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Wie sieht der digitale Tod in der Zukunft aus?

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    Death Tech: Wenn Digitalisierung den Blick auf den Tod verändert

    Auf der ganzen Welt arbeiten Unternehmen daran, mit digitaler Technologie todkranken Menschen oder ihren Angehörigen zu helfen. Die Hoffnungen sind groß, die Investitionen auch. Die Vision: Im digitalen Raum können wir alle unsterblich werden.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Was passiert mit uns, wenn das Leben zu Ende geht? Diese Frage ist nicht nur Ursprung von existentiellen philosophischen Fragen, sondern sitzt auch im Herzen eines neuen Wirtschafts-Trends, der in den letzten Jahren Fahrt aufnimmt: Death Tech - das digitalisierte Geschäft mit dem Tod.

    Digitale Plattformen und das Lebensende

    "Es ist tatsächlich immer der absolute Ice-Breaker auf jeder Party", sagt Evgeniya Polo vom Death Tech-Startup Emmora. "Oft haben die Leute schon was gehört und dann sagen sie: Ach, das bist du mit dem Tod. Und tatsächlich sage ich dann: Ja, wir machen Bestattungen, aber auf eine moderne, digitale und zeitgemäße Art und bieten einen digitalen Zugang zu all den Services, die alle von uns früher oder später mal brauchen werden."

    Startups wie Emmora werden immer beliebter: Unternehmen wie Everdays, Cake oder Farewill versuchen auf der ganzen Welt, Bestattungen, Bürokratie und individuelle Abschiede zu digitalisieren. Dazu gehören Dienste wie eine persönlich vom Sterbenden geplante Beerdigungszeremonie, aber auch ein Angebot, im Falle des eigenen Ablebens noch einen letzten Tweet abzusenden. Auch bei der Trauerarbeit können digitale Plattformen helfen.

    "Mir hat mal einer gesagt, das Thema Tod ist ein Evergreen", sagt Evgeniya Polo von Emmora. "Das klingt so ein bisschen paradox, aber am Ende des Tages ist es ja einfach so! Es gibt kaum ein Thema, welches wirklich jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten betrifft."

    Kann künstliche Intelligenz den Tod überwinden?

    Doch nicht alle Unternehmen wollen sich mit den bisherigen Vorstellungen des Ablebens zufrieden geben. Ins Feld der Death Tech-Unternehmen gehören auch Projekte wie das portugiesische Startup Eter9. Das will eine Art soziales Netzwerk für verstorbene Profile sein: Unsterbliche Avatare, deren menschliche Intelligenz mit dem Tod durch eine künstliche Intelligenz ersetzt wird.

    Im Diesseits tot, aber als digitale Kopie im Cyberspace unsterblich? Die Technologie, um das wahr werden zu lassen, könnte schon bald existieren. Schon jetzt existieren über Milliarden von Menschen gigantische Datenmengen in den Händen der großen Tech-Konzerne. Und niemand kann ewig leben. Einer Studie der Oxford University zufolge könnten auf Facebook in einem halben Jahrhundert mehr Profile zu toten Menschen gehören als zu lebenden.

    Was heute schön möglich ist

    Bereits jetzt zeigt Künstliche Intelligenz, was möglich ist: Etwa als Rapper Kanye West seiner Ehefrau Kim Kardashian letztes Jahr ein digital erzeugtes Video ihres verstorbenen Vaters schenkte. Dieser übermittelte eine Nachricht an seine Tochter via Hologramm, einer Mischung aus Deepfake-Technologie und künstliche Intelligenz. Noch ist diese Technologie ein Luxusprodukt. Aber viele Luxustechnologien landen früher oder später auf dem Massenmarkt.

    Noch ist kaum abzusehen, zu was für Innovationen die "Death Tech"-Entwicklung noch führen wird. Im Silicon Valley gilt der Tod das letzte überwindbare, noch nicht zu Ende monetarisierte Hindernis. Und wo Geld ist, da sind auch immer Ideen.

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