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Symbolbild Datenklau
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Nadja Stempel
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Symbolbild Datenklau

Nach der Festnahme eines 20-jährigen aus Mittelhessen am Sonntag wurde der Schüler wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie das Bundeskriminalamt auf einer Pressekonferenz bekanntgab, bestehe weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr.

Einzeltäter "typisch für die Szene"

Als Motivation habe der 20-Jährige angegeben, dass er sich über die Aussagen von den betroffenen Politikern und Prominenten geärgert habe. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Vor seiner Festnahme habe der Tatverdächtige noch versucht, einen PC zu zerstören.

Der 20-jährige ist Schüler und lebt bei seinen Eltern zu Hause. Er ist weder IT-Spezialist noch Techniker. Seine Kenntnisse eignete er sich selbst an, was laut BKA "typisch für die Szene" ist.

Zwei Tage hatten die Sicherheitsbehörden nach den Verantwortlichen für den massiven Datendiebstahl gefahndet. Der Zugriff erfolgte bereits am Sonntag. Die Wohnung des Mannes sei durchsucht worden. Nach seiner Festnahme hat der Mann den Vorwurf des "Ausspähens von personenbezogenen Daten und unautorisierter Veröffentlichung im Internet" umfänglich eingeräumt. Zusätzlich bot er seine Hilfe an, die Tat mit aufzuklären.

50 schwerwiegende Fälle

Von dem großen Datendiebstahl sind laut Innenministerium etwa 1.000 Menschen betroffen, von denen Daten im Internet veröffentlicht wurden. Meist geht es um reine Kontaktdaten, in 50 bis 60 schwereren Fällen aber auch etwa um private Chat-Verläufe.

Dabei nutzte er ersten Erkenntnissen der Ermittler zufolge die zwei Accountnamen "G0d" und "0rbit" und auch ein gekapertes Twitter-Konto. Neben ausgespähten Daten soll er auch Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen gesammelt und zugänglich gemacht haben.

Manche Informationen auch schon früher ins Netz gestellt

Über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto "@_0rbit" im Dezember hatte der 20-Jährige zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht. Manche Informationen hatte er auch schon früher ins Netz gestellt. Handynummern, Ausweis-Kopien, private Fotos, Verträge, Videos

Im Zusammenhang mit dem Hackerangriff war bereits die Wohnung eines 19-Jährigen in Heilbronn durchsucht worden, der als Zeuge geführt wird. Jan S. hatte über Twitter erklärt, "0rbit" gut zu kennen. Als "Nullr0uter" soll er bereits seit Jahren private Daten von YouTube-Stars veröffentlicht haben, als "0rbit" stellte er die Daten von fast 1.000 Politikern und Prominenten ins Netz.

Bei den meisten wurden nur die E-Mail-Adresse oder die Handynummer veröffentlicht, bei rund 50 Betroffenen allerdings auch Ausweis-Kopien, private Fotos, Verträge und Videos gegen ihren Willen.Die Bundesregierung will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und die Cyber-Sicherheit verbessern. Dazu soll in den nächsten Monaten unter anderem ein "Cyber-Abwehrzentrum plus" geschaffen werden.

Kabinettssitzung zur Datenschutz und Datensicherheit

Der aktuelle Datenklau beschäftigt auch das bayerische Kabinett. Nachdem auch Politiker im Freistaat von dem massiven Online-Angriff betroffen sind, stehen Datensicherheit und Datenschutz im Zentrum der heutigen Sitzung.

Am Nachmittag wollen Bundesinnenminister Horst Seehofer, der Chef der IT-Sicherheitsbehörde BSI, Arne Schönbohm, und BKA-Präsident Holger Münch in Berlin über die Erkenntnisse zum Daten-Diebstahl Auskunft geben.

Bundesamt für IT-Sicherheit in Kritik

Politiker von SPD, Grünen und FDP hatten infrage gestellt, ob das Bundesamt für IT-Sicherheit rasch genug reagiert habe. Bislang ist nicht bekannt, ob die Daten durch das Eindringen in Computernetzwerke erlangt oder ob sie widerrechtlich weitergeleitet wurden.

Seehofer hatte erklärt, es deute vieles darauf hin, "dass Daten durch die missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten zu Clouddiensten, zu E-Mail-Accounts oder zu sozialen Netzwerken erlangt wurden". Die Ermittlungen führt eine Sondereinheit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, die Zentralstelle zur Bekämpfung der Computer- und Internetkriminalität.

Cybersicherheit

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