WhatsApp-Alternativen

Alternativen zum Platzhirsch WhatsApp erfreuen sich immer mehr Beliebtheit

Bildrechte: Picture Alliance
    > Netzwelt >

    Das sind die wichtigsten WhatsApp-Alternativen

    Das sind die wichtigsten WhatsApp-Alternativen

    Aus Datenschutzschicht gibt es immer wieder viel Kritik an WhatsApp. Nun war der Messenger auch noch stundenlang down. Doch welche Alternativen gibt es? Und was sind deren Vor- und Nachteile?

    Am 5. Oktober waren Facebook, Instagram und auch WhatsApp stundenlang down. Dass WhatsApp immer stärker mit Facebook zusammenwächst, wirft zudem immer wieder Datenschutzbedenken auf. Schon lange gilt WhatsApp als ein Messengerdienst, der vergleichsweise viele Daten sammelt. Insofern lohnt es sich, die Alternativen zu kennen. Ein Überblick.

    Signal

    Als WhatsApp down war, pries der amerikanische Whistleblower und Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden Signal als “privatere, Non-Profit Alternative” zu WhatsApp an:

    Signal wird oft empfohlen, wenn es um privatsphärefreundliche Alternativen zu WhatsApp geht. Der Messenger kann alles, was WhatsApp auch kann, allerdings ist er Open Source, das heißt, der Programm-Code ist öffentlich und kann eingesehen und kontrolliert werden. Alle Chats sind Ende-zu-Ende verschlüsselt.

    Praktisch: Man kann einstellen, dass die Nachrichten, die man schreibt, nur für eine bestimmte Zeit lesbar sind und sich dann automatisch löschen. Dieses Feature gibt es auch beim Telegram-Messenger und auch WhatsApp hat es 2021 eingeführt. Man kann Signal außerdem den Zugriff auf seine Kontakte verbieten. In dem Fall muss man die Nummer der Empfänger allerdings händisch eintippen.

    Nachteile?

    Auch Signal benötigt, wie WhatsApp, eine Telefonnummer zur Identifizierung. Signal hat keine Back-Up-Funktion.

    Threema

    Viele Messenger versuchen sich von WhatsApp dadurch zu unterscheiden, dass sie auf Datenschutz und Sicherheit größeren Wert legen. So auch Threema. Der Messenger aus der Schweiz setzt auf eine starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, zudem muss man nicht seine Telefonnummer angeben, sondern bekommt eine zufällige Nummer, eine ID, die man den Leuten mitteilen kann, mit denen man chatten möchte. Kontaktdaten werden nur anonymisiert benutzt und nicht gespeichert. Seit Ende 2020 ist die Messenger-Software auch Open Source, die Server-Software jedoch nicht.

    Nachteile?

    Die App kostet einmalig 3,99 Euro, sowohl im Apple-, als auch im Anroid-Store.

    Telegram

    Telegram wurde 2013 vom russischen Unternehmer Pavel Durov gegründet, der seinen Messenger als sichere und datenschutzfreundliche App anpries, die die Privatsphäre der Nutzer achten würde. Allerdings werden die Nachrichten zentral auf einem Server gespeichert, die Nachrichten sind standardmäßig - anders als etwa bei WhatsApp - auch nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt. Zwar kann man die Verschlüsselung aktivieren, allerdings ist diese Funktion gut versteckt und die Verschlüsselung unter Experten umstritten.

    Beliebt ist Telegram wegen seiner Gruppenchatfunktion, für die es viele nützliche Features gibt, etwa Umfragen oder Terminerinnerungen. Außerdem können die Gruppen unbegrenzt groß sein.

    Die Apps von Telegram sind quelloffen, können also von jedermann eingesehen werden, die Software des zentralen Servers ist hingegen proprietär.

    Nachteile?

    Die Verschlüsselung, die Telegram einsetzt, gilt unter Experten als umstritten, was die Sicherheit angeht. Die App muss mit einer Telefonnummer verknüpft werden. Man kann allerdings einstellen, ob die angegebene Nummer für andere sichtbar ist. Seit einiger Zeit hat Telegram damit zu kämpfen, vermehrt Verschwörungstheoretiker anzuziehen.

