphones aufspielen.

Die Zukunft von Huawei ist unsicher

Doch was am Ende dieser 90 Tage passieren wird - und wie Huawei seine zahlreichen Telefone, die auch außerhalb von China im Umlauf sind, weiter versorgen will - das ist unsicher. Unsicherheit ist in jeder Hinsicht das Gebot der Stunde: Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat zu einer neuen, unberechenbaren Nachrichtenlage geführt und die technologische Welt ein Stück weit gespalten.

Natürlich ist gerade China schon seit Langem mit dafür verantwortlich, dass die Welt in Sachen Technologie und Internet nicht geeint ist. China betreibt in vielerlei Hinsicht sein eigenes Internet - dominiert von Apps wie Weibo und WeChat, von denen fast niemand in Europa und Amerika je gehört hat. Die westlichen Pendants wie Facebook, Google und WhatsApp sind hier in der Regel gesperrt.

Die Idee vom abgeschlossenen Internet scheint Schule zu machen - zumindest in autoritären Staaten: Erst vor ein paar Monaten hat Russland erste Schritte ergriffen, das landeseigene Internet stückweise vom Rest der Welt abzukoppeln.

USA und China im Streit: Europa mittendrin

Doch wenn es nach China geht, dann funktioniert die Trennung nur in eine Richtung: Denn Marken wie Xiaomi, Huawei und Honor drängen auf den internationalen Markt - auch auf den europäischen. Nun hat die US-Regierung dieser Ausbreitung scheinbar einen Riegel vorgeschoben - und das betrifft auch europäische Nutzer. Eine zweigeteilte Technik-Welt könnte auch europäische Firmen in Zukunft zwingen, sich zu entscheiden: Arbeitet man mit dem amerikanischen Markt zusammen oder mit dem chinesischen? Reuters berichtet, dass auch europäische Elektronik-Hersteller wie Infineon von der US-Politik eingeschränkt werden könnten.

Huawei hofft darauf, dass dies nicht geschieht. Im Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera sagte Huaweis Vize-Präsidentin Catherine Chen, sie glaube, Europa würde seine Entscheidungen weiter unabhängig treffen und verwies auf die Zusammenarbeit zwischen ihrem Konzern und europäischen Ländern, welche seit mehr als zehn Jahren andauert.

Bislang gibt es innerhalb der EU keine klare politische Strategie, wie mit der heiklen Situation umzugehen ist. Zuletzt wurden auch in Europa kritische Stimmen gegenüber Huawei laut, Ex-BND-Chef Gerhard Schindler warnte davor, in eine "strategische Abhängigkeit von China" zu geraten. Doch so weit wie die US-Regierung wollte bisher niemand gehen.

© BR

Vorerst wird es für Huawei-Geräte keine Android-Updates mehr geben. Google reagiert damit auf Druck der US-Regierung. Das könnte sich rächen, kommentiert USA-Korrespondent Marcus Schuler.