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Der Europapass der Band "Bilderbuch"
© Heiko Maas
© Heiko Maas

Der Europapass der Band "Bilderbuch"

"Ein Leben ohne Grenzen, eine Freedom zu verschenken, eine Freiheit, nicht zu denken." Hingenuschelt und ein wenig kryptisch ist der Refrain des Songs Europa 22 aus dem neuen Album "Vernissage My Heart". Wie so oft bei der österreichischen Band Bilderbuch. Die Message hinter dem virtuellen EU-Pass, den man sich passend zum Song auf der Homepage der Band erstellen kann, ist dafür umso eindeutiger: Werden wir Europäer!

Viele Promis haben schon die EU-Pässe

Prominente Persönlichkeiten haben ihre EU-Pässe schon gepostet. Der SPD Politiker Martin Schulz zum Beispiel. Er schreibt dazu auf Facebook: "Dafür, dass es diesen schönen Pass eines Tages wirklich geben wird kämpft die SPD seit 1925."

Der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann hat auch mitgemacht, die Autorin Sophie Passmann, der Rapper Dendemann oder Außenminister Heiko Maas.

Diskussion auf Twitter - platter EU-Song?

Eine Band, die die Sehnsucht nach Haltung bedient, ein Thema mit Relevanz besetzt und gleichzeitig noch ihren Song bewirbt! Da leuchten die Augen des Werbefachmanns. Und auf Twitter kommen die User ins Diskutieren:

Für manche ist der ganze Song, in dem Europa nur ein Ort persönlicher Freiheit ist, in dem man mit 120 kmH und ohne Grenzen über die Straßen brettern kann einfach zu platt:

Den Vorwurf zu platt zu sein, lässt Maurice Ernst, der Sänger von Bilderbuch nicht auf sich sitzen. Im Interview mit der Österreichischen Tageszeitung der Standard sagt er:

"Die Komplexität der europäischen Idee kann man nicht in einem Song beschreiben. Der wäre prätentiös, weil er genau ist. Oder er würde unangenehm werden, weil er erklärerisch ist. Freiheit und Hoffnung, darum geht es." Maurice Ernst von Bilderbuch.

Sind der Song Europa 22 und der EU-Pass jetzt also zu vereinfachend und platt oder genau deshalb gut, weil sie der EU ein bisschen Gefühl einhauchen? Sind sie nur gelungene PR Aktion oder wirklich etwas, was den bevorstehenden Wahlen Antrieb geben kann?

Der Pass wirft Fragen auf - Fragen über Europa

Fest steht, dass mit der Aktion Leute über eine Band reden, die sonst nicht über sie geredet hätten. Fest steht aber auch, dass dadurch drei Monate vor der Europawahl Menschen über Europa reden, die sonst wahrscheinlich nicht über Europa geredet hätten. Der virtuelle Pass wirft Fragen auf wie: Geht es in Europa nur um offene Grenzen und Freiheit? Für wen soll diese Freiheit gelten? Reicht ein EU-Pass oder braucht es gleich einen Weltbürger-Pass? Und wie ist das eigentlich mit dem Lobbyismus in Brüssel?

"Europa mehr geholfen" als geschadet

Die EU-Pass Aktion mag in die Powerpoint Folien der Werbefachmann-Ausbildung eingehen als perfekte Marketing Kampagne. Aber gleichzeitig ist sie eben auch mehr. Oder, wie ein User auf Twitter schreibt: "Eines muss man #Bilderbuch ja lassen: Mit dieser #PR-Aktion haben sie dem Ruf von #Europa mehr geholfen als so manches EU-#Bashing gebündelt hat schaden können."