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Datenschützer alarmiert: Was macht FaceApp mit den User-Bildern? | BR24

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Viele Promis nutzen aktuell FaceApp und teilen Fotos von sich, auf denen sie um Jahre gealtert sind. Der Datenschutzbeauftrage der Bundesregierung Kelber warnt jetzt vor der Nutzung dieser App. In den USA soll sogar das FBI eingeschaltet werden.

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Datenschützer alarmiert: Was macht FaceApp mit den User-Bildern?

Viele Promis nutzen aktuell FaceApp und teilen Fotos von sich, auf denen sie um Jahre gealtert sind. Der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung Kelber warnt jetzt vor der Nutzung dieser App. In den USA soll sogar das FBI eingeschaltet werden.

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Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) warnt aktuell vor der Nutzung der populären FaceApp. Es gebe Befürchtungen, dass "wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten", sagte er dem SWR. Kelber empfindet vor allem die schwammigen Nutzungsbedingungen als besorgniserregend, wie auch die Tatsache, dass wenig darüber bekannt ist, wer hinter FaceApp steckt.

Der SPD-Politiker rief die zuständigen Datenschutzbehörden zu Nachforschungen auf. Wenn die Fragen zur Datennutzung nicht entsprechend dem europäischen Datenschutzrecht beantwortet würden, sei FaceApp "nicht legal."

FaceApp schon seit 2017 auf dem Markt

FaceApp ist nicht neu, die App wurde bereits 2017 für iOs und Android veröffentlicht. Bereits damals hatten sich kritische Stimmen zu Wort gemeldet – wegen des Datenschutzes und auch wegen eines Filters, der die Hautfarbe ändern sollte und der als rassistisch erachtet wurde. Nach heftigen Protesten wurde der Filter damals wieder entfernt.

Dass die Smartphone-Anwendung momentan viral geht, dürfte vor allem daran liegen, dass viele Prominente sie nutzen. So erreichen die manipulierten Bilder Millionen von Followern. FaceApp nutzt zur Bearbeitung der Bilder künstliche Intelligenz. Per Knopfdruck können User dann in Sekundenschnelle sehen, wie sie jünger oder älter aussehen würden oder eine männliche beziehungsweise weibliche Version von sich erstellen.

Datenschutz-Bedenken

Der Spaß wird einem allerdings schnell verdorben, wenn man einen genaueren Blick auf die Nutzungsbedingungen wirft: Die räumt den Machern der App umfangreiche Rechte ein. Unter anderem werden Fotos nicht lokal auf dem Handy bearbeitet, sondern an einen Server geschickt. Das wird aber nicht thematisiert, wenn man die App nutzt - dazu müssen die Nutzer erst genau in die AGB schauen.

Außerdem nimmt sich FaceApp das Recht, die hochgeladenen Fotos auch für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Auch eine Reihe von Daten werden von der App gesammelt, beispielsweise die IP-Adresse, der Browserverlauf oder welches Gerät man verwendet. Diese Daten dürfen auch an Werbepartner weitergegeben werden.

US-Demokrat bittet das FBI zu ermitteln

FaceApp wird nicht nur vom Bundesdatenschutzbeauftragen kritisiert: Zuvor hatte der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, die Bundespolizei FBI und die für Verbraucherschutz zuständige Federal Trade Commission (FTC) aufgefordert, sich FaceApp mal genauer anzuschauen. Auf Twitter hatte Schumer einen Brief veröffentlicht, in dem er seine Bedenken erläutert.

Darin schreibt der Demokrat, dass die App – die von der russischen Firma Wireless Lab betrieben wird – aufgrund ihres Umgangs mit persönlichen Daten ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen könnte. Er kritisiert, dass Nutzer dem Unternehmen umfangreichen Zugriff auf ihre persönlichen Fotos und Daten gewähren.

Auch die Tatsache, dass die Betreiberfirma in St. Petersburg sitzt, findet Schumer schwierig. Das werfe die Frage auf, schreibt er, ob Daten von US-Bürgern an Dritte oder ausländische Regierungen weitergegeben würden. Nachdem es im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf Vorwürfe gegeben hatte, dass Russland Versuche unternommen habe, den Wahlkampf zu beeinflussen, sind die Demokraten besorgt. So hat jetzt auch das Democratic National Committee (DNC) alle Kandidaten für den Präsidentschaftswahlkampf 2020 gebeten, auf die App zu verzichten.

FaceApp-Betreiber versucht, Bedenken auszuräumen

Auch der Forbes-Reporter Thomas Brewster rät davon ab, die App zu nutzen, obwohl der Chef von Wireless Lab, Yaroslav Goncharov, ihm einige Fragen dazu beantwortet hat. Goncharov versicherte dem Reporter unter anderem, dass die Daten nicht in Russland gespeichert werden, sondern auf Servern von Amazon oder Google; die meisten davon seien in den USA, einige auch in Singapur und Irland.

Auch bei Mashable hat Gonachrov inzwischen zu den Vorwürfen Stellung genommen. Die Fotos würden zwar in der Cloud gespeichert, sagt er. Allerdings würden die meisten Bilder 48 Stunden nach dem Upload wieder gelöscht. Zudem würden auf Wunsch auch die Daten der User von den Servern gelöscht, aktuell sei der Kundenservice allerdings etwas überlastet.