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Datenleck bei E-Scooter-Verleih: Hunderttausende User betroffen | BR24

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Erst waren es Leih-Fahrräder, jetzt sollen E-Scooter den Stadtverkehr verändern. Bald werden sie auch auf deutschen Straßen rollen. Recherchen des BR decken nun beim schwedischen Anbieter Voi eine Datenpanne auf: Es geht um hunderttausende Nutzer

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Datenleck bei E-Scooter-Verleih: Hunderttausende User betroffen

Erst waren es Leih-Fahrräder, jetzt sollen E-Scooter den Stadtverkehr verändern. Bald werden sie auch auf deutschen Straßen rollen. Recherchen des BR decken nun beim schwedischen Anbieter Voi eine Datenpanne auf: Es geht um hunderttausende Nutzer.

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Zahlreiche Anbieter stehen bereits in den Startlöchern. Schon in wenigen Monaten sollen elektrisch betriebene Tretroller, genannt E-Scooter, auch in Deutschland zu sehen sein. In anderen Ländern gibt es sie schon: Einmal per App anmelden, jederzeit mit dem Leihroller fahren.

Hundertausende Nutzerdaten im Netz

Recherchen der Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks zeigen nun: Einer der Anbieter hat die Daten seiner Kunden nur unzureichend geschützt. Dabei handelt es sich um das schwedische Start-up Voi, das in vier europäischen Ländern aktiv ist und derzeit nach Mitarbeitern in Deutschland sucht, unter anderem in München, Berlin und Hamburg.

Die Journalisten konnten Daten von 460.000 Nutzern einsehen: Namen, Mail-Adressen und auch Handynummern waren frei im Netz. Nur ein paar Klicks waren nötig, Sicherheitsvorkehrungen waren nicht vorhanden. Kreditkartendaten waren von dem Datenleck nicht betroffen. Wenige Stunden nach dem die Journalisten das Start-up Voi auf das Datenleck aufmerksam gemacht hatten, wurde die Sicherheitslücke geschlossen.

Datenleck "gravierender Vorfall"

Von einem "gravierenden Vorfall" spricht Stefan Brink, der Landesbeauftragte für Datenschutz in Baden-Württemberg:

Da würde ich grundsätzlich schon von einem hohen Risiko ausgehen, weil man mit solchen Daten zum Beispiel so etwas wie einen Identitätsdiebstahl begehen kann.

Auf Nachfrage teilt der schwedische Anbieter Voi mit:

Der Fehler wurde unmittelbar beseitigt und wir haben unsere Sicherheitsstandards verbessert, damit ein solcher Fall nicht noch einmal eintritt.

Nach eigenen Angaben habe Voi keinen Hinweis darauf, dass Dritte, außer dem Bayerischen Rundfunk, Zugriff auf die Daten hatten. Die schwedische Datenschutzbehörde sei informiert.

Rasant wachsender Markt

Der Verleih der Roller ist ein Milliardenmarkt: Risikokapitalgeber, darunter Uber und der Google-Konzern Alphabet, investieren dreistellige Millionensummen in vielversprechende Start-ups. Der schwedische Anbieter Voi ist eine von derzeit zwei Dutzend Firmen, die Scooter verleihen. Sie alle drängen in rasantem Tempo auf einen Markt, der gerade entsteht.

Das kann Probleme mit sich bringen, sagt Linus Neumann, IT-Sicherheitsexperte beim Chaos Computer Club. Denn insbesondere in innovativen und neuen Marktbereichen, wo noch kein großer Anbieter etabliert sei, sei es "natürlich das Ziel aller Marktteilnehmer", eben diesen Markt für sich zu gewinnen. "Und in der Regel wird dort die Schnelligkeit, mit der das Produkt auf den Markt gebracht werden kann, höher bewertet als die Qualität, mit der das Produkt auf den Markt gebracht werden kann."

© Voi

E-Scooter des schwedischen Start-ups Voi

Weg für E-Scooter in Deutschland bereitet

E-Scooter sollen vor allem auf kurzen Strecken eingesetzt werden. Kunden sollen sich für den Großteil des Arbeitsweges in Bus und Bahn setzen und für die so genannte letzte Meile zwischen Haltestelle und Arbeitsplatz auf einen Leih-E-Roller umsteigen – bald auch in Deutschland.

Die entsprechende "Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung" (eKFV) hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bereits unterschrieben, noch im Frühjahr soll sie in Kraft treten. Sobald die E-Scooter auf öffentlichen Wegen erlaubt sind, darf man mit ihnen maximal 20 km/h fahren. Sie können in öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden.

Eine Helmpflicht gibt es nicht, eine Führerscheinpflicht ebenso wenig. Wer einen Roller besitzt, der nicht schneller als 12 km/h fährt, darf auf Gehwegen rollen. Fährt der Scooter 20 km/h – das ist die Obergrenze – dürfen die Scooter ausschließlich auf dem Radweg betrieben werden – und wenn so einer fehlt, dann auf der Straße.

Pilotprojekt in Bamberg

In Deutschland sind die E-Scooter bisher nur in einer Stadt am Start: Seit vergangenen Freitag rollen 15 Leih-Tretroller durch Bamberg. Die bayerische Stadt hat eine Sondergenehmigung vom Straßenverkehrsamt. Für das Pilotprojekt kooperiert sie mit dem amerikanischen Anbieter Bird.