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Der Chef hört mit: Wie Mitarbeiter ausgespäht werden | BR24

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Jeder Tastendruck am PC, jede Mail, jedes Telefongespräch kann vom Arbeitgeber überwacht werden. Das ist erlaubt, vorausgesetzt der Mitarbeiter weiß Bescheid. Doch die Systeme laden zu Missbrauch ein.

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Der Chef hört mit: Wie Mitarbeiter ausgespäht werden

Jeder Tastendruck am PC, jede Mail, jedes Telefongespräch kann vom Arbeitgeber überwacht werden. Das ist erlaubt, vorausgesetzt der Mitarbeiter weiß Bescheid. Doch die Systeme laden zu Missbrauch ein.

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Wie weit darf die Überwachung von Mitarbeitern gehen? Es gibt Firmen, die lassen ihren Mitarbeitern einen Chip implantieren, um sie zu kontrollieren - das ist kein Witz! So geschehen 2017 in den USA. Vieles, was bisher undenkbar erschien, passiert längst auch in Deutschland. Nicht allen Mitarbeitern ist das bewusst.

Privates Computerspiel am Dienst-PC

Der junge Programmierer war überrascht, als er plötzlich eine fristlose Kündigung in der Hand hielt. Sein Arbeitgeber warf ihm darin vor, an seinem Dienst-Computer nicht nur für die Firma, sondern auch für private Zwecke gearbeitet zu haben.

Tatsächlich hatte der Mitarbeiter einer Medienfirma ein privates Computerspiel programmiert. Aber woher wusste das sein Chef?

Spähsoftware überwacht jeden Tastendruck

Vor Gericht stellte sich heraus, der Arbeitgeber hatte heimlich einen Keylogger auf den Rechnern installiert, der jeden Tastaturanschlag der Mitarbeiter aufzeichnete.

"Außerdem hat das System alle 15 Sekunden Screenshots von den Bildschirmen gefertigt und abgespeichert." Jörg Hoffmann, Anwalt aus Bochum

Das Bundesarbeitsgericht erklärte die Kündigung für nichtig. Verdeckte Überwachung ist in Deutschland illegal. Erlaubt ist aber, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter überwachen. Allerdings müssen sie darüber korrekt informieren.

Heimliches Überwachen ist nicht legal

Für die Überwachung bedarf es auch keiner illegalen Spähsoftware, ganz normale Büroprogramme wie Office 365 reichen auch schon. Die Frage ist, was ein Unternehmen mit diesen Informationen macht.

"Man könnte sich vorstellen, dass ausgewertet wird, ist man nach dem Urlaub produktiver als vorher? Ist man montags motivierter als dienstags? Ist man nach der Krankheit wirklich wieder da oder angeschlagen?" Katharina Simbeck, Professorin für Wirtschaftsinformatik in Berlin

Betriebsrat aus der IT-Branche packt aus

Die digitale Leistungskontrolle ist in seinem Unternehmen gang und gäbe, bestätigt der Betriebsrat Fritz Mayer. Er heißt in Wirklichkeit anders, will aber anonym bleiben. Mayer arbeitet in einem amerikanischen IT-Konzern und nennt als Beispiel den Support. Dort könne genau erfasst werden, wie viele Telefonanfragen jeder Mitarbeiter am Tag bewältige und welche Daten er aufnimmt.

"Man kann natürlich das Leistungsverhalten der Mitarbeiter damit auswerten. Man kann sagen, der Huber hat zehn Anrufe am Tag getätigt. Der Müller hat nur zwei Anrufe getätigt." Fritz Mayer, Betriebsratsmitglied in einem IT-Konzern

Grundsätzlich gilt Datenschutz auch im Büro. Arbeitgeber müssen offen legen, welche Daten der Mitarbeiter sie erfassen - und was sie damit machen.

Verdächtig: Wenn der Chef zu viel weiß

In sogenannten Betriebsvereinbarungen handeln Betriebsräte mit der Geschäftsführung aus, dass die Firma bestimmte IT-Funktionen abschalten muss, wenn die Privatsphäre gefährdet ist.

Doch in der Praxis, meint Fritz Mayer, halten sich die Arbeitgeber nicht immer daran. Das merken Angestellte aber nur, wenn der Chef sie auf Informationen anspricht, die dieser eigentlich gar nicht haben dürfte.