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Keanu Reeves ist in Cyberpunk 2077 in einer Nebenrolle zu sehen

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    Das sind die wichtigsten Computerspiele des Jahres 2020

    Mal düster, mal bunt, aber immer unterhaltsam: Videospiele wie Cyberpunk 2077 haben dieses Jahr für jede Menge Zündstoff gesorgt. Aber was ist das wirklich beste Spiel des Jahres? Und was die größte Enttäuschung?

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    Von
    • Christian Schiffer

    Das beste Spiel: Cyberpunk 2077

    Kein Spiel wurde so gespannt erwartet wie das Rollenspiel "Cyberpunk 2077". Vier Mal musste dieses Monumentalwerk verschoben werden, in dem auch Keanu Reeves in einer Nebenrolle zu sehen ist. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn "Cyberpunk 2077" ist ein Meisterwerk, ein Spiel monströs-melancholisch und düster-depressiv. Als Söldner durchstreift man Night City, die atemberaubendste, schönste, anmutigste und faszinierendste Stadt, die je für ein Computerspiel erschaffen wurde.

    Wer das erste Mal durch die Gassen dieses dampfenden, fiebrigen Molochs schlendert, diesem urbanen Ungetüm, mit all seinen Gassen, Hinterhöfen, Drogenproblemen, Bandenkriegen und Morden auf offener Straße, der erstarrt geradezu in Ehrfurcht angesichts dieses Weltwunders digitaler Spielekunst. Die eigentliche Stärke des Spiels liegt aber bei den großen und kleinen Geschichten, die hier erzählt werden. Und in den ruhigen und nachdenklichen Momenten, die "Cyberpunk 2077" zu einem Meilenstein der Spielegeschichte machen.

    Die größte Enttäuschung: Cyberpunk 2077

    Nur: Das beste Spiel des Jahres ist zugleich die größte Enttäuschung des Jahres. Denn ein Meisterwerk ist "Cyberpunk 2077" nur auf dem PC und den Konsolen der neuesten Generation. Auch auf Googles Stadia soll das Spiel gut laufen. Besitzer einer PlayStation 4 oder einer Xbox One erleben stattdessen Frust. Denn auf diesen Systemen kommt es zu häufigen Abstürzen und Programmfehlern, und dass so gravierend, dass Sony sich dazu entschloss, das Spiel aus dem PlayStation-Store zu nehmen. Der Spiele-Entwickler hinter "Cyberpunkt 2077" hat angekündigt, das Spiel in den nächsten Monaten mit Updates zu verbessern. Gut möglich also, dass 2021 für Besitzer älterer Konsolen ein richtig gutes Videospieljahr werden wird.

    Der größte Lockdown-Hit: Animal Crossing: New Horizons

    Weit über 18 Millionen mal hat sich dieses Nintendo-Spiel bislang verkauft, das im März 2020 erschienen ist. Und das ist auch kein Wunder: Denn "Animal Crossing: New Horizons" ist ein knuffiges Spiel. Die Figuren sind knuffig, die Bäume sind knuffig, ja sogar Brücken, Fische oder Wespennester sind knuffig. Das Spiel ist eine Mischung aus Lebenssimulation und Kreativbaukasten und ein Feel-Good-Game, in dem man eigentlich gar nicht mal so viel mehr tut, außer mit anderen zu angeln, zu ernten und zu werkeln. Das macht "Animal Crossing" zur kunterbunten Antithese zur tristen Corona-Realität.

    Die beste Lebensaufgabe: Microsoft Flight Simulator 2020

    Mit Computerspielen kann man viel Zeit verbringen, sehr viel Zeit sogar. Diese Eigenschaft des Mediums hat vielen Menschen durch die Corona-Zeit geholfen und der Branche hohe Umsätze beschert. Komplexe Strategiespiele boomten, aber auch Online-Rollenspiele wie World of Warcraft. Passenderweise erschien in diesem Jahr der Flugsimulator von Microsoft, ein Stück Software, das eher Lebensaufgabe als Spiel ist. Zwei Petabyte an Daten umfasst dieser Software-Koloss, das sind 2 Millionen Gigabyte. Die Daten werden permanent aus dem Netz geladen und werden zu 45.000 Flughäfen, zwei Millionen Ortschaften und insgesamt 1,5 Billionen Bäumen. So kann man in nie gekanntem Realismus die ganze Welt befliegen und vom heimischen PC aus auf Sightseeing-Tour gehen.

    Der beste Geheimtipp: Suzerain

    "Suzerain" ist ein Politiksimulator. Allerdings waren die meisten Politiksimulatoren bislang in etwa so spannend wie eine Nachwahl von SPD-Bundeswahlkreisersatzdeligierten. "Suzerain" aber ist anders. Denn "Suzerain" ist eine Mischung aus Strategiespiel und interaktivem Roman. Man streitet mit der knorrigen Innenministerin um das Polizeibudget oder fädelt mit dem schmierlappigen Medien-Mogul schmutzige Hinterzimmer-Deals ein. Kein zerplatzender Zombiekopf, kein geschossenes Tor, kein gelungener Sprung, nichts von dem, was in vielen Computerspielen Erfolg ausmacht, ist nur ansatzweise so befriedigend wie in "Suzerain" nach einem harten und zähen Verhandlungsmarathon eine knappe zwei Drittel-Mehrheit im Parlament für eine Verfassungsreform zusammenzubekommen. "Suzerain" ist, um es in der Sprache der Politik zu sagen, ein Erdrutschsieg.

    Das beste Spiel für den zweiten Lockdown: Crusader Kings 3

    "Crusader Kings 3" ist von Paradox Interactive: Der Firma, die sich wie keine andere auf Corona-Spiele spezialisiert hat. Sprich: Strategie-Spiele, die sehr komplex sind und mit denen man prima sehr viel Zeit totschlagen kann. In dem Mittelalterspiel "Crusader Kings 3" beispielsweise übernimmt man die Geschicke eines Adelsfamilie. Das Schöne: Das Spiel ist aufgeräumt und erklärt seine Mechaniken so, dass man nicht erst zwei Semester für das Tutorial einplanen muss, um loszulegen. Und so schmiedet man Heiratspläne, kämpft mit Aufständen und Intrigen - und fühlt sich, als wäre man Teil einer nie endenden Folge von "Game of Thrones".

    Corona hingegen wird enden und durchhalten wird auch im nächsten Jahr dank eines kontinuierlichen Spiele-Nachschubs hoffentlich ein wenig leichter fallen. Unter anderem steht im ersten Quartal mit „Humankind“ ein Strategiespiel ins Haus, in dem man eine Zivilisation von der Steinzeit in die Moderne führt. Genug zu tun gibt es also.

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