    Wire

    Wire wurde 2014 in der Schweiz gegründet, die Wire gibt es als mobile App fürs Smartphone, man kann den Messenger aber auch im Browser am Rechner nutzen. Ein Nutzer kann bis zu acht Geräte anmelden. Chats, Telefonate, Gruppenanrufe und Video-Calls sind standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das bietet in dieser Breite kein anderer Messenger. Bei der Verschlüsselung kommt dasselbe Protokoll zum Einsatz wie bei Signal. Wire lässt sich auch ohne Telefonnummer und ohne Zugriff aufs Adressbuch nutzen. Für jede Nachricht lässt sich einstellen, wann sie sich - wenn gewünscht - selbst löschen soll. Auch Wire basiert auf einer Open-Source-Software.

    Nachteile?

    Wire kann man nicht nutzen, ohne einen Namen und eine Handynummer oder eine E-Mailadresse anzugeben. Der Dienst speichert Metadaten von Chats, wenn auch anonymisiert. 2019 wurde Wire von einer US-Holding übernommen und unterliegt somit der amerikanischen Sicherheitsgesetzgebung.

    Ginlo

    Ginlo ist ein deutscher Messenger, die ginlo.net GmbH hat ihren Sitz in München. Auch die Server stehen in Deutschland. Mit Ginlo kann man Nachrichten, Dateien, Bilder, Videos, und Sprachnachrichten in Einzel- und Gruppenchats versenden, auch Audio- und Videochats sind möglich. Alle Chats sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Praktisch ist, dass man Nachrichten auch planen kann. Außerdem gibt es die Funktion, dass sich Nachrichten automatisch zerstören, sobald sie der Empfänger gesehen hat. Gruppenchats sind ebenfalls möglich. Für private Nutzer ist die App kostenfrei. Die kostenpflichtige Business-Version bietet wesentlich mehr Funktionen wie etwa Abwesenheitsnotizen, Nachrichtenpriorisierung oder die Möglichkeit, das Aussehen der App an die eigene Marke anzupassen. Beide Versionen sind DSGVO-konform.

    Nachteile?

    Zur Registrierung wird eine Telefonnummer benötigt. Telefonate sind nicht möglich. Und Ginlo ist (noch) keine Open-Source-Software.

    SMS

    Die gute alte SMS hat durchaus ihre Vorteile: Niemand kann sehen, ob man online ist oder eine Nachricht schon gelesen hat, zudem kann eine schlechte Datenverbindung einer SMS nichts anhaben. Vor allem aber kann fast jedes Handy SMS verschicken, man muss sich nicht umständlich auf einen Messenger einigen, um Nachrichten austauschen zu können.

    Nachteile?

    SMS kann teuer werden, vor allem dann, wenn man Videos verschicken möchte, was auch weit weniger gut funktioniert als bei WhatsApp & Co. Zudem gilt die SMS als leicht angreifbar und somit als eine eher unsichere Art der Kommunikation.

    Freie Messenger

    Es kann auch eine Idee sein, auf einen der vielen freien Messenger umzusteigen. Die meisten freien Messenger arbeiten auf Basis des Protokolls XMPP/Jabber, das Open Source und plattformneutral ist. Für Android gibt es zum Beispiel die Messenger Conversations, Quicksy oder Yaxim, für iOS etwa ChatSecure, Monal oder Siskin.

    Freie bzw. anbieterunabhängige Messenger funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie E-Mail: Als Nutzer legt man bei einem von vielen verschiedenen dezentralen Chatservern ein Chatkonto an. Damit kann man einander sowohl über eine von mehreren Smartphone-Apps als auch über Desktop-Programme schreiben. Es ist auch möglich, sich über den Browser auf einem Chat-Server anzumelden und von dort aus einem anderen Nutzer von freiem Chat eine Nachricht zu senden. Dabei ist niemand an eine bestimmte App gebunden. Man kann das System sowohl mit, aber auch ohne eine Handynummer nutzen.

    Nachteile?

    Die Einrichtung setzt einiges an technischen Kenntnissen voraus, speziell, was die - prinzipiell mögliche - Verschlüsselung von Chats betrifft.

    Fazit

    An WhatsApp-Alternativen herrscht kein Mangel, doch genau diese Zersplitterung des Angebots ist gleichzeitig auch ein Problem. Denn damit einem eine Messenger-App nützt, müssen möglichst viele Menschen dieselbe Messenger-App benutzen. Und nach wie vor ist kein Messenger-Dienst so beliebt wie WhatsApp. Doch mit jedem neuen (Datenschutz-)Skandal bei WhatsApp stellt sich die Frage nach Alternativen neu.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!