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Die Debatte um Bitcoin ist schon lange auch eine politische

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    Der Bitcoin-Preis fällt, während Staaten um Regulierung streiten

    Die Türkei verbietet Bitcoin-Transaktionen, währenddessen scheint China einen Schritt auf Kryptowährungen zuzugehen. In welche Richtung bewegt sich Bitcoin? Ob der Wert in Zukunft fällt oder steigt, wird auch von Europa und den USA abhängen.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Nach Monaten des rasanten Aufstiegs geht es für Bitcoin wieder einmal nach unten. Ein wenig zumindest. Nach einem Höchststand von über 54.000 Euro am letzten Mittwoch hat der Bitcoin-Kurs seinen größten Absturz seit zwei Monaten zu verzeichnen: Aktuell steht er zwischen 46.000 und 47.000 Euro - eine Reduktion um fast 15 Prozent.

    Damit steht der Bitcoin-Wert allerdings immer noch weit über dem Wert vor einem Jahr. Anfang 2020 war ein Bitcoin noch für unter 10.000 Euro zu haben.

    Auch andere Kryptowährungen verloren massiv an Wert, darunter Dogecoin, das anfangs als satirisches Projekt gestartet war und nun einen Marktwert von mehreren Milliarden Dollar hat.

    Bitcoin hat politische Sprengkraft

    Der Preisabfall kommt zu einer Zeit, in der die Rolle von Bitcoin auch politisch immer schärfer diskutiert wird. Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum werden anders als klassische Fiat-Währungen nicht von Staaten ausgegeben, sondern basieren auf der dezentralen Technologie der Blockchain. Bei Fiat-Währungen handelt es sich dagegen um Geld, das von der Zentralbank eines Landes ausgegeben wird und als allgemein anerkanntes Zahlungsmittel gilt wie beispielsweise Euro oder Dollar.

    💡 Was ist die Blockchain?

    Eins der großen Trend-Themen in Tech- und Finanzwelt. Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, in der Informationen nicht nur auf einem Rechner, sondern tausendfach gespeichert werden. Die Technologie verspricht Sicherheit und eine Revolution des Internets - wird auch kritisch gesehen: Noch gibt es nämlich wenige nützliche Anwendungen der Blockchain, außerdem verbraucht sie im Moment sehr viel Energie und gilt deshalb als umweltschädlich.

    Manche Regierungen betrachten Bitcoin deshalb als Bedrohung für ihre zentralisierten Finanzsysteme. Vor allem in Staaten mit hoher Inflation, etwa in Venezuela und Nigeria, weichen Bürger immer öfter auf Bitcoin aus, um ihr Einkommen und Erspartes auf vermeintlich sichere Weise zu behalten.

    Türkei gegen Bitcoin, China nicht mehr

    Manche Staaten ergreifen deshalb nun Maßnahmen gegen Bitcoin. Nur kurz vor dem Bitcoin-Preiseinbruch hatte die türkische Zentralbank angekündigt, die Verwendung von Kryptowährungen zu verbieten. Damit wird versucht, den Wert der türkischen Lira vor einem weiteren Preisverfall zu schützen. Die Türkei folgt damit ähnlichen Maßnahmen, die vor Kurzem in Nigeria ergriffen wurden.

    Doch anderswo gibt es andere Töne: Chinas Zentralbank, die Bitcoin lange Zeit kritisch gesehen hatte, bezeichnet die Kryptowährung seit Montag als "Investment-Alternative".

    Was folgt für Bitcoin?

    In den Vereinigten Staaten und Europa fehlt noch eine klare Strategie in Sachen Kryptowährung. Viel von der zukünftigen Wertentwicklung könnte von kommenden Regulierungen abhängen, die von der Europäischen Union oder den USA erlassen werden. Joe Bidens Kabinett wird nachgesagt, sowohl positive als auch negative Auswirkungen von Bitcoin wahrzunehmen, weshalb ein komplettes Verbot als unwahrscheinlich gilt.

    Dennoch könnte sich die Debatte um Bitcoin in den nächsten Jahren auch zu einer gesellschaftlichen Debatte entwickeln. Grund dafür sind nicht nur die gigantischen Geldsummen, die jeden Tag über die Blockchain entstehen und verloren gehen - sondern auch der hohe Energieverbrauch. Forscher der Universität Cambridge errechneten Anfang 2021, dass der jährliche Energieverbrauch von Bitcoin höher ist als der der gesamten Niederlande.

